Die 9 Tode des Raffaele Bonatti

Teile des Textes enthalten gewalttätige Szenen. Bitte überlegt, ob Ihr das lesen möchtet.

Der erste Tod

Als Bonatti sich seinem ersten Tod nähert, ist das etwas ordinär Langweiliges. In Bonattis Küche. Verwundert sitzt er auf einem der roten IKEA-Stühle und fühlt sich überraschend leicht, fast schwindelig. So wird sich Schwerelosigkeit anfühlen, vermutet er. Dieses Gefühl in irgendeinen Zusammenhang mit dem Tod zu bringen, kommt ihm nicht in den Sinn. Dann sackt er zusammen, landet mit der Stirn auf dem ausladend weißen Porzellanteller und blubbert Luftbläschen in die Spaghettisauce. Der Tod lässt sich Zeit. Er versetzt Bonatti lediglich einen gnädigen Anfangshieb, kaum der Rede wert. Genug, um sich nicht mehr zu rühren, aber zu schwach, als dass er den Sensenmann dahinter vermuten könnte. Stattdessen leckt er an der Spaghettisauce und ist zufrieden mit der Dosis frischen Knoblauchs.

Bald wird mein Sohn zum Essen kommen, schließlich habe ich ihn schon vor zehn Minuten gerufen, vermutet er und stellt sich vor, wie sehr seinem Sohn die unvergleichlich schmackhafte Sauce munden wird. Bonatti ist ein exzellenter Koch. Aus ihm hätte etwas werden können in den Gourmettempeln dieser Welt. Doch Bonatti ist nicht auf dieser Welt, um etwas Großes zu werden. Tatsächlich kommt es ihm nie in den Sinn, dass Menschen zu etwas Großem gemacht sein könnten. Man stolpert eben einfach hinein, in das Leben – in ein armes oder eben ein solches von weithin sichtbarer Größe. Bonatti glaubt an Familie. Und es gibt bestimmt viele großartige Familien. Reich, berühmt und voller Wille zur Veränderung alles Irdischen. Nicht so Bonattis Familie.
„Ich bin Kölner“, denkt er und sammelt mit der Zunge Tomatenstückchen. „Nur Opa und Papa waren Italiener. Aus Kalabrien. Daher meine Liebe zum Kochen.“

In Bonattis Kopf taucht eine Insel auf. Bestehend aus dem reinsten Weiß, dem er jemals begegnet ist.
„Es wird Zeit, dass mein Sohn auszieht“, überlegt er und starrt auf das grelle Weiß in sich. „Seit er diesen vermaledeiten Computer besitzt, schert er sich nicht mehr um das, was ich koche oder sage oder mir von ihm erbitte! Abfall runtertragen! Geschirr spülen! Zimmer saugen! Nichts von alldem passiert. Er ist erwachsen, verdammt noch mal!“
Erstaunt bemerkt Bonatti, dass er diese Worte in der Tat hören kann, als spräche sie jemand neben ihm aus. Die weiße Insel taucht die Lautstärke in eine Melange aus dumpfen Tönen, aber zu verstehen sind sie allemal laut und deutlich.
»Es wird Zeit, dass ich ausziehe.«
Bonatti angelt sich eine Spaghetti mit der Zunge und saugt sie ein. Köstliche Sauce verteilt sich in feinen Tropfen auf seinem Gesicht. Wer hat das gesagt? Ist Angelo endlich zum Essen gekommen?
»Angelo? Bist du das? Ich hab dich gar nicht kommen hören«, flüstert Bonatti.
Besteck klappert hinter seinem Kopf. In ein Glas wird eine Flüssigkeit eingeschenkt. „Warum sehe ich nur die Küchenuhr an der Wand?“, fragt Bonatti sich. »Angelo?«
»Du musst lauter reden. Ich kann dich nicht verstehen.«
Ja, das ist Angelos Stimme. Bonatti will nicht, dass Angelo auszieht. Aber es muss sein. Es geht nicht mehr. Bonatti weint weiße Tränen auf ein kleines Kind, das mit Fieber in einem Bettchen liegt. Seine Hand auf dessen schmaler Stirn, ein tiefes Keuchen kriecht zwischen dünnen Lippen in Bonattis Ohren und gießt Säure aus Angst in das Weiß. Angst, denkt er, Angst ist schwarz und endlos. Sie greift nach meiner Kehle, mein ganzes Leben lang. Noch bis vorhin, als ich Spaghetti für uns beide kochte. Das Weiß in Bonattis Kopf gewinnt.
»Da ist eine Insel, so weiß wie damals in Griechenland«, hört er sich sagen. »Erinnerst du dich noch an unseren Urlaub? Das ist schon lange her. Nach dem Tod von Mama … Gott sei ihrer Seele gnädig.«
»Red lauter.«
»Ich rede doch laut«, sagt Bonatti. »So, wie immer, Angelo. Hörst du? Du musst ausziehen. Glaub nicht, dass mir das nicht weh tut. Gott weiß, wie sehr ich dich liebe. Du bist mein Sohn!«
Aber die Worte fallen wie tot aus seinem Mund, als rede er gegen Eierschachteln. Es ist still. Bonatti blickt auf wehende Tücher, himmelsgroß, bewegt von der warmen Meeresbrise, die er so liebt. Einem Wind, der Wäsche auf den Leinen flattern lässt und den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubert.
»Warum hast du eigentlich deinen Kopf auf dem Spaghetti-Teller?«
Ich weiß nicht, denkt Bonatti, habe ich das?“ »Schmeckt es dir, Angelo? Es ist deine Lieblingssauce.«
»Ich werde ausziehen. Morgen.«
Bonatti lauscht dem Klang der Worte. Sie verlieren sich nur langsam zwischen den wehenden Tüchern.
»Angelo«, sagt Bonatti, »das Weiß ist stärker als ich. Stärker als alle Liebe, die ich jemals für deine Mutter empfand und immer noch empfinde. Warum ist sie weg? Ich kann mich nicht mehr erinnern.«
»Warum zum Teufel redest du in diese Spaghetti-Sauce? Hast du wieder gesoffen?«
Bonatti spürt einen Luftzug über seiner Wange und sieht ein Glas an der Wand gegenüber zerschellen. Die Scherben stehen plötzlich im Raum und bewegen sich nur noch in Zeitlupe. Das Weiß erreicht Bonattis Augen und dringt herein wie Wasser in einen lecken Schiffsrumpf.
»Angelo? Ich kann nichts mehr sehen … Angelo?«
»Scheiße«, sagt Angelo. »Kann es sein, dass du verreckst?«
»Nein, nein, bestimmt nicht. Ich schlafe nur und träume von dieser Insel.«
»Du redest mehr als in den letzten zehn Jahren zusammengenommen. Hab mal gelesen, dass man vor dem Tod wie ein Waschweib labert.«
Eine tiefe Furcht packt Bonatti. Wie eine Gottesanbeterin die kleine Grille. Schnell und zielsicher. Die Furcht beginnt genüsslich zu fressen und das Weiß verschlingt Bonattis Füße.
»Angelo …«
»Rede lauter!«
Es wird ein Stuhl über den Boden geschoben. Ein Teller klappert in der Spüle, Besteck hinterher.
»Bist du das, Angelo?«
Bonatti meint, das gerade gesagt zu haben, aber er weiß es nicht genau, denn offenbar ist da kein Mund mehr, keine Lippen und es hört sich an, als sei der Satz weit draußen auf dem Meer gesprochen worden. Dann sieht er seine Frau zwischen den weißen Flächen hervorkommen. Wie eine Büste Michelangelos, die sich durch die wehenden Tücher bewegt. Sie hat ihn auf dem Arm. Angelo. Das Wunder, das Bonatti so abgöttisch liebt. Immer noch.
Bonatti spürt einen Ruck. Etwas ist nun anders, aber er weiß nicht was. Der kleine Angelo spricht. „Seltsam“, denkt Bonatti, „er ist so klein, aber sein Kopf ist schon so groß, so erwachsen.“
»So auf dem Boden liegt es sich besser, nicht wahr? Mit dem Kopf in den Spaghetti. Das ist ja ekelhaft. Ich hab dich so satt!« Angelo lacht. »Der Witz des Tages. So satt … nach dem letzten Essen, das du für mich gekocht hast. Und dann liegst du drin … Scheiße. Ich gehe jetzt. Mach’s gut.«
„Mach’s gut“, flüstert Bonattis Frau. Sie versinkt im Weiß, den kleinen Angelo auf dem Arm.
„Wohin geht ihr? Ich habe gerade gekocht“, wird von jemand gemurmelt, der vielleicht mal Bonatti war. Aber dann ist Stille. Sogar die Gedanken sind weg. Aus dem Weiß der Insel wird Licht. Bonatti hat sich getäuscht. Es war keine Insel.
Angelo steht im Türrahmen und blickt zum letzten Mal auf die Sauerei in der Küche. Er fühlt das Fremde in diesen Räumen, die Starre auf jedem Stuhl, an jedem Tisch, hinter den Spiegeln im Bad, auf jeder Türklinke. Vorsichtig schließt er die Augen und in ihm brennt eine alles zermahlende Finsternis. Er dreht sich in den Flur, nimmt den Schlüssel und geht.

