Die Buchreihe ‚Insel 64‘

Bild: Fragen an den Autor

Fragen an den Autor

Zwei Bücher sind es in dieser Reihe nun. Das erste kam Ende Januar und das zweite Mitte Juli 2022. Im ersten Buch befinden wir uns im Jahr 2148, und es geht nicht mehr um die Frage ‚Was machen wir?‘ sondern um ‚Wie geht es nun weiter?‘. In den Monaten nach dem Erscheinen von Insel 64 ließ mich der Gedanke an die Menschen im Buch aber nicht mehr los; ich habe mich ihnen angenähert. Ein Folgeroman ist zwar in Arbeit, trotz allem war ich unzufrieden. Etwas fehlte. Bis mir klar wurde, dass ich 110 Jahre übersprungen habe (aus Romansicht) und ich viel früher ansetzen muss. Wie hat das angefangen im Jahre 2038? Damit muss ich mich beschäftigen. Mit diesem – nur für einen Schreiberling entscheidenden Punkt – kamen weitere Fragen, die ich mir als Autor stelle (immer unter der Roman-Prämisse einer Flucht auf Inseln).

  • Wer darf auf die Inseln und wer nicht?
  • Wenn in einer Familie nur einer/eine Experte/Expertin ist, muss jemand zurückbleiben?
  • Werden also Familien auseinandergerissen?
  • Was passiert mit den Zurückgebliebenen?
  • Formen die Zurückgebliebenen regionale, staatenähnliche Gebilde?
  • Was passiert mit einer Gesellschaft, die derart dekonstruiert wird?
  • Wie entwickeln sich Persönlichkeiten unter diesen extremen Bedingungen?

Die Lage

Dazu müssen wir uns kurz die Lage im zweiten Band vorstellen. ‚Die Niederlage der Nike‘ beschreibt in etwa das Jahr 2038; obwohl an keiner Stelle des Buches eine genaue Datumsangabe gemacht wird, können wir getrost von diesem Jahr +/- drei Jahre ausgehen. In dieser Ära gibt es nicht nur Klimaextreme, auch eine Pandemie rollt über die Welt hinweg. Sowohl Wetterextreme als auch Pandemie sind zwei uns nicht unbekannte Faktoren im Jahr 2022. Die Realität ist also nicht sehr weit entfernt, sie ist greifbar. Und zumindest die Wetterextreme werden unser Leben zunehmend einschränken und gefährden. So ergeben sich für unser Jetzt, unsere Gesellschaften, unsere lokale Umgebung, enorme Veränderungen, die eine Menge Fragen aufwerfen. Reale Fragen (aus denen für Autor:innen dann Fragen und Themen eines Romans werden).

Fragen an den Mensch

Es liegt in der Natur des Romanschreibens, dass Recherche notwendig ist. Von einfachen Dingen wie dem Eruieren der Namen bestimmter Landstriche, Länder, Kulturen und deren Syntax bis hin zum Herausfinden, ob metallene Inseln tauchen können, wie sie beschaffen sein müssen, was veränderte klimatische Bedingungen für Auswirkungen in den Ökosystemen zeigen, ob eine Ernährung auf Algenbasis gewährleistet werden kann usw. usf. Ich schätze, dass ich ein Viertel der Zeit bis zur Fertigstellung für Recherche aufgewendet habe. Je mehr man aber in ein Thema – oder viele Themen – eintaucht, umso mehr Informationen, umso mehr Wissen sammelt sich an. Und das führt, so sehe ich das, automatisch zu Fragen, die ich mir als Mensch stelle. Als Beispiel würde ein/e Autor:in in einem Krimi und darin behandelter Todesstrafe plötzlich vor der Frage stehen, was er/sie dazu für eine Meinung hat. Schreiben ist Reflexion. Auseinandersetzung. Seit Menschengedenken. Im Falle von Insel 64 und Die Niederlage der Nike war ich in der relativ guten Position, dass ich mich zum Schreiben entschied, WEIL ich mich mit Klimawandel seit langem beschäftige und in einem vom Klimawandel besonders betroffenen Bereich Berufserfahrungen besitze. Als Landwirt ist man den Veränderungen direkt und unmittelbar unterworfen. Über die letzten Jahre kristallisierten sich viele Fragen heraus, aber eine ist entscheidend: Was tue ICH dagegen?

Die falschen Fragen

Zur Recherche gehören auch die Beobachtungen in den Sozialen Medien, im näheren Umfeld, Bekannte, Verwandte. Nimmt man dort das Problem zur Kenntnis? Wie geht man dort damit um? Auch hier lässt sich Bezeichnendes extrahieren.

  • Warum sollen WIR (Deutschland) was tun? (Die anderen verbrauchen viel mehr)
  • Warum soll ICH was tun? (Sollen doch die Reichen mal was tun)
  • Warum soll ICH was tun? (Die Armen verheizen doch eh alles)
  • Warum tut die Regierung nichts? (Dafür sind sie ja da)
  • Warum muss man überhaupt was tun? (Ist doch alles nur Fake)
  • Warum muss man überhaupt was tun? (Ist doch eh alles zu spät)

Fazit

Aufgrund der obigen Fragen, möchte ich mich im nächsten Beitrag (in den nächsten Tagen) mit der Frage beschäftigen: Was kann ich tun? Und warum? So eine Art Fatalismus macht sich breit, Unsicherheit. Und nichts mögen die Menschen weniger als Unsicherheit.

Euer Heiko

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