Ich erinnere an … / Teil 8

Heute denke ich an Hermann, Friedrich, Moriz, Anna und Aron

Hier ist die Verbindung

Hermann ALLERS
Wohnhaft in Hamburg, geboren 1887. Gehörte zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden.

Warum? Warum wurden Hermann und 70 andere Menschen von Fuhlsbüttel nach Neuengamme verbracht und hingerichtet? 13 Frauen und 58 Männer. Bestialisch. Im Arrestbunker mit Handgranaten, Kopfschüssen oder erschlagen. Niemand von ihnen war ein/e Kriminelle/r. Und was mich dabei besonders ärgert, sind Menschen, die sich heutzutage mit Hermann und all den anderen damaligen Opfern identifizieren, etwa auf Querdenker-Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen. Menschen, die allen Ernstes Mord mit Handgranaten, Kopfschüssen oder Knüppel dem gleichsetzen, was die Polizei tut, wenn nachvollziehbare Auflagen nicht eingehalten werden. Egozentriker. Da sehen wir keine Weltbilder mehr, nur noch ICH-Bilder. Viele der 71 Ermordeten waren hingegen Widerstandskämpfer:innen im Sinne des Wortes. Keine Freizeithelden aus Gründen von ‚mir geht es zu gut‘.

Friedrich ANDERSEN
Friedrich war von Beruf Schneider. Er wohnte in Hamburg in der Große Theaterstraße 48 und wurde am 7.10.1897 geboren. Vielleicht war Friedrich in der KPD oder der SPD, der Haftgrund ist wohl nicht verzeichnet, ab er wurde am 28.10.1937 ermordet.

Moriz APPERMANN
Von Beruf war Moriz ein Kaufmann, ein kaufmännischer Angestellter. Auch er wohnte in Hamburg, in der Emilienstraße 87 und wurde geboren am 15.4.1883 in Wien. Er war Österreicher und weigerte sich, einen jüdischen Vornamen anzunehmen, wie die Nazis es den jüdischen Mitbürgern vorschrieben. Dafür wurde er verurteilt. Er wurde am 30.3.1942 ermordet.

Anna ARAPOWA
Anna war eine der Zwangsarbeiterinnen, die beim Norddeutschen Leichtmetall- und Colbenwerk (NOLEICO) in Altona als gefangene Soldatinnen der Roten Armee zur täglichen Arbeit gezwungen wurde, und das bei schlechter Verpflegung. Genau dagegen haben die Frauen dann protestiert, die Arbeit niedergelegt. Das Werk rief die Gestapo. Fünf der Frauen ließ man als ‚Rädelsführerinnen‘ verhaften. Sie kamen nach Fuhlsbüttel. Anna wurde geboren am 22. Oktober 1916 in Sverdlowsk, in der Sowjetunion. Am 15. November 1943 wurden sie in den Winsbergen bei Eidelstedt nördlich von Altona durch Genickschuss hingerichtet. Die anderen russischen Zwangsarbeiterinnen aus dem Werk mussten zur Abschreckung zuschauen.

Aron AUERBACH
So wie Moriz, war auch Aron von Beruf Kaufmann, wohnhaft in Hamburg in der Hansastraße 74, geboren am 20.4.1869 und ermordet am 5.7.1938, Haftgrund war rassisch, denn Aron war ebenso wie Moriz Jude.

Wären Moriz und Aron noch unter uns und sähen die Benutzung des von den Nazis im September 1941 eingeführten ‚Judensterns‘ als Meinungs- und Identifikationssymbol von Menschen, die eine Impfung mit den ‚Sofortmaßnahmen der Judenfrage‘ gleichsetzen, würden beide den Kopf schütteln und sich mindestens ungläubig wegdrehen. Eine Beleidigung all der Opfer. Eine Verhöhnung des Leids. Mir fehlt dafür jegliches Verständnis. Dafür gibt es noch nicht mal den Hauch einer Entschuldigung. Ein einziger Grund, sich fremdzuschämen.