Der zweite Tod

Bonatti steht auf dem Bahnsteig, wartet auf die Straßenbahn, hört Vivaldi und lässt Vergangenes an den geschlossenen Augen vorüberziehen. In diesem Moment kommt sein zweiter Tod und nimmt ihn an die Hand. Wie eine Mutter ihr Kind am Fußgängerüberweg. Doch Bonatti zieht in einem Reflex die Hand zurück und öffnet die Augen. Er schaut nach rechts und entdeckt ein Mädchen, das ihn anlächelt. Bonatti wundert sich.
»Hast du gerade …«
Es nickt und er sieht sich nervös um. Nur Menschen. Wie immer. Schichtende bei Ford in Köln-Niehl. Eine Menge Menschen am Haltepunkt Fordwerke Mitte. Es ist kurz nach zwanzig Uhr. Die Hand greift erneut nach ihm. Umschließt seine Finger. Die Haut ist kühl und zart, das Greifen so vorsichtig. In Bonattis Kopf entsteht das Bild einer Mädchenhand, die nach dem greift, was mit purer Gewalt an ihm wächst und er empfindet ein schmerzhaftes Ziehen im Unterleib. Bonatti hat einen Steifen, schließt erneut die Augen, um nicht zu sehen, was so penetrant auf ihn einstürmt. Dieses Mädchen. Wie ein goldroter Apfel an einem prächtigen Baum. Reif und fest. Ich muss dieses Mädchen anschauen, zwingt er sich und öffnet die Lider. Da erblickt er es direkt vor sich, ihren Scheitel mit den links und rechts sanft fallenden Haaren. Er zieht diesen bittersüßen Mandelduft in sich hinein, als wäre es sein allerletzter Atemzug. Denkt an Furcht und sogleich fährt sie in all seine Glieder, spannt jeden Muskel.
Es klingelt zweimal. Die Bahn. Bonatti will das Mädchen von sich stoßen. Die wenigen Zentimeter bis zur Bahnsteigkante. Mit aller Kraft. Doch es steht wie ein Baum, und sein kraftvoller Stoß drückt ihn mit Macht rückwärts gegen einen Mann, der in Bonattis Kleiderschrank nur wenig Platz fände. Ein heftiger Schlag folgt und Bonatti sieht sich an diesem Mandelmädchen vorbeifliegen. Auf die Gleise. Es klingelt endlos, dann Kreischen. Etwas Unbarmherziges trifft Bonatti.

Der Mandelduft ist nicht verflogen. »Öffne deine Augen, Bonatti«, sagt eine bezaubernde Stimme. Bonatti tut ihr den Gefallen und sieht über sich ein schwarzes Ungetüm. Bestehend aus Kabeln, Schläuchen und Stahl.
»Ich höre Schreie«, wundert er sich, »aber so weit entfernt … was ist da los?«
»Nichts«, antwortet die Stimme, »die Menschen haben Angst und sind entsetzt. Sie wissen nicht, was sie tun sollen.«
»Wer bist du? Warum kann ich dich nicht sehen?«
»Sieh einfach nach rechts.« Bonatti dreht den Kopf. Das schwarze Stahlungetüm verblasst und weicht einem weißen Licht. Langsam schälen sich die Umrisse des Mädchens hervor. Ihr Kopf auf den gefalteten Händen liegend. Bonatti staunt.
»Du bist so schön. Niemals habe ich so eine Schönheit gesehen.«
»Du hast die Schönheit sehr oft gesehen, Bonatti, aber konntest sie nicht ertragen.«
Bonatti möchte nach ihr greifen. Aber da ist nichts, mit was er greifen kann. »Ich habe keine Arme?«
»Und keine Beine.«
»Aber …«
»Du wirst sterben.«
Bonatti schweigt und genießt das weiße Licht. Es ist so warm. Als läge er wieder auf dem Rücken im Toten Meer, in den tiefblauen Himmel starrend, an die Schönheit denkend, die er in dieser Nacht mit all dem Hass so tief verletzte, dass sie unter ihm starb.
»Warum musste sie sterben, Bonatti?«
»Weil sie so schön war.«
»Dein Hass auf alles Schöne lässt dich nun hier sterben.«
Bonatti sieht sie an und riecht. Mandeln, bitter und süß, Vergängliches neben dem Neuerschaffenen.
»Nein! Ich hasse es nicht. Es hasst mich! Ich verehre das Schöne.«
Das Mandelmädchen zieht eine Hand unter dem Kopf hervor und legt sie Bonatti auf die Wange. Eine sanfte Kühle, wie abendlicher Wind über schließenden Blüten. »Ist es das, was du vermisst hast?«
»Was?«
»Eine Hand auf deiner Wange. Den warmen Wind um deine karge Existenz.« Bonatti sieht mit einem Mal all die roten Inseln im wachsenden Weiß. Sein Blick wird ein anderer, ein saugender, heftet sich an das Mandelmädchen. Erst jetzt fallen ihm die Details auf. Sommersprossen auf beiden Seiten der Nase, die mit geradem Rücken zwischen exakt gezeichneten Augenbrauen endet. Große Haselnuss-Augen wie Saturn in seinen Ringen. Da ist es wieder, das schmerzhafte Ziehen.
»Ich will dich«, sagt er.
»Du hast mich schon«, flüstert sie.
»Deine Lippen kräuseln sich, wenn du lächelst«, schwärmt er. »Das ist wie ein Schnitt in tiefrotes Fleisch. Als öffne sich der Krater eines Vulkans.«
»So hast du getötet, nicht wahr, Bonatti?«
Er denkt nach. »Ja, so habe ich getötet. Das Ziehen meines Unterleibs in den tiefroten Schlund gestoßen und das Kräuseln der Münder beobachtet.«
»Nun bist du hier.«
»Ja. Aber wo?«
Das Mandelmädchen legt ihre Hand auf Bonattis Brust. »Siehst du das Weiß? Wie es wächst?«
»Ja. Ich kenne das Weiß. Ich habe es schon einmal geträumt.« Bonatti denkt an seinen Sohn. An den Namen seiner Frau, ihr Gesicht hat er schon lange vergessen. Ihm kommt ein Gedanke.
»Sehe ich meine Frau wieder?«
»Nein, Bonatti. Du wirst alleine sein.«
»Das war ich schon immer.«
»Du warst nie alleine. Die Finsternis in dir hat dich das glauben lassen«, sagt das Mandelmädchen. Bonatti spürt das Weiß in seinen Kopf eindringen. Darin die roten Inseln, wie Nadeln im Fleisch der Schönheiten, die, ausgetretenen Zigaretten gleich, auf Bonattis Weg liegen. Dann rollt das Ziehen vom Unterleib in seinen Kopf und wird eiserne Wut.
»Wenn ich könnte, würde ich dich töten«, presst Bonatti hervor, »dir deinen wundervollen, fleischigen Mund stopfen mit meinem Pfahl der Verehrung. Die Schönheit aus deiner Haut kratzen, aus deiner Seele.« Ihm kommen die Tränen. Das Weiß ist da und alles Schwarze ist verblichen.
»Ja, das würdest du, Bonatti. Ich lasse dich nun allein.«

Die Menschen auf dem Bahnsteig wenden sich entsetzt ab vom blanken Fleisch unter dem Drehgestell. Für einen langen Moment steht die Zeit.

Der dritte Tod

Bonatti sitzt und blickt auf all das Essen. Entenbrüste, Hähnchenkeulen, Filets von Rind, Schwein und Schaf. Rehrücken, Wildspieße, Schinken aus aller Herren Länder, dazwischen gedämpfte Kartoffeln, geröstetes Gemüse, umrahmt von ziselierten Obstschalen, duftender Käse unter schimmernden Trauben nebst Ananasscheiben und zwischen allem eine große Schüssel Erdbeerbowle. Bonatti schmatzt, pickt nach einer weitere Roast-Beef-Scheibe und steckt sie in den Mund. Er ist glücklich und rülpst wie ein röhrender Hirsch in der Brunft. Als Bonatti tief ein- und ausatmet, spürt er ein Ziehen im Nacken. Er hebt den Kopf und von der Decke senkt sich eigenartiges Weiß auf ihn herab, das ihn aller Düfte beraubt und ein Nichts hinterlässt. Das Ziehen wird zu einem glühenden Pfad, der sich einen Weg durch seinen Körper bahnt. Langsam rutscht Bonatti vom Stuhl unter das lange, holzgetäfelte Bankett. Seine Hose ist zum Platzen gedehnt, der Gürtel im letzten Loch. Bonattis dritter Tod kommt durch die Flügeltür und sieht ihn auf dem Boden liegen, die Beine leicht angewinkelt.
»Bonatti!«, ruft er. »Du fette Sau!«
Er geht auf das Bankett zu, hebt Bonatti hoch als gäbe es in diesem Universum weder Masse noch Gewicht, schiebt mit ihm achtlos die kulinarischen Köstlichkeiten beiseite und legt ihn ab.
»Du bist einfach zu fett, Bonatti. Wäre ich nicht der, der ich bin, bräuchte es vier Mann, um dich hochzuheben. Hast du mal daran gedacht? An die Bandscheiben dieser armen Kreaturen?«
Bonatti stöhnt. »Was?«, fragt er. »Leck mich doch am Arsch.«
»Du bist und bleibst ein Mann der Obszönitäten.«
»Na, und wer bist du? Der große Zampano? Ich kenne dich nicht. Also hilf mir auf. Ich will noch was essen und trinken.«
»Es ist aber noch niemand da. Du bist zu früh.«
Mit unbeholfenen Bewegungen versucht sich Bonatti hochzustemmen. Er greift in die Schinkenplatte, stützt sich ab, ist jedoch zu schwach und sinkt wieder zurück, nicht ohne einige Scheiben vom Prosciutto San Daniele zu greifen und sich in den Mund zu stopfen. Er schmatzt genüsslich. »Aus dem Friaul«, belehrt er den Mann und blickt kauend zur Decke. »Warum ist die Decke so weiß? Sie wird immer größer. Und dann der Schmerz …« Bonatti verzieht das Gesicht und dreht den Kopf.
»Ich habe sie hier noch nie gesehen. Sie sind aber fein angezogen.«
»Das ist meine Art.«
»Aha«, bringt Bonatti noch heraus, dann übergibt er sich in den Tomaten-Mozzarella-Salat, hustet die letzten Brocken heraus und keucht wie ein gestrandetes Walross. »Mir ist kotzschlecht. Ich weiß gar nicht, warum? Der gute Schinken …«
»Dir ist schlecht, weil du einen Herzinfarkt hast.«
»Herzinfarkt? Sind Sie Arzt, oder was? Dann helfen Sie mir doch!«
»Nein, Bonatti, ich bin kein Arzt. Aber ich habe schon viele wie dich gesehen.«, erwidert der Mann und streicht sich eine kleine Fluse von der Schulter.
»Dann holen Sie jedenfalls Hilfe. Bald kommen die Kollegen vom Betriebsrat, die …«, Bonatti stutzt. »Sie sind nicht vom Betriebsrat. Ich werde aufstehen und die Polizei rufen!« Er stemmt sich erneut hoch, auf die Ellenbogen, versucht ein Bein zu heben und über die Kante des Banketts zu schwingen. Die Platte mit den Hähnchenkeulen fällt auf den Boden. »Scheiße!«, flucht Bonatti. Ein zweiter, mächtiger Schmerz presst ihn zurück. Reflexartig greift er mit der Hand an seine Brust und klammert sich an das stark gespannte Hemd. Zwei Knöpfe reißen ab und Bonattis behaarter Oberbauch quillt hervor.
»Du bist zu fett, Bonatti. Und das schon seit langer Zeit.«
»Ach ne, du Klugscheißer! Lass mich hochkommen, dann werden wir sehen, ob du eine fette Gerade verträgst!«
»Obszönitäten, Drohungen, vollfressen! Zu mehr hat es nicht gereicht.«
Bonatti greift nach rechts, packt irgendetwas Erreichbares, egal was, und schleudert es dem Mann entgegen. Der duckt sich weg, kommt milde lächelnd wieder hoch. »Das gefällt mir an dir, Bonatti. Keine Einsicht. Stur bis zum Jüngsten Gericht.« Bonatti stöhnt. Jetzt fühlt er deutlich das krampfende Pochen in seinem Inneren. »Sieh auf die Wände, du armer Kerl. Siehst du das Weiß näher kommen? Es rückt an dich heran und wird in dich eindringen, wie all die Pizzen, Schinken, Schweinefilets, Zwiebelspieße, Klöße, der Ramazotti, Rotwein und Spumante …«
Bonatti röchelt. Der Mann nimmt sich einen Hähnchenschlegel vom Boden, beißt hinein und genießt jede Kaubewegung. Für einen Moment schließt er die Augen, kaut noch langsamer und legt Bonatti den angebissenen Schlegel auf die behaarte Brust.
»Niemand wird kommen, Bonatti. Solange ich hier bin, wird niemand kommen. Nur das Weiß. Es wird dich umschließen und Licht werden.«
Bonatti krächzt, hebt mühevoll eine Hand, einen Finger, gibt kraftlos auf.
»Siehst du? Du kannst nur noch zuhören. Das gefällt mir. Denkst du manchmal an deine Frau? Als ich sie holen musste – und das fiel mir nicht leicht, das kannst du mir glauben – bat sie mich darum, es schnell zu tun. Aber ich war zum Warten verdammt …« Das Gesicht des Mannes rückt näher an das Bankett, näher an Bonattis Kopf. Dazwischen nur noch der mit Bonattis Erbrochenem belegte Tomaten-Mozzarella-Salat. »Zum Warten verdammt. Ja, das war auch für mich nicht schön. Denn ich hatte sie gern, deine Frau. Du hast ihr buchstäblich die Seele aus dem Leib gefressen. Du hast überall gefressen. Nicht wahr? Egal wo. Rücksichtslos. Bonatti …«
Durch Bonattis Körper läuft ein Zittern und Zucken.
»Möchtest du noch vom Wildscheinbraten? Oder von der Entenbrust? Moment …« Der Mann erhebt sich, nimmt von jeder Köstlichkeit kleine Happen und drapiert sie vorsichtig auf Bonattis Körper. »Vom spanischen Senf etwas auf deine Eier, oder Bonatti? Eier in Senf. Köstlich. Die Ente auf deine fette, behaarte Brust. Das passt. Und Wildschwein auf die Stirn. Ananasscheiben an die Ohren … das gefällt mir.«
Bonatti kommen die Tränen.
»Tränen, Bonatti? Du weinst? Weintest du nicht immer, wenn andere vor dir den Teller leer hatten? Und schon wieder auf dem Weg zum Buffet waren? Für was Tränen? Moment«, sagt der Mann und schnippt mit den Fingern, »etwas für den persönlichen Stil.« Er nimmt zwei frittierte Kartoffelsticks und steckt sie in Bonattis Mund. »Hat was von einem Walross«, erklärt er. Bonatti versucht die Kartoffelsticks auszuspucken, aber es gelingt ihm nicht. Der Mann lacht. »Dich als Mensch zu bezeichnen, Bonatti, ist eine Beleidigung für die meisten anderen Menschen.« Der Mann wiegt den Kopf hin und her. »Na gut, es gibt wesentlich Schlimmere als dich.« Bonatti hört nichts mehr. Er sieht ein Stück vom Wildschwein über dem rechten Auge und möchte hineinbeißen, dann drückt sich das Weiß in seinen Körper und wird Licht.

Die erste Person vom Betriebsrat, die den Sitzungsraum betritt, ist Frau Thönnes. Eine Platte mit Käsekuchen vor sich her tragend. Sie sieht Bonatti und der Kuchen fällt. Unwillkürlich muss Frau Thönnes an ein Walross denken. Inmitten eines Meeres aus Köstlichkeiten aller Herren Länder. Sie schreit.

Der vierte Tod

»Um Gottes Willen, Raffaele!«, ruft sein Gegenüber entsetzt und sieht erschrocken zu, wie Bonatti die Kamellen beutelweise an sich reißt. »Warum kannst du dich nicht ein bisschen im Zaum halten?«
»Schrei noch lauter«, erwidert Bonatti unwirsch, »damit es ja jeder hört.«
»Raffaele …«
»Was?«
»Wir haben sowieso nicht viel in der Kasse. Nach drei Jahren können wir endlich wieder für den Rosenmontags-Umzug spenden, und du stopfst die Kamellen in deinen Rucksack, als gehörten sie dir. Das mache ich nicht mehr mit.«
Bonatti schaut über den Tisch zu seinem Kollegen, sieht ihm schweigend zu, wie er aufsteht und aus dem Zimmer geht, dann packt er die letzten Werther-Tüten in den Rucksack und ist zufrieden mit sich. Eine Tüte für Angelo, seinen Sohn, den Rest wird er zu einem guten Preis an der Aral in Niehl los. Bonatti zieht den Gurt des Rucksacks zu und steht auf als sein vierter Tod in Form eines kleinen Jungen in den Raum kommt.
»Hallo, Bonatti«, sagt er und kommt grinsend an den Tisch. »Guck nicht wie ein Auto. Du kennst mich. Setz dich. Ich habe dir einiges zu sagen.«
Bonatti ist sprachlos. So sprachlos, dass er den Rucksack auf den Tisch legt und sich wieder auf den Stuhl setzt. »Ich kenne dich?«, wundert er sich und runzelt die Stirn.
»Joa, irgendwie schon. Du wirst dich an mich erinnert haben, aber konntest sicher nichts mit anfangen. Im Traum und so …«
»Hä?«
Der Junge blickt mitleidig, zieht einen Stuhl zurück und nimmt Platz. Er stützt sich mit den Füßen ab, rutscht etwas mit dem Hintern hin und her und rückt dabei den Stuhl nach vorne. »Solche Stühle sind eine Diskriminierung für zehnjährige Jungs, die nur durchschnittlich groß sind«, stellt er fest.
»Das Ganze ist ein Elend, Bonatti«, fährt er fort. »Ich bin hier stellvertretend für all die Kinder, die am Rosenmontagsumzug keine Kamellen bekommen werden. Weil du sie eingesackt hast.«
Der Junge schweigt und zeichnet mit dem Finger ein paar Kreise auf den Tisch. Bonatti beobachtet fasziniert, wie sich das weiche, kindliche Gesicht in etwas Hartes verwandelt, Linien und Schatten einen Ausdruck annehmen, den er in all seinen Lebensjahren noch nie bei einem Menschen gesehen hat. Als säße da eine Büste aus fein poliertem Alabaster mit schwarzen, bodenlosen Augen. Bonatti spürt einen Sog, der an ihm zieht und zerrt. Schweiß tritt auf seine Stirn. Er will sofort aufstehen und den Raum verlassen. Aber es ist zwecklos.
»Schämst du dich nicht?«, fragt das Kind. Die endlose Tiefe stürzt aus den Augen und breitet sich vor Bonatti auf dem Tisch aus wie schwarze Tinte. Er zuckt zurück, will nur weg und reißt sich endlich los von diesem Sog. Mit einem Ruck steht er und meint zu siegen. Aber eine gleißend helle Explosion in seinem Kopf nimmt ihm Hören und Sehen. Dass er fällt und mit dem Gesicht auf den Boden schmettert, merkt er nicht.