Hier ist die Verantwortung

Seit mehr als 20 Jahren beschäftige ich mich jetzt mit dem Komplex um meinen Opa (ja, ich sage immer noch ‚Opa‘, denn das war er ja und wird es immer sein). Vor allem das Buch von Herbert Diercks (das es leider nicht mehr gibt) habe ich mehr als einmal durchgearbeitet, bis es auseinanderfiel und ich mir ein neues besorgte. Und dort drinnen die Namen, von denen ich nach all den Jahren schon einige zu kennen meine. Sich mit diesen Namen beschäftigen und dahinter erst Personen, dann Menschen, dann deren Leben (sofern aufgezeichnet) und Wirken zu sehen, schafft eine Verbindung. Man kann Menschen kennenlernen, indem man sich nur mit ihrem Vermächtnis beschäftigt. Eine emotionale Verbindung aufbauen. Was zeigt, dass sie nur physisch nicht mehr hier sind. Sie leben immer noch unter uns. In unserem Gedächtnis und den damit verbundenen Emotionen. Sie sind nicht tot. Und das ist die Verantwortung, die sie uns aufbürden, die wir uns selbst aufbürden. Das ist unsere Pflicht. Keine Schuld, sondern Pflicht. Das tut Geschichte, wenn man sich mit ihr im besten menschlichen Sinne beschäftigt. Die Nazis, die Neurechten, Populisten, Ewiggestrigen können das nicht. Geschichte ist ihr Feind. Dort steht, dass sie unrecht haben.

Anmerkung des Autors

Denjenigen unter uns, die der Meinung sind, Pandemie-Maßnahmen in Deutschland bzw. weltweit, seien auch nur ansatzweise mit Handlungen der Gestapo oder den totalitären Wesenszügen des Dritten Reichs vergleichbar, möchte ich nahelegen, solche kleinen Geschichten zu lesen und genau darüber nachzudenken, ob irgendjemand heutzutage so behandelt wird, nur weil er gegen Corona-Maßnahmen demonstriert. Wer diesen Vergleich zieht, verhöhnt Hermann, Friedrich, Moriz, Anna und Aron und all die anderen Opfer des Naziterrors. Ich kann nur schlussfolgern, dass hier ein sehr begrenztes Wissen bzw. Ahnungen oder Hörensagen vorliegen und man sich in keinster Weise mit den massenhaft zur Verfügung stehenden Quellen beschäftigt hat, sondern sich auf das verlässt und man dem folgt, was moderne Rattenfänger streuen, um eigene Ziele zu verfolgen. Das ist peinlich und beschämend. Zumal im Zuge dieser Rattenfänger-Maßnahmen Rassismus und Antisemitismus aufblühen, und Mitmarschierer sich das automatisch zu eigen machen.

Ich erinnere an … / Teil 6

Kurt Karl Ewald
Originalkopf der Aussage

Vernehmung EWALD, Kurt Karl

Ich bin Kurt Karl EWALD, geb. am 6.10.1910 in Halle. Ich bin evangelisch. Ich bin Deutscher Nationalität. Ich bin verheiratet und habe 1 Kind im Alter von 4 Jahren. Ich bin Schlachter. Ich war niemals Mitglied der NSDAP oder einer anderen NS-Organisation.

Ich bin Halbarier und wurde deshalb das erste Mal bei der Judenrevolte in 1938 verhaftet, aber nach 3 Wochen wieder frei gelassen. Das zweite Mal wurde ich mit meiner Frau und meiner ganzen Verwandtschaft sowie Belegschaft am 3. Febr. 1945 verhaftet. Ich wurde dieses Mal der Feindbegünstigung und Sabotage beschuldigt. Ich kam nach Fuhlsbüttel ins Gestapo Gefängnis. Hier blieb ich 3 Wochen in Einzelhaft, dann kam ich in Dunkelhaft und Ketten. Mitte April 1945 wurde Fuhlsbüttel geräumt und es gingen verschiedene Transporte nach Kiel-Hassee. Ich selbst ging mit dem letzten Transport weg.