Die Schwärze weicht dem Hellen. Einem kühlen Weiß voller zaghafter Linien und Formen, denen Bonatti niemals eine Bezeichnung geben könnte, so fremdartig offenbaren sie sich ihm. Er weiß, dass seine Augen offen sind und blinzelt. Vor ihm sitzt der kleine Junge. Er ist keine Büste mehr, die Augen sind lebendig und mustern ihn.
»Weißt du, wie oft du genommen hast, ohne zu geben, Bonatti?«
»Hab ich das?«
Der Kleine lacht klar und hell. »Ich habe dich niemals hungern sehen. Kein einziges Mal in all den Jahren deiner Existenz«, erklärt ihm der Junge und pikst mit seinem Finger auf Bonattis Bauch. »Du bist ganz schön fett. Warst niemals hungrig, immer gesättigt. Und nicht nur mit Essen.«
»Ist das ein Verbrechen?«
»Aber nein«, winkt der Junge ab, »natürlich nicht. Das wünscht man jedem Menschen. Und wer es hat, darf sich glücklich schätzen.« Der kleine Kopf senkt sich zu Bonatti herunter. »Aber du bist niemals glücklich gewesen. Egal wie satt du warst. Deswegen hast du immer mehr genommen. Und wenn das nicht genügte, noch einmal. Wie diese Kamellen. Oder das Geld aus dem Spendentopf für die Kinderstation; den natürlich du verwaltet hast.« Bonatti schafft es nicht, dem Blick des Jungen auszuweichen. »Büromaterial des Betriebsrats«, fährt der Junge fort, »die Schulbrote deiner Mitschüler, übrig gebliebenes Essen auf Partys, das Taschengeld deines Sohnes.« Er legt den Kopf auf die Seite. »Muss ich noch mehr aufzählen?«
Bonatti konzentriert sich auf die seltsamen geometrischen Formen im Licht. Aber es fallen ihm einfach keine Worte dafür ein. Er entscheidet sich, die Augen zu schließen und stellt erstaunt fest, dass das kühle Licht bleibt. »Es interessiert dich nicht«, hört Bonatti die kindliche Stimme.
»Warum sehe ich immer noch das Licht? Meine Augen sind zu.«
Es ist für einen Moment still. »Weil du gerade stirbst, Raffaele.«
»Ich habe nichts getan«, versichert Bonatti.
»Mach die Augen auf«, fordert die Stimme und zieht mit Daumen und Zeigefinger Bonattis linkes Auge auseinander. »Na los! Mach auf! Ich will, dass du mich ansiehst, denn weißt du was?«
Bonatti öffnet die Augen. Er weint. Die Tränen sprudeln wie Quellwasser aus dem geröteten Weiß. Aber er kann den Kopf nicht schütteln, das Weiß wird dichter und legt sich um seine Stimme. Mehr als ein Röcheln kommt nicht aus ihm heraus.
»Dieser Tod ist mir verhasst«, flüstert der Junge. »Ich hasse ihn. Er ekelt mich an, denn er ist so banal, so kindisch, unterentwickelt, schlicht. Er kommt aus dem Niedersten eurer Gefühle.« Mit einem heftigen Nicken spuckt er neben Bonattis Kopf. »Ihr seid so armselig«, setzt er nach. Bonatti zuckt plötzlich unkontrolliert. »Da drückt wohl was auf die Synapsen.« Aber Bonatti kann den Jungen nicht mehr hören. Das Weiß wird zu Licht und aus den feinen Linien bilden sich tausende von Buchstaben, die immerzu ein und dasselbe Wort formen. »Lies es, Bonatti. Es ist nur ein kleines Wort, aber es klebt an euch wie der Parasit an einer Wurzel.«
Bonatti stirbt.

Die zwei Frauen mit dem Staubsauger und den Staubtüchern finden Bonatti auf dem Boden, und neben dem Rucksack voller Werther-Karamellbonbons eine offene Bonbontüte.
»Scheiße, Aygün, wir müssen das jetzt mal melden. Der ist doch hinüber. Oder?«
»Sieh mal, Chantal, da hat jemand ein Wort gelegt mit den Kamellen.«
»Was für ein Wort?«
»Gier.«
Beide nehmen ein Karamellbonbon aus dem Wort und stecken es in den Mund.

Der fünfte Tod

Bonatti beobachtet, wie Argenti aufsteht und Richtung Toilette verschwindet. Er wartet einen Moment, dann erhebt er sich ebenfalls. »Ich muss mal pissen«, sagt er zu niemand am Tisch, denn niemand hört ihm zu. Die Flaschen sind schon viel zu leer und das Gebrüll ist groß. Männer in Latzhosen, blauen Arbeitskitteln; manche haben den Kopf schon auf den zusammengestellten Tischen abgelegt. Bonatti ist froh drum und geht zur Toilette, die hinter dem großen Frachtaufzug liegt. Es ist dunkel in der Fertigungshalle und je weiter er sich von der Weihnachtsfeier der Karosseriegruppe IV entfernt, desto stiller wird es.

Vor der Toilette angekommen, bleibt er stehen und zählt bis drei, öffnet dann die Tür und tritt in den halbdunklen Raum. Die Neonröhren im Vorraum sind immer noch kaputt. Eine Angelegenheit für den Betriebsrat, denkt er und geht ums Eck in den Bereich mit den Urinalen. Argenti steht dort vor dem rechten Becken, in der Hüfte schon etwas eingeknickt. Mit der Stirn an die Wand gelehnt, singt er ein altes kalabrisches Volkslied. Kaum ein Tropfen trifft. Das Meiste landet auf den gebrochenen Fliesen, läuft an Argentis Hosenbeinen hinab. Bonatti genießt den Anblick. Dann löst er sich aus dem Halbdunkel, geht zielstrebig auf den singenden Kollegen zu und schlägt ihm mit aller Kraft die Faust in die rechte Niere. Argenti knickt ein. Kein Wort kommt aus seinem Mund, doch er fällt nicht zu Boden. Bonatti ist verwundert. Nein, enttäuscht. Von sich und seinem Schlag. Er hätte tot sein dürfen, Nierenriss, denkt er und beginnt auf Argenti einzuschlagen. Seine Kraft wächst in Sekunden und nichts kann ihr widerstehen. Nicht mal das Urinal, das er mit Argentis Kopf zerbricht. Bonatti weiß nicht, wie lange er seinen Kollegen mit Fäusten und Tritten traktiert. Er ist nicht mehr hier in der Toilette. Nicht mehr bei sich. Nichts mehr ist Realität. Durch sein heftiges Atmen hört er eine Tür schlagen und ein lautes Räuspern.

»Komm wieder zurück«, hört Bonatti eine brüchige, alte Stimme. Im Hals spürt er das Pochen des Pulses, seine Brust schmerzt vor heftiger Atmung. Schweiß bricht aus all seinen Poren. Ich muss mich ausruhen, sagt sich Bonatti und geht in die Knie. Die Hand auf den Boden gestützt, fällt er beinahe und schafft es, sich neben den zerschmetterten Kopf von Argenti zu setzen. Jetzt erst sieht er die kleine, alte Frau vor sich stehen, eine große Stofftasche in der rechten Hand.
»Sie dürfen hier nicht rein«, sagt Bonatti mit erschöpfter Stimme. »Männertoilette.«
»Oh, ich kenne diese Toilette. War schon ein paar Mal hier«, erwidert sie lächelnd und noch bevor Bonatti antworten kann, nimmt sie einen Campingstuhl aus der Stofftasche, klappt ihn auseinander, stellt ihn vor den beiden Männern auf den Boden. Behutsam legt sie die Tasche auf die Sitzfläche und setzt sich drauf. Bonatti wird schlecht. Er übergibt sich auf seine Hose. Sein Blick fällt auf Argenti, dessen Blut sich mehr und mehr auf den Fliesen verteilt.
»Scheiße«, sagt er und rutscht mit dem Hintern zur Wand. Vorsichtig lehnt er sich an.
»Das kann man wohl sagen …«, kichert die alte Frau.
»Warum hauen Sie nicht ab?«, unterbricht Bonatti sie. »Noch ist Zeit. Ich muss das hier irgendwie verschwinden lassen.«
Sie schüttelt den Kopf und Bonatti erbricht sich ein zweites Mal. Der Raum verschwimmt für einige Sekunden vor seinen Augen.
»Ich habe mal einen berühmten Mann geholt, der hätte all das hier für große Kunst gehalten«, erklärt sie.
»Hä? Was für Kunst? Das ist ein Klo.«
»Na, schau dich um. Grüne Wandkacheln, weiße Bodenfliesen. Kaputt, zerbrochen. Urinflecken überall, dreckige Pissbecken, gelbe Pfützen auf dem Boden, ein matschiger Schädel und überall rotes Blut.« Sie schweigt und schaut Bonatti herausfordernd an. »Das ist wie ein Gemälde, oder? Ich finde es wunderbar. Joseph Beuys hätte das nicht besser hinbekommen.«
»Wer ist Joseph Beuys?«
Die alte Frau verdreht die Augen, richtet den Blick nach oben. Bonatti tut es ihr nach, entdeckt aber nur die teilweise herabhängende Neonröhre. »Wer sind sie?«, fragt er unvermittelt.
»Du bist schon vier Mal gestorben. Erinnerst du dich nicht? Ich weiß, dass du davon träumst. Wieder und wieder. Ich weiß von deinen Schweißausbrüchen in diesen Nächten.«
»Blödsinn«, erwidert er schroff. Sie lehnt sich zurück und lächelt mit ihrem ganzen Gesicht. Der gegerbte Mund, die Falten, der gütige Blick. So eine Oma hätte ich gerne gehabt, denkt Bonatti. Dann fährt ihm die Furcht tief ins Herz, denn aus der Güte wird das Dunkle. Das Schwarz aller Nächte sammelt sich in den alten Augen und dringt in Bonattis Verstand.
»Ich bin die Nummer fünf«, sagt die Alte tonlos.
»Sie wollen mich töten?«
»Aber nein. Ich töte nicht. Das bekommen die Menschen schon alleine hin«, sie deutet mit einer Hand auf Argenti, »wie man sieht. Ich hole nur ab.« Bonattis Übelkeit kehrt zurück. Ihm wird schwindelig. Das Schwarze in den Augen der alten Frau zieht sich zurück und macht Platz für ein helles Weiß. Bonatti versucht sich hochzustemmen, scheitert kläglich. Jetzt spürt er den Stich in seiner Schulter. Ein Schmerz auf Wanderschaft. Den linken Oberarm entlang, bis in seine Finger. Er zittert.
»Warum muss ich sterben?«, fragt er die alte Frau.
»Das weiß ich nicht. Es sieht aus, als hättest du einen Herzinfarkt. Schließlich bist du keine zwanzig mehr und in deinem furiosen Zorn hast du wohl deinen Lebensmuskel ein wenig überlastet.« Sie beugt sich vor und mustert ihn genau. »Zudem bist du übergewichtig, nicht sehr sportlich, trinkst Unmengen Alkohol, schläfst nicht richtig«, sie haut mit den Händen auf ihre Oberschenkel. »Wen wundert da ein Herzinfarkt?« Bonatti hört nur mit halbem Ohr, was sie sagt. Das Weiß verdrängt seine Gedanken. Sie lösen sich auf wie Salz im Spaghettiwasser. Er sieht zu Argenti.
»Das Arschloch hat mir meine Stelle im Betriebsrat geklaut. Ich wollte den Posten. Und ich habe schließlich auch eine Menge Leute dafür bezahlt …« Er stockt und nickt zu Argentis leblosem Körper. »Ist er tot?«
»Das ist er«, bestätigt die Alte. »Ich habe ihn schon mitgenommen.«
»Aber wie? Du bist noch hier.«
Sie steht auf. »Es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken«, erklärt sie und klappt den Stuhl zusammen. »Nicht als Mensch. Nicht als Bonatti.«
»Aber …«
Ein zweiter Schmerz macht sich auf den Weg. Von der Mitte seiner Brust in die Beine. Bonatti stöhnt und kippt nach vorne. »Oh Gott …«, presst er mühsam hervor. Die Alte lacht herzlich und Bonatti stirbt.