Unser Transport unterstand dem Wachtmeister HENNINGS von Fuhlsbüttel. Dieser war ein SS-Mann und ein sehr brutaler Mensch. Er hatte weiter noch ca. 7 oder 8 Mann Wachpersonal bei sich. Einer war ein Deutscher, er hieß HAHN, die anderen waren Flamen. Namen dieser Letzteren weiß ich nicht mehr. Der Transport bestand aus ca. 160 Mann, die den verschiedensten Nationalitäten angehörten. Die Marschverpflegung war völlig unzureichend und die Bekleidung ganz schlecht. Besonders die Schuhe waren fast alle völlig kaputt. Die Ausländer waren am schlechtesten dran, davon wiederum die Holländer am allerschlechtesten.

Der erste Tagesmarsch von ca. 35 km brachte uns nach Kaltenkirchen. Auf dem Marsch dorthin wurde bereits 1 Mann, dessen Nationalität mir nicht bekannt ist, erschossen. Wahrscheinlich hatte er schlapp gemacht, denn HENNINGS hatte bereits vorher mitgeteilt, dass wer nicht mitkommen kann während des Marsches erschossen würde. Am nächsten Morgen in Kaltenkirchen konnten 2 der Häftlinge nicht mehr aufstehen. Es handelte sich hier um einen italienischen Arzt und einen holländischen Lehrer. Als wir abmarschierten blieb der Wachmann HAHN mit diesen allein zurück. Weiter blieb auch ein anderer Häftling, der SCHLENSTEDT hieß, in Kaltenkirchen zurück und der ein Deutscher war, da er auch nicht mehr laufen konnte. HAHN kam später auf einem Fahrrad unserem Transport nach. SCHLENSTEDT sah ich einige Tage später in Kiel-Hassee wieder, die 2 Ausländer habe ich nie wieder gesehen. Ich hörte später, sie seien von HAHN erschossen worden.

Die dritte Nacht verbrachten wir in einer Scheune am Einfelder See. Am nächsten Morgen beim Appell fehlten 3 oder 4 Mann. Hierauf sagte HENNINGS, wenn die sich nicht anfinden, werde ich eine Anzahl von Euch erledigen. Daraufhin gingen die SS-Männer und der Bauer auf dessen Hof wir uns befanden, alle möglichen Verstecke absuchen. Nach einigen Minuten hörten wir schon die ersten Schreie. Dann kamen 2 oder 3 Mann vom Boden der Scheune herunter und wurden HENNINGS vorgestellt. Er fragte, warum sie sich versteckt hätten. Sie sagten, sie hätten nur die Zeit verschlafen. HENNINGS glaubte es nicht und ich hörte, wie er zu den SS-Leuten (2 Flamen) sagte, wenn es nicht gleich knallt, dann knalle ich selber. Er hatte da bereits wie übrigens immer, seine eigene Maschinenpistole in Stellung. Darauf erschoss einer der Flamen vor HENNINGS und unseren Augen diese 3 Männer. Es waren Ukrainer. Die Leichen wurden ins Gebüsch gelegt, nachdem Hennings die Papiere derselben an sich genommen hatte.

Dann marschierten wir weiter nach Kiel, wo wir am 4. Tage ankamen. Der Transport bestand nur aus Männern. Wir waren am Ende des Marsches alle in sehr schlechter Verfassung. HENNINGS hatte während des ganzen Marsches ein Fahrrad bei sich, aber alle anderen Häftlinge und Wachpersonal hatten zu marschieren.

Abschrift des Originals

Anmerkung des Autors

Denjenigen unter uns, die der Meinung sind, Pandemie-Maßnahmen in Deutschland bzw. weltweit, seien auch nur ansatzweise mit Handlungen der Gestapo oder den totalitären Wesenszügen des Dritten Reichs vergleichbar, möchte ich nahelegen, solche Zeugenaussagen aus dem Prozess II der drei Fuhslbüttel-Prozesse zu lesen. Ich kann nur schlussfolgern, dass hier ein sehr begrenztes Wissen bzw. Ahnungen oder Hörensagen vorliegen und man sich in keinster Weise mit den massenhaft zur Verfügung stehenden Quellen beschäftigt hat, sondern sich auf das verlässt und man dem folgt, was moderne Rattenfänger streuen, um eigene Ziele zu verfolgen. Das ist peinlich und beschämend. Zumal im Zuge dieser Rattenfänger-Maßnahmen der Antisemitismus aufblüht, und Mitmarschierer sich diesen automatisch zu eigen machen.

Ich erinnere an … / Teil 5

Margarete und Paul Zinke

Im Juli 1944 haben Margarete und Paul Zinke geheiratet. Margarete wurde am 18. Januar 1914 geboren, Paul am 8. März 1901. Er war von Beruf Elektriker. Beide waren Mitglied in der KPD und während der Nazizeit im Widerstand, in der Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe. Zu Beginn ihrer Ehe wohnten beide wohl im Haus 10, Falkenried 26 in Hamburg, später vermutlich illegal in der Sierichstraße 18. Margarete und Paul gehörten zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Ihr könnt mehr über das Leben dieser beiden Menschen erfahren. Es gibt Stolpersteine und mehr Informationen zu Margarete und Paul auf der Internetseite der Stolpersteine Hamburg.

Margarete und Paul waren mutige Menschen. Und ihr Mut kann uns bis heute, ja, besonders heute, helfen. Denn sie strafen diejenigen Lügen, die behaupten, Nationalsozialisten seine ‚Linke‘ gewesen und somit seien linke Menschen heute ebenfalls Nazis.

Ich fand es schon immer schrecklich, hören oder lesen zu müssen, dass mancher Tod oder manche Tode nicht umsonst seien. Vielmehr möchte ich sagen, dass ihr Leben nicht umsonst war, ihr Widerstehen gegen Totalitarismus und größtmögliche Unmenschlichkeit. Man kann den beiden nicht genug danken.

Anmerkung des Autors

Denjenigen unter uns, die der Meinung sind, Pandemie-Maßnahmen in Deutschland bzw. weltweit, seien auch nur ansatzweise mit Handlungen der Gestapo oder den totalitären Wesenszügen des Dritten Reichs vergleichbar, möchte ich nahelegen, solche kleinen Geschichten zu lesen und genau darüber nachzudenken, ob irgendjemand heutzutage so behandelt wird, nur weil er gegen Corona-Maßnahmen demonstriert. Wer diesen Vergleich zieht, verhöhnt Margarete und Paul Zinke und all die anderen Opfer des Naziterrors. Ich kann nur schlussfolgern, dass hier ein sehr begrenztes Wissen bzw. Ahnungen oder Hörensagen vorliegen und man sich in keinster Weise mit den massenhaft zur Verfügung stehenden Quellen beschäftigt hat, sondern sich auf das verlässt und man dem folgt, was moderne Rattenfänger streuen, um eigene Ziele zu verfolgen. Das ist peinlich und beschämend. Zumal im Zuge dieser Rattenfänger-Maßnahmen Rassismus und Antisemitismus aufblühen, und Mitmarschierer sich das automatisch zu eigen machen.