Die herbeigerufenen Sanitäter lassen auf sich warten. Der Weg zur Karosseriegruppe IV ist weit. Als sie endlich in der Toilette stehen, wissen sie sofort, dass es hier nichts mehr zu tun gibt. »Wow, findest du nicht, dass das hier wie ein Gemälde aussieht?«, fragt der eine. »Ja«, gibt ihm sein Kollege recht, »das sieht man nicht alle Tage.«

Der sechste Tod

Bonatti blickt auf die Rolex. Es ist vier Uhr in der Nacht. Auf die Minute genau. Am Karsamstag. Er steht vor der Eingangstür der Sakristei von St. Heinrich und Kunigund am Schillplatz, sieht sich nach allen Seiten um, aber niemand ist unterwegs. Vorsichtig presst er die Finger ineinander, um den Sitz der Handschuhe zu prüfen, dann drückt er die Klinke nach unten und stellt erstaunt fest, dass die Tür tatsächlich nicht verschlossen ist. Genauso, wie ihm das von seinem Kumpel Rudi beschrieben wurde. Der Pfarrer ist alt, sagte Rudi, der vergisst grundsätzlich abzuschließen. Nun, denkt Bonatti, dann ist er selbst schuld und tritt in den Vorraum der Sakristei. Er nimmt die kleine Taschenlampe aus der Jackentasche, legt sie in die Faust, um den Lichtkegel klein zu halten und schaltet sie an. Im Büro sei die Kasse der Kollekte, erklärte ihm Rudi. Ich wurde hier getauft und war fünf Jahre Ministrant in dieser Gemeinde, erwiderte Bonatti, die Kasse finde ich im Schlaf.

Und so ist es. Er entdeckt die Kassette hinter dem Vorhang, der die Abendmahl-Utensilien verdeckt. Da gestern Karfreitag war, ist sie besonders voll. Bonatti macht sich nicht die Mühe, die Stahlkassette aufzubrechen. Er steckt sie in eine Stofftasche und verlässt den kleinen Raum. Vor der alten Holztür, die zum Altar führt, bleibt er stehen, schaut erneut auf die Uhr. Gerade mal fünf Minuten hat er benötigt. Bonatti entschließt sich, ein ‚Vater unser‘ zu sprechen. Das kann schließlich nie schaden, flüstert er.
Vor dem Altar bekreuzigt er sich und nimmt in der zweiten Reihe Platz. Er legt die Unterarme auf der Rückenlehne der vorderen Bank ab, faltet die Hände und betrachtet die Maria auf dem Altar. Die Stille dringt tief in Bonattis Ohren. Er sieht kaum etwas im fahlen Licht der Straßenlampen, das durch die wenigen Buntglasfenster in die kleine Kirche fällt. Dann hört er plötzlich ein Räuspern hinter sich. Eine eisige Kralle greift nach seinem Herz. Nur langsam dreht er sich um, der Angst entgegen. Im schwachen Licht ist drei Reihen weiter ein alter Mann zu erkennen. Seine Augen sind auf Bonatti gerichtet. Nichts von dem wenigen Licht findet sich in ihnen. Sie sind Endlosigkeit und Finsternis in einem.
»Morgens um viertel nach vier in einer unbedeutenden Kirche«, hört Bonatti ihn mit leiser Stimme sprechen, »und du klaust die Kollekte?«
Sähe Bonatti in diesem Augenblick sein Spiegelbild, bekäme er einen weiteren tiefen Schreck. Aber niemand sieht sein aschfahles Gesicht. Es sind die Augen aus meinen Träumen, denkt er, sie sind Wirklichkeit geworden. Dann bricht es aus ihm heraus. »Vater unser, der du bist im Himmel …«

»Oh nein! Bonatti! Verschon mich damit«, ruft der alte Mann. »Du kennst mich doch jetzt zur Genüge und müsstest wissen, auf was ich gerne verzichte.« Seine Worte hallen nach zwischen den hohen Wänden. Bonatti hofft, dass es niemand hört.
»Ich habe keine Ahnung, wer Sie sind«, sagt er. Seine Stimme zittert.
»Doch. Hast du. Fünf Tode wirst du in Bälde gestorben sein. In einer Zeit, die noch kommt oder schon war. Ist es nicht so?« Bonattis Kehle ist zugeschnürt wie ein Sack Frühkartoffeln. »Ist es nicht so?«, wiederholt der Alte die Frage. Ein Krächzen, Räuspern. Dann ein Husten.
»Ja … ja, Sie haben recht. In meinen Träumen …«
Bonatti sieht den Alten aufstehen, aus der Bank kommen, dann zeichnet er das Kreuz und setzt sich neben ihn.
»Das mit dem Kreuz habe ich nur gemacht, wegen der Tradition. Ist doch okay für dich?«
»Äh … ja, sicher.«
Der Alte mustert ihn ausgiebig, beugt sich nach vorne, hebt seine Hand an Bonattis Kopf und dreht ihn hin und her. Er lässt los und rutscht einige Zentimeter ab.
»Hast du jemals geglaubt, Raffaele?«, kommt die Frage, und Bonatti meint, dass sich die Stimme verändert hat. Tiefer geworden ist. »Ich weiß nicht. Wirklich nicht …«, er überlegt kurz. »Nein, ich denke nicht.«
Der Alte nickt. »Doch. Natürlich. Hast du. Und zwar an das da«, er deutet auf die Stofftasche. »Geld, Bonatti. Du glaubst an Geld. Egal in welcher Form. Nun, es soll dir aus den Ohren kommen, das Geld.« Er greift nach der Stofftasche und nimmt sie an sich, ohne dass Bonatti Widerstand leisten kann, obwohl er doch nichts lieber täte, als jetzt zuzugreifen, den Kopf des Alten gegen das Eichenholz zu schlagen, um abhauen zu können. Er kann nicht. »Traurig«, stellt der Alte fest. »Nichts ist übrig von dem, was deine Mama dir beibrachte. Glaube an den Menschen, sagte sie. Glaube an die Liebe, sagte sie. Gib Liebe, predigte sie dir. Und jetzt?«
Bonatti zuckt mit den Schultern. Mehr ein Reflex als eine wirkliche Antwort. So ist er eben. Und exakt so trifft ihn der Schmerz. Wie ein Reflex. Etwas in ihm reißt auf, ein Geräusch wie ein platzender Luftballon, gefüllt mit Wasser. In seinem Inneren breitet sich wohlige Wärme aus, dann kehrt der Schmerz zurück und Bonatti schreit in die leere Kirche hinein. Ähnlich dem Tier vor der Schlachtung.
»Man nennt es Aneurysma«, sagt der Alte. »Deine Aorta ist geplatzt. Du läufst quasi leer. Nicht der schönste Tod.« Bonatti kippt auf die Seite, dem Alten auf den Schoß. Sein Bauch bläht auf. »Ich bin dein sechster Tod. Jetzt weißt du es genau. Denk an deine Träume.« Der Alte hört ein Gurgeln, ein leichtes Plätschern. Wie eine Quelle im Frühlingswald, die allen Wanderern Freude bereitet und dem Waldmeister einen prächtigen Start in den Frühling ermöglicht. Bonattis Gedanken tauchen ein in elfenbeinfarbenes Weiß. »Du bist ein Ketzer, Bonatti. Ein Ketzer an allem, was den Menschen zu einem göttlichen Wesen machen könnte.« Bonatti kann nur noch hören. Die Kälte kommt herauf, von seinen Beinen, das Herz pumpt wie im Wahn und drückt das kostbare Blut doch in die Leere. Zwischen Bonattis Gedärme, hinein in seine Lungen. Er röchelt Blut. Das Weiß kommt schnell. Dann stirbt er.