Ich erinnere an … / Teil 3

Salomon Abendana Belmonte und dessen Familie

Die alteingesessene Familie der Belmontes ist etwa seit dem 17. Jahrhundert in der Hansestadt an der Elbe. Sie sind aus Madeira eingewandert. Informationen zu dieser Familie finden Sie bei Wikipedia und den Stolpersteinen Hamburg. Der hier genannte Salomon Abendana Belmonte war wohnhaft in der Schäferkampsallee 11 und wurde am 29. September 1890 geboren. Die Brüder Alfred, Gustav, Paul, Salomon und Willibald Belmonte wurden am 26., 27. und 28. April 1939 gemeinsam mit ihrer Mutter Jenny Belmonte (Eppendorfer Weg 62) von der Gestapo verhaftet. Alfred, Paul und Salomon sollen in Fuhlsbüttel ‚Selbstmord‘ begangen haben. Am 2. Mai 1939 verstarb ihr Vater Michael Belmonte dreiundachtzigjährig im Israelitischen Krankenhaus. Willibald Belmonte wurde am 8. November 1941 von Hamburg nach Minsk, Gustav und die einundachtzigjährige Mutter Jenny Belmonte wurden am 19. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Vermutlich sind alle drei dort oder im KZ Auschwitz ums Leben gekommen.

Ich möchte noch aus der Internetseite der Stolpersteine Hamburg zitieren:

Am 26., 27. und 28. April wurden alle Belmonte-Brüder sowie ihre Mutter Jenny Belmonte von der Gestapo verhaftet und ins Konzentrationslager Fuhlsbüttel gebracht. Nach den Erinnerungen Max Plauts, dem Geschäftsführer des Jüdischen Religionsverbandes, wurden lediglich drei der Brüder verhaftet, ein vierter soll geflohen sein. Max Plaut nahm an einer Tagung teil, als er – vermutlich von der Gestapo – angerufen wurde und man ihm mitteilte: „,Die drei Belmonte-Brüder sind tot. Die haben sich erhängt.’ (…) Die waren auch tatsächlich alle drei am Fensterkreuz erhängt worden.“ Unter Aufsicht der Gestapo wurden die Leichen der Brüder Alfred, Paul und Salomon Belmonte von jüdischen Gemeindemitgliedern gewaschen. „Die Körper waren fürchterlich zugerichtet von Schlägen. Mit Werkzeugen müssen die geschlagen worden sein, sie waren alle drei bis zur Unkenntlichkeit zugerichtet worden.“ Die Gestapo stellte die Totenscheine aus. Als Todesursache wurde bei allen „Selbstmord durch Erhängen“ angegeben. Obwohl die Brüder vermutlich am selben Tag zu Tode gefoltert worden waren, hatte die Gestapo unterschiedliche Sterbedaten eingetragen

Quelle: Stolpersteine Hamburg

Anmerkung des Autors

Denjenigen unter uns, die der Meinung sind, Pandemie-Maßnahmen in Deutschland bzw. weltweit, seien auch nur ansatzweise mit Handlungen der Gestapo oder den totalitären Wesenszügen des Dritten Reichs vergleichbar, möchte ich nahelegen, solche kleinen Geschichten zu lesen und genau darüber nachzudenken, ob irgendjemand heutzutage so behandelt wird, nur weil er gegen Corona-Maßnahmen demonstriert. Wer diesen Vergleich zieht, verhöhnt die Familie Abendana und all die anderen Opfer des Naziterrors. Ich kann nur schlussfolgern, dass hier ein sehr begrenztes Wissen bzw. Ahnungen oder Hörensagen vorliegen und man sich in keinster Weise mit den massenhaft zur Verfügung stehenden Quellen beschäftigt hat, sondern sich auf das verlässt und man dem folgt, was moderne Rattenfänger streuen, um eigene Ziele zu verfolgen. Das ist peinlich und beschämend. Zumal im Zuge dieser Rattenfänger-Maßnahmen Rassismus und Antisemitismus aufblühen, und Mitmarschierer sich das automatisch zu eigen machen.

Ich erinnere an … / Teil 1

Frau Dreher wurde am 30. April 1915 in Hamburg geboren. Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder und ist Hausfrau. Nach ihrer Verhaftung und dem Verhör durch die Gestapo im Holstenglacis, wurde sie nach Fuhlsbüttel überstellt. Ihre Zeugenaussage lautet wie folgt (exakte Abschrift):

Vernehmung von Gertrud Wilhelmine Mathilde Therese DREHER

Vernehmung unter Eid von Gertrud Wilhelmine Mathilde Therese DREHER, weiblich, aus Hamburg 20, Brödermannsweg 77c.

Ich bin Gertrud Wilhelmine Mathilde Therese DREHER, geborene GRONAU, geboren am 30.4.1915 in Hamburg. Ich bin religionslos. Von Beruf bin ich Hausfrau. Ich bin verheiratet und habe 2 Kinder. Ich habe weder der NSDAP noch irgendeiner NS-Organisation angehört.

Nach meiner Verhaftung wurde ich ins Gestapo-Gebäude gebracht. Dort wurde ich von HELMS verhört. Später, als ich in Fuhlsbüttel eingeliefert wurde, bin ich von TESSMANN verhört worden, der mich dabei geschlagen hat. Ich weiß auch, dass er andere Häftlinge verhört hat.

Ich habe gesehen wie Ella SCHULZ, während sie Häftlingskolonnen in ein anderes Gebäude führte, Ausländerinnen, die ihre Befehle nicht verstanden, Ohrfeigen versetzte. Falls die Betroffenen versuchten sich zu entschuldigen, wurden sie weiter geschlagen.

Sonntags pflegte SCHULZ Saalrazzien durchzuführen. Dies wurde in den Ausländersälen durchgeführt. Sie hatte immer noch eine zweite Beamtin zu Hilfe, meistens BORGEMEHN oder BURMEISTER. Alle Frauen mussten sich im Flur nackt ausziehen und ihr Zeug wurde durchschaut. Falls der SCHULZ etwas missfiel, wurde die betroffene Frau geschlagen.

Die BORGEMEHN hatte die Ausländerinnen bei der Arbeit zu überwachen. Falls irgendein Werkzeug verloren ging oder die Frauen das vorgeschriebene Pensum nicht schafften, wurden sie von ihr geschlagen und das Essen wurde ihnen auf meistens eine Woche entzogen.

Anfang November 1944 wurde angeblich im Saal auf B 1 eine Decke zerrissen. Daraufhin ordnete die BORGEMEHN an, dass sämtlichen Ausländern die Decken entzogen wurden. Infolgedessen haben die Ausländerinnen 3 Wochen lang keine Decken gehabt. Als sich die Diphterieepidemie verbreitete, wurde ihnen wieder eine Decke zugeteilt, aber dann mussten sie nackt ins Bett gehen und die Kleider vor die Tür legen.

Im August 1944 wurde in Fuhlsbüttel eine Französin namens ROLAND eingeliefert. ROLAND hatte bei einem Gastwirt namens RATHJENS, wohnhaft am Siemensplatz, gearbeitet. Sie war nierenkrank und wurde vom Arzt als arbeitsunfähig geschrieben. Daraufhin klagte RATHJENS sie bei der Gestapo wegen Arbeitsverweigerung an. In Fuhlsbüttel versuchte BORGEMEHN ihr Vertrauen zu gewinnen. BORGEMEHN redete der ROLAND ein, dass – falls sie Aussage machte – sie entlassen wird. Die ROLAND hatte BORGEMEHN geglaubt und der Gestapo Aussagen gemacht, in denen sie Schwarzmarktbetreibungen des RATHJENS preisgab; unter anderem. Das hat sie mir selbst erzählt, mit der Bemerkung, dass sie jetzt bald entlassen wird. Daraufhin wurde sie mit dem nächsten Transport nach Ravensbrück zur Vernichtung geschickt. Auf meine Frage, wo ROLAND sei, sagte mir BORGEMEHN: „Die habe ich erledigt. Ist auf Vernichtung nach Ravensbrück gegangen. Die Ausländer seien nichts anderes Wert, als dass man sie vernichtet.“

Ich habe gesehen, wie BURMEISTER die Ausländerinnen die vom Fischkommando zurückkamen, nach geschmuggelten Lebensmitteln und Zigaretten untersuchte. Falls sie etwas fand, schlug sie die Betreffende, entzog ihr das Essen und beantragte meistens 14 Tage Arrest.