Um sieben Uhr schaltet sich die Glocken-Automatik ein und der Pfarrer wundert sich über die offene Tür zum Kirchenschiff. Er findet Bonatti in einem Meer von Blut. Eine Stofftasche in den Händen. Das Kreuz auf Brust und Stirn zeichnend, zieht er sich vorsichtig zurück und kniet vor dem Altar nieder.

Der siebte Tod

Bonattis siebter Tod wartet geduldig. Wäre das Warten nicht ein natürliches Element, so dürfte man ihn getrost als denjenigen anführen, der das Warten in die Welt brachte. Nur wenige Menschen warten auf den Tod. Meist ist es der Tod, der auf die Menschen wartet. Manchmal passiert es schneller, als zu erwarten wäre. Etwa als Bonatti seinen Vater packt und ihn mit Wucht durch die geschlossenen Fensterflügel im dritten Stock drückt, diesen für ihn doch recht leichten Körper hält, bis seine Kräfte endgültig versagen. Dann lässt er los. Ein Stück Hemdkragen noch in der linken Hand. Die schreckgeweiteten Augen fallen hinab, Bonatti nie aus dem Blick verlierend. Ein ungewohntes, hässliches Geräusch markiert den Aufschlag. Gott sei Dank nicht so viel Blut, denkt Raffaele Bonatti und dreht sich um. An der Wand hängen Fotos. Hier die ganze Familie, dort die Großeltern, darunter die hügelige kalabrische Landschaft, Schwarzweiß-Fotos amerikanischer Soldaten, Bonattis Opa auf dem Stuhl, der Capobastone inmitten seiner Locali. Nun bin ich wieder zurück, denkt er und setzt sich auf das alte Canapé, dessen arabisch anmutendes Stoffmuster er schon als Kind bewunderte. Bonatti atmet tief ein und meint die salzige Luft des nahenden Meeres zu schmecken. Viel besser als Köln, murmelt er. Aber in Köln werde ich bald zum Betriebsrat gewählt werden. Ich werde der Capo Provincia sein. Auch nicht schlecht.

Das Wimmern aus der Besenkammer im Flur holt ihn zurück. Er steht auf und bricht einen der alten Küchenstühle entzwei, reißt ein Stuhlbein ab und geht aus dem Zimmer. Im Halbdunkel mustert er die Tür. Bonatti kennt die Kammer auswendig. Von innen. Er sieht sich im Zwielicht des winzigen Raumes zwischen Spinnen und Käfern, die Furcht so tief in den Knochen, dass er noch zitterte, als er längst wieder draußen war. Die Schwärze war mein Zuhause, denkt er und öffnet die Tür. Spärlich fällt Licht auf seine Mutter. Zusammengekauert kniet sie auf dem Ziegelboden, den Rücken der Tür zugewandt. Wie schmal sie ist, wundert Bonatti sich und zieht sie an den Haaren aus dem dunklen Loch, das in vielen Urlauben sein tägliches Zuhause war. Ihren leichten Körper hinter sich her schleifend, erreicht er die Küche und legt ihn ab. Vor dem alten Tisch der Großeltern. Dann schlägt er zu und ein gepresster Laut ist die Antwort. »Scheiße«, sagt er, »nicht richtig getroffen.« Er tritt den Körper. Einmal, ein zweites Mal, solange, bis kaum noch Leben in ihm ist. Bonatti setzt sich und beugt sich vor. Seiner Mutter entgegen, die mehr als schweigt. Die erträgt.
»Du bist meine Mutter geworden. Warum, weiß ich nicht, aber du hast immer noch ein schönes Gesicht.« Mit einem weiteren Schlag zertrümmert er ihr Nasenbein und wartet auf einen Schmerzenslaut. Nichts. Also lehnt sich Bonatti zurück und trinkt einen Schluck vom frisch gepressten Orangensaft. Die Orangenbäume, denkt er, sie waren mein einziges Glück in all den Urlauben. Und zurückzukommen, nach Köln.

»Papa ist tot. Sie werden ihn wohl gerade auf die Seite schaffen. Und du wirst jetzt auch sterben.« Mit dem Finger kratzt er einen Streifen Blut von der Stuhlbeinkante. Er weiß, dass er im Sitzen nur wenig Kraft hat und kniet sich vor den Körper seiner Mutter. Was hätte wohl Opa gemacht?, fragt er sich, den Kopf in den Nacken gelegt. Über der Tür hängt das Kreuz der Chiesa di Santa Maria della Pietà in San Luca. Bonatti bekreuzigt sich, holt aus, bis weit hinter den Rücken, schlägt zu und hört nicht eher auf, bis nichts mehr von der Schönheit und dem Kopf seiner Mutter übrig ist. Außer Atem schmeißt er das Stuhlbein weg, steht auf und geht hinunter vor die Tür. Sein Vater ist verschwunden. Nichts als ein kleiner roter Fleck ist zu sehen. Bonatti setzt sich auf die Bank, die sein Urgroßvater aus dem Holz alter Olivenbäume gebaut hat. Der Wind kommt vom Ionischen Meer und bringt kühle Luft mit sich. Er lehnt sich zurück und beobachtet mit einem Auge ein kleines Mädchen, das die steile Straße heraufkommt. Es setzt sich neben ihn.

»Guten Tag, mein kleines Fräulein«, begrüßt Bonatti sie.
»Guten Tag.«
»Wie ist dein Name?«
»Ich weiß es nicht«, antwortet sie schulterzuckend. Bonatti lacht.
»Du weißt es nicht? Das ist aber seltsam. Jedes Mädchen hat einen Namen, oder?«
»Ich habe viele Namen. In allen Sprachen dieser Welt habe ich einen oder mehrere Namen. Such dir also einen aus.«
Bonatti mustert die Kleine von der Seite. Dann dreht sie ihren Kopf und er blickt in die dunkelsten aller Augen. Ihre Schwärze verschluckt jedwedes Licht. Mehr noch. Bonatti fühlt einen Sog, der an seinem Körper zieht, hin zur Finsternis. Er rückt unwillkürlich einige Zentimeter ab. »Wer bist du?«, fragt er ängstlich.
»Wer die Familie verlässt, muss sterben. Nicht wahr?«
Bonatti zuckt zusammen. »Hä? Von was redest du?«
»Von deinen Eltern. Sie haben bereut. Alt geworden und bereut. Das ist nicht selten bei euch Menschen.«
»Sie haben sich des Verrats schuldig gemacht«, erwidert Bonatti trotzig und setzt sich aufrecht. »In der Familie darf es keinen Verrat geben. Was weißt denn du schon? Kleine Rotznase …«
»Wen haben sie verraten? Dich? Oder wen sonst?«, unterbricht das Mädchen ihn.
Zorn kocht in Bonatti hoch. Alter Zorn. Er schlägt sich auf die Brust. »Die Familie!«, schreit er, »den Clan! Sie waren nicht mehr demütig. Haben die Ehrenwerten beschmutzt! Sie werden in der Hölle …«
Der Seewind wird weiß, die Luft um Bonatti wird weiß. Seine Stimme versagt und das Atmen fällt ihm schwer. Ächzend lehnt er sich zurück. »Wer … bist … du?«, bringt er gerade noch heraus.
»Ich bin der Alte, das Mädchen, die Oma aus deinen Träumen, in denen du bald gestorben sein wirst. Dein siebter Tod. Und ich habe auf dich gewartet.« Wie die Marionette an der Schnur, kippt Raffaele Bonatti langsam vornüber, rutscht von der Bank und landet im hellen Staub der alten Straße. Er röchelt. Mit den Fingern kratzt er Figuren in die Via San Sebastiano. »Ich urteile nicht, Bonatti. Ich hole nur ab. Aber ich kann dir versichern, dass du in Gewalt geboren wurdest, in Gewalt aufgewachsen und Gewalt dein Innerstes war. So gesehen, hast du es jetzt schon besser.« Das Weiß wird vollkommen und Bonatti stirbt.

Als die jungen ’Ndranghetisti Bonattis Mutter holen wollen, um sie zu entsorgen, finden sie Raffaele tot vor der alten Holzbank liegend. Überrascht und verunsichert rufen sie den Capo Crimine. Zwei Fliegen mit einer Klappe, sagt der und vergibt das Haus per Telefon an eine junge Familie.