Die BURMEISTER kam manchmal morgens in die Ausländersäle und fragte, wer sich zum Arzt melden wolle. Denjenigen die sich meldeten, entzog sie dann die Fettzuteilung. Die BISMARCK hat eng mit TESSMANN gearbeitet. Sie hatte sich, eine mütterliche Weise für vorheuchelnd, das Vertrauen der Häftlinge erworben und sie dann der Gestapo preisgegeben Ich habe gesehen wie BISMARCK bei verschiedenen Gelegenheiten die Ausländerinnen geohrfeigt und geschlagen hat. Bei der Gelegenheit meines ärztlichen Besuches, beobachtete ich folgenden Vorfall. Es wurde eine Russin zum Arzt gebracht, die nach einem Verhör offene Wunden auf dem Gesäß hatte. Eine Wunde war so groß, dass man eine Faust reinstecken konnte. Doktor SCHNAPPAUF besah sich die Wunden und sagte, dass dies nicht schlimm sei und überließ den Verband dem Heildiener MAU. Die Wunden eiterten, weil sie tagelang nicht verbunden gewesen sind. MAU reinigte die Wunden überhaupt nicht, sondern streute ein wenig weißes Pulver hinein, bedeckte dies mit einem Stück Gaze und verklebte mit 2 Stück Leukoplast. Während der Behandlung bat er die BURMEISTER ihm zu helfen, was die ablehnte mit der Begründung, dass sie Russin schmutzig sei. Ich stellte mich dem MAU zur Verfügung und deshalb hab ich alles gut beobachten können. Dieser Verband hielt nicht und als die Russin aufstand, fiel alles herunter. Darauf sagte MAU, die muss damit selber fertig werden. Die Russin musste sich ankleiden und wurde in ihre Zelle geführt. Die Hose, die die Russin an hatte war ganz mit Blut und Eiter bedeckt. Ich bat die BURMEISTER ihr eine andere Hose zu geben, die mir antwortete, dass ich das ihr überlassen solle. Es ist noch nicht notwendig, die Hose ist noch nicht so schmutzig.

Diese Russin gehörte einer Gruppe von 6 russischen Mädchen an, die angeblich wegen Plünderung verhaftet wurden. Nach ungefähr einer Woche sind sie auf Vernichtungstransport gegangen. Ich möchte bei dieser Gelegenheit erwähnen dass ERKRUTH mir sagte, dass sie zusammen mit BORGEMEHN 6 Russinnen nach der Einlieferung verprügelte, obwohl sie schon beim Verhör in der Gestapo schrecklich geschlagen wurden. Sie hat mir auch gesagt, dass es sicher ist, dass sie aufgehängt werden.

Anmerkung des Autors

Denjenigen unter uns, die der Meinung sind, Pandemie-Maßnahmen in Deutschland bzw. weltweit, seien auch nur ansatzweise mit Handlungen der Gestapo oder den totalitären Wesenszügen des Dritten Reichs vergleichbar, möchte ich nahelegen, solche Zeugenaussagen aus dem Prozess II der drei Fuhslbüttel-Prozesse zu lesen. Ich kann nur schlussfolgern, dass hier ein sehr begrenztes Wissen bzw. Ahnungen oder Hörensagen vorliegen und man sich in keinster Weise mit den massenhaft zur Verfügung stehenden Quellen beschäftigt hat, sondern sich auf das verlässt und man dem folgt, was moderne Rattenfänger streuen, um eigene Ziele zu verfolgen. Das ist peinlich und beschämend. Zumal im Zuge dieser Rattenfänger-Maßnahmen der Antisemitismus aufblüht, und Mitmarschierer sich diesen automatisch zu eigen machen.