Der achte Tod

Bonatti stöhnt und hält sich den Kopf. Sein Hintern tut ihm weh vom langen Sitzen auf diesen Steinblöcken. »Gottverdammt! Warum muss das Zeug so hart sein?«
»Das ist kein Zeug. Das ist Marmor«, erklärt ihm Angelo.
»Gut, dass ich so nen schlauen Sohn habe.«
»Du bist jedenfalls nicht der Grund«, pariert der. Bonatti schweigt und überlegt kurz, ob eine ausreichend harte Ohrfeige die richtige Reaktion wäre. Aber er lässt es.
»Warum sind wir noch mal hier?«, fragt er stattdessen.
»Weil du Mama versprochen hast, mit ihr nach Griechenland zu fahren.«
»Mama ist tot«, antwortet Bonatti tonlos. Angelo schweigt und liest im Prospekt. »Ich könnte jetzt schön in Weidenpesch sein und ein paar satte Gewinne einfahren. Bei Pferden hab ich immer Glück«, redet Bonatti weiter und streckt sich ausgiebig. Es kommt keine Antwort von Angelo, der einen Rang unter ihm sitzt. Stattdessen hört man deutlich, wie einige der in Togen gekleideten Menschen auf dem kreisrunden Platz ein Stück einüben. »Das sind Deutsche«, merkt Bonatti an. »Man ist nirgends vor ihnen sicher.«
Angelo hebt den Kopf und steckt das Prospekt in seine Hosentasche. »Wir sind im Amphitheater von Epidauros. Den Menschen gefällt es, hier zu sein und die Dramen alter Kulturen nachzuspielen. Außerdem sind wir auch aus Deutschland. Wo ist also dein Problem?«
Bonatti zieht Schleim aus den Bronchien nach oben und spuckt auf den Platz neben sich. Angelo steht auf. In diesem Moment hört man klar und deutlich die Stimme eines Mannes vom Bühnenrund. „Bedenkt die Saat, die euch geboren hat: Ihr wurdet nicht geschaffen, um als Tiere zu leben, sondern um Nachfolger von Wert und Wissen zu sein.“
»Angelo, was redet der da?«, will Bonatti wissen und erhebt sich ebenfalls.
»Ich weiß nicht. Aber er hat recht.«
»Komm, Angelo, ich hab Hunger. Wir gehen zu Xenia und essen was.«

»Bei den Griechen gibt es immer viel Fleisch«, freut sich Bonatti und stopft sichtlich zufrieden das Gyros in sich hinein. »Das liebe ich an denen.« Angelo stochert mit der Gabel in seinem Reis. Bonatti sieht ihn an. »Was ist mit dir? Keinen Hunger?«
»Mama hätte hier sein sollen. Es war ihr Urlaub«, flüstert Angelo und fixiert seinen Vater.
»Sie hat es sich aber anders überlegt und ist lieber dem Flaschengeist gefolgt«, ätzt Bonatti. »Hätte nicht so saufen sollen«, legt er nach und kann gerade noch dem Messer ausweichen, dass Angelo nach ihm wirft. Mit einem Ruck kommt er hoch, stößt Stuhl und Tisch um, greift nach Angelo, sieht seine Fäuste auf ihn einprügeln. Männer kommen und reißen ihn weg. Schreiend und fluchend drücken sie ihn auf den Terrakotta-Boden. Er sieht, wie Angelo Xenias Dionysos-Gasthaus wutentbrannt verlässt. Bonatti wehrt sich nicht mehr, liegt still auf den kühlen Fliesen und denkt an Leonora. Ihr Tod war so nutzlos. Voller Schande. Langsam steht er auf, hält die Handflächen hoch, zeigt, dass alles wieder normal ist. »Was muss ich zahlen?«, fragt er in die Runde. »Das ganze Geschirr, das Essen. Ich lege noch fünfhundert Euro drauf. Kein Problem. Polizei lassen wir weg.«

Angelo ist nicht am Auto. Also steigt Bonatti ein und macht sich auf den Weg zurück in die kleine Pension. Von Epidauros über die Küstenstraße nach Methana. Etwas mehr als fünfzig Kilometer. Soll Angelo doch sehen, wie er nach Hause kommt, denkt er und genießt den Blick auf die Ägäis, die Inseln im fernen Dunst, den Fahrtwind, der durch die offene Scheibe an seinen Haaren zerrt. Hätte ich doch bloß nie geheiratet, wünscht er sich und sieht im Augenwinkel eine Tramperin am Straßenrand stehen. Bonatti macht eine Vollbremsung. Fast auf den Zentimeter genau bleibt er mit der Beifahrertür auf Höhe der jungen Frau stehen, die ihn angrinst und ein Pappschild vor der Brust hält auf dem ‚Galatas‘ steht. Sie öffnet die Tür. »Das ist aber nett, dass Sie anhalten. Sie fahren nicht zufällig nach Galatas?«
Welch ein Glück. Sie spricht sogar Deutsch, freut er sich und überlegt nicht lange. »Natürlich fahre ich nach Galatas. Eine so schöne Frau würde ich überall hinfahren.«
Ohne eine Antwort steigt sie ein, legt den Rucksack zwischen die Beine in den Fußraum und schnallt sich an. »Das ist sehr freundlich von ihnen. Sie sind aus Deutschland?«
»Ja«, antwortet er und nickt. »Aus Köln. Bin zwar Italiener, aber in Deutschland geboren. Und Sie?«
»Ach, ich bin so was wie eine Weltbürgerin.« Bonatti ist zufrieden mit der Antwort und schielt lieber auf die Beine der jungen Frau, die in einer kurzen Hose stecken und das Wohlgeformteste sind, was er je an weiblichen Beinen gesehen hat. Es wundert ihn nicht, als es in seinen Leisten zu ziehen beginnt.

»Vielleicht können wir uns ja duzen«, schlägt er vor. Sie streckt sich und legt die Arme hinter den Kopf. Bonatti starrt auf ihre Brüste, die vom Spaghetti-Top nur noch knapp verdeckt werden. Aber er starrt zu lange und kommt von der Fahrbahn ab.
»He! Vorsicht, Bonatti!«
Mit aller Kraft tritt er auf die Bremse, der Wagen bricht aus und kommt kurz vor der Steinschlag-Mauer zum Stehen. Bonatti starrt die junge Frau an, die unverändert die Arme hinter dem Kopf verschränkt und sich den Schweiß von der Oberlippe leckt. Er fühlt den Puls im Hals klopfen. »Woher kennen Sie meinen Namen?« Bonatti versucht krampfhaft, einen klaren Gedanken zu fassen. Eine konkurrierende Familie? Aus der Familie seiner toten Frau? Eine Freundin Angelos?
»Das gehört einfach zu meinem Beruf, die Namen derer zu kennen, die ich hole«, erklärt sie, dreht den Kopf nach links und legt die Hände auf ihrer begehrenswerten Haut ab. »Findest du mich schön?«, fragt sie.
Bonatti schließt die Augen und schüttelt langsam den Kopf. »Schön ist gar kein Ausdruck. Nicht von diesem Planeten passt eher. Aber trotzdem weiß ich immer noch nicht, wer Sie sind und woher Sie meinen Namen kennen«, erwidert er.
»Sieh mich an, Bonatti.« Das tut er. Öffnet die Augen und fällt in endloses Schwarz, das ihn umfließt wie Honig einen Löffel. Sein Atem stockt und grässliche Furcht greift nach seinem Inneren. »Was siehst du, Bonatti?« Ihre Stimme ist nicht mehr samten und voll. Es ist die Stimme aus einem dunklen Schlund, der hinabreicht in Tiefen, die jenseits aller Hoffnung liegen.
»Ich kenne dich …«
»Aber ja. Aus Träumen, die noch nicht geträumt wurden. Aus Bildern, die erst gelebt werden wollen und doch schon hinter dir liegen.«
Bonatti schweigt. Stille im Auto. Kein anderes Fahrzeug ist auf der Straße und der Schatten auf der Ostseite der Hügel taucht das nahe Meer in ein dunkles Blau. »Du bist mein Tod. Nicht wahr?«, sagt er leise, ohne den Kopf zu heben.
»Deine egomanische Sicht auf die Welt hat dich um alles gebracht, was du zumindest ansatzweise einmal lieb hattest. Ich bin nicht ‚dein Tod‘, ich bin niemandes Tod. Ich hole nur ab. Trotzdem interessiert mich, was in den Menschen vorgeht.«
»Und was möchtest du von mir wissen?«
»Ich frage dich nach deiner Frau. Nach Leonora. Ich habe sie geholt.« Bonatti nickt und das Schwarz in den Augen der jungen Frau weicht einem klaren Grün. »Sie gehörte zu den Menschen, die voller Schmerz starben. Ein unheilbarer Schmerz. Und du bist der Grund dafür. Du weißt, was du ihr angetan hast?«
»Was soll ich ihr denn angetan haben?«, begehrt er auf, streckt sich und ballt die Fäuste.
»Du hast sie betrogen. Um ihre Liebe, um ihr Leben, um ihre Zukunft.«
»Sitze ich hier vor einer Art Jüngstem Gericht?«
Sie lacht. Warm und herzlich. Ihre Brüste bewegen sich im Rhythmus des Lachens. Bonatti schlägt ihr die Faust ins Gesicht, bremst ohne zu kuppeln zum Stillstand, zieht am Türöffner, öffnet das Gurtschloss und drückt sie hinaus. Dann startet er den Wagen und rast los. Die Beifahrertür schwingt hin und her. Im Rückspiegel ist nichts zu sehen von ihr. Er kann es nicht fassen. Einmal anbremsen, zurückschalten, stark beschleunigen, die Beifahrertür klappt zu. Er bricht in homerisches Gelächter aus. Bonatti kann nicht mal sagen, wie lange er gelacht hat und wann er in Methana angekommen ist.

Er begrüßt die Chefin der Pension und freut sich auf eine kühle Dusche. Als er ins Zimmer kommt, blickt er direkt in die Mündung einer Waffe und die Augen seines Sohnes.
»Angelo? Was …«
Die Kugel trifft ihn zwischen die Augen. Bonatti stirbt . Ohne das Weiß gesehen zu haben.

Der neunte Tod

Bonattis neunter Tod starrt auf das mit Neuschnee bedeckte Eis. Eine große, fast kreisförmige Fläche. Schilf steckt darin und wartet auf den Frühling. Die Stille an diesem Morgen ist fast perfekt, bis auf eine Kolonie Raben, die im Geäst der Pappelreihe sitzt und sich Geschichten erzählt. Ab und zu fliegt einer auf und zieht Kreise über dem Feldweg, der zwischen Wiesen und Feldern im klammen Dunst verschwindet. Nichts passiert. Es wird weder heller noch dunkler. Als die Raben für einen außergewöhnlich langen Moment schweigen, löst sich ein schwarzes Auto aus dem Nebel, fährt den holprigen, hartgefrorenen Feldweg entlang und kommt am Weiher zum Stehen. Vier Männer steigen aus und gehen mitten auf die Eisfläche.
»Ist weit genug«, sagt der Älteste unter ihnen und bleibt stehen.
»Bist du dir sicher, Capo, dass das Eis nicht bricht? Wir sind nicht gerade Leichtgewichte.«
»Dein fehlender Schädelinhalt macht das wieder wett«, beruhigt ihn der Capo. Er zieht seine Handschuhe aus und holt aus seiner Manteltasche ein Lederetui. »Willst du noch einen Zigarillo Bonatti?«
»Nein. Ich habe das Rauchen dran gegeben.«
»Hört, hört«, meint der Alte und zündet sich einen Zigarillo an. Er zieht zwei, drei Mal genüsslich und beobachtet die Raben in den Pappelspitzen. Dann kratzt er sich am Hinterkopf. Seine Fellkappe verrutscht ein wenig und er rückt sie wieder gerade.
»Capo?«
»Was?«
»Uns ist … ich meine, mir ist kalt. Können wir uns nicht ein bisschen beeilen?«
Der Alte fixiert nacheinander seine beiden Helfer. Beobachtet, wie sie von einem Fuß auf den anderen treten und sich die behandschuhten Hände reiben. »Nehmt euch ein Beispiel an Bonatti. Der steht wie eine Eins und jammert nicht.«
»Ja, Capo …«

Langsam geht der Alte zu Bonatti. Die dünne Schicht aus Neuschnee knirscht unter den Sohlen. »Es endet hier, Bonatti. Wenn ich es auch nicht verstehe. Du hast alle gegen dich aufgebracht. Deine Frau ist tot, dein Sohn abgehauen, unsere Familien sind sichtlich nervös.« Er schüttelt den Kopf und zieht lange am Zigarillo. Dann tritt er ihn aus und steckt ihn in die Manteltasche. »Du hättest weit kommen können. Weiter als alle«, sagt er bedauernd. Bonatti blickt ihm in die Augen. »Aber du hattest dich nie wirklich im Griff. Du bist voller unnützer, sinnloser Gewalt. Ich meine, gut, Gewalt muss ab und zu sein«, der Alte nickt und zieht die Handschuhe wieder an, »aber nur dort wo sie nötig ist. Und nie mehr als man braucht, um das Ziel zu erreichen. Wir leben nicht mehr im Mittelalter. Du hingegen bist wie eine herrenlose Abrissbirne.«
Bonatti antwortet nicht. Hätte er die Möglichkeit, würde er alle drei auf der Stelle töten.
»Ich finde es frech, dass du nicht antwortest. Respektlos. Und so ist dein Leben. Respektlos. So respektlos, dass sogar deine loyalen Eltern dich verraten wollten und nur wegen dir sterben mussten.« Der Alte dreht den Kopf zur Seite. Bonatti schweigt und starrt geradeaus. »Na gut«, sagt er. »Bringen wir es zu Ende.« Er nickt seinen Gehilfen zu.
»Nehmt das Messer. Schlitzt ihm den Bauch auf. Quer.«
»Warum nicht einfach einen Schuss in den Hinterkopf, Capo?«
»Weil ich leiden soll, du Trottel«, erklärt ihm Bonatti.
»Es ist schade um dich, Raffaele. Vom Töten hast du wesentlich mehr Ahnung als vom Leben«, sagt der Alte. »Ciao, Bonatti.« Er dreht sich um und geht vorsichtig zum Auto. Als das Messer in Bonattis linken Unterleib gleitet und den Weg auf die andere Seite nimmt, schweigt er, presst den Schmerz lediglich durch starkes Ausatmen heraus, dann sinkt er aufs Eis und mustert den Schnee vor dem Gesicht. Eine wohlige Wärme verlässt seinen Körper. Er hört das Zuschlagen von Türen, einen Motor, dann nur noch die Raben.

Bonattis neunter Tod setzt sich in Gestalt eines alten Mannes neben ihn und legt die rechte Hand auf dessen Wange.
»He, alter Mann, kannst du Hilfe holen?«, röchelt Bonatti, schon sichtlich geschwächt.
»Ich bin das Schwarz. Das Leben der Menschen erstarrt in mir«, antwortet der Alte.
»Was’n das für‘n Scheiß?«
»Schau mich an.« Der alte Mann legt sich auf das Eis, mit dem Gesicht direkt vor Bonattis Kopf, die Hand immer noch auf dessen Wange. Zähflüssiges Schwarz fließt in mäandernden Bahnen aus seinem Gesicht auf Bonatti zu. Es durchdringt ihn, schiebt sich unter den kälter werdenden Körper, löst alles Weiß auf, lässt den Schnee verschwinden. Das Schwarz ist Wärme und Bonatti versinkt darin. Das Bild der Welt verblasst.
»Was passiert?«, haucht Bonatti.
»Dies ist dein letzter Tod. Erinnerst du dich nicht an mich?«
»Doch …«
»Ich war die Farbe Weiß in deinen Träumen. Das Sterben aber ist schwarz. Nun tauchst du ein in das Schwarz. Bereite dich vor.«
»Aber …«
»Es gibt kein ‚Aber‘ mehr, Bonatti.«

Die Raben krächzen und erzählen sich Geschichten. Dann entdecken sie ihre Neugier und kreisen um den dunklen Fleck im Schnee. Sie landen und keckern, hüpfen heran an Bonatti, rutschen aus im kälter werdenden Blut. Der Neugierigste unter ihnen pickt tief in die blauen Lippen. Einmal, zweimal, dann ist die Angst verschwunden. Der Hunger siegt.

Epilog

»Tot zu sein, ist gar nicht mal so schlecht«, bricht es aus Bonatti heraus. Er lacht und klopft dem alten Mann auf die Schulter.
»Ich habe eine durchaus befreiende Wirkung«, bestätigt der ihm.
Plötzlich endet Bonattis Heiterkeit und er wird ernst. »Ich finde, du bist mir ein paar Antworten schuldig, Alterchen.«
»Was ist heute für ein Tag?«, fragt der ihn.
Bonatti seufzt. »Du antwortest immer in Rätseln.«
»Nein. Du verstehst nur die Antworten nicht«, erwidert er und steht auf. »Es ist achtzehn Uhr. Wir gehen.«
»Es ist achtzehn Uhr«, äfft Bonatti nach, »das interessiert doch niemanden mehr. Wohin gehen wir denn? Hier ist doch nichts. Nur das Meer.«
»Und es weicht nicht entsetzt zurück vor den Menschen und ihren Taten«, ergänzt der Alte.
Bonatti packt dessen Oberarm und dreht ihn zu sich. »Du redest von meinen Taten. Ist es so?«
Da ist wieder das Schwarze in den Augen. »Natürlich, Raffaele Bonatti. Wir steigen seit vielen Jahren zusammen hinab, Stufe für Stufe, Ring für Ring, bis auf den letztendlichen Verrat. Du bist den Weg bis zum Ende gegangen. Immer an meiner Hand. Kein Traum war imstande dich zu läutern.« Mit einem Ruck lässt Bonatti die Schulter des alten Mannes los, setzt sich auf einen Stein und beginnt, Figuren in den Sand zu zeichnen.
»Was ist heute für ein Tag?«, will der Alte erneut wissen.
Bonattis Zeigefinger malt Kreise, Vierecke, schreibt „Angelo“ in den Sand.
»Das weiß doch jeder. Es ist der Karsonntagmorgen. Ostern«, beantwortet er die Frage. Beide schweigen. »Ich habe mir das Leben verdient«, sagt Bonatti nach einer Weile.
»Aber Bonatti«, flüstert der Alte, »das Leben wird dir geschenkt. Den Tod muss man sich verdienen.«

Diese Geschichte

Habe ich 2020 geschrieben. Ursprünglich sind das Roman-Artefakte, die ich dann zu dieser Kurzgeschichte umgeformt habe. Der eigentliche Hintergrund ist eine sehr alte Dichtung. Vielleicht entdeckt die Eine oder der Andere das, was die Basis ist. Ist aber nur ein Schmankerl. Mit Bonatti wollte ich auch in Richtung dessen, was man Magischen Realismus nennt, ein paar Übungseinheiten, sozusagen. Es hat viel Spaß gemacht, die kurzen Abschnitte zu schreiben und ich hoffe, sie machen Euch beim Lesen ebenso viel Freude.

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Beste Grüße
Heiko

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