Coming soon!

Insel 64. Der neue Roman. Im Januar.

Dystopisch. Traumatisch. Spannend.

Eine künstliche Insel ist verschwunden. Fast 2.000 Menschen haben sich in Luft aufgelöst. Chatrina Sutter und ihre Polizeieinheit bekommen den Auftrag, Insel 64 zu suchen. Dann überstürzen sich die Ereignisse und anstatt ihre Suche fortzusetzen, geraten sie in einen Sog aus Lügen, Lebensgefahr und Selbstzweifel, ob das, was sie tun, wirklich richtig ist. Chatrina kämpft nicht nur gegen unsichtbare Gegner sondern auch gegen ihre traumatische Kindheit und den zunehmenden Zerfall der Menschheit. Es ist das Jahr 2148 und die Menschen sind vor wütenden Pandemien und katastrophalem Klima auf die Ozeane geflohen.

Eine kleine Leseprobe gefällig?

Datum? Unbekannt. Uhrzeit ebenso. Aber die Krankenstation eines U-Bootes. Und ein Gesicht neben mir. Etwas wie Strom in meinem Kopf. War dies das Gefühl von Elektrizität? Kribbeln. Ein Gefühl von Schweben. Ich sah es deutlich. Und auch alle Bilder. Alles. Ich erinnerte mich an jedwede Schuld. Jede Szene bis hinunter zum ersten Erwachen meines Bewusstseins.
»Chatrina?«
Eine warme und sorgenvolle Stimme. Durch das Schweben näherte sich ein Schmerz. Kopfschmerz. Er pochte. Immer kräftiger.
»Hm?«
Sato Gesicht schob sich in mein Blickfeld. Ihr Hals rot, grün, violett. Fingerabdrücke. Wer hatte ihr das angetan? Meine Hand? Alle Bilder leuchteten so klar wie einer der seltenen wolkenlosen Sonnenaufgänge. Vielleicht wie die Welt früher einmal war. Klar und wundervoll.
»Wer ist deine Mutter?«, fragte Sato leise.
Ich schloss die Augen und suchte die Erinnerung. Als der Mann in Uniform auf die Frauen zeigte. Eine nach der anderen. Die wäre zu alt, jene zu dünn, keine kräftigen Hände … aber die auf jeden Fall. Und Mutter? Gut fürs Bett. Sein Finger auf mir? Marcella packte mich fester. Nein, nimm mich! Meine Tochter ist dumm! Kann nix! Nicht mal gut im Bett ist sie!, flehte die Stimme über mir. Die Uniform nickte und ich wollte Mutter nicht gehen lassen, aber zwei Schläge in mein Gesicht lösten den Griff. Unnützes Kind! Nichts kannst du! Kümmere dich um deine Schwester!, schrie sie. Die Uniform lächelte. Warum sagte sie das? Dann geh doch! Lass Marcella und mich alleine! Ich bin nicht mehr deine Tochter! Ich werde dich umbringen, wenn ich dich wiedersehe!, schrie ich ihr hinterher. Ein letzter Blick auf Mamas dreckige Haare, die schlanke und hochgewachsene Figur. Wie ich. Nicht ein einziges Mal drehte sie sich um. Der Glatzkopf kam und zog uns an den Haaren wieder ins Haus.
»Jetzt weiß ich, wie sie aussieht … ich werde sie finden und töten.«
Ich spürte, wie es wieder dunkel wurde.
»Verzeih, Chatrina. Du musst ausruhen …«, hörte ich Satos Worte verhallen.

Am Rande

Die Idee zum Roman hatte ich beim Betrachten der schwimmenden Dörfer in der Halong-Bucht. Menschen leben seit tausenden von Jahren am oder auch auf dem Wasser. Nahrungsvielfalt und -reichtum und auch Sicherheitsaspekte gaben den Ausschlag. Das brachte ich in Verbindung mit den Wörtern Pandemie und Klimakatastrophe. Insgesamt habe ich fünf Monate geschrieben. Durchaus täglich mehrere Stunden. Knapp 123.000 Wörter kamen so zusammen. Unterteilt ist alles in zehn Kapitel und auch so angelegt, dass ich eine Fortsetzung anhängen kann, denn das Thema ist noch nicht zu Ende erzählt. Momentan ist Korrektur angesagt, Fehler ausbügeln; obwohl ich doch ganz zufrieden bin mit dem Ding (bisschen Eigenlob gehört dazu). Am Ende hat es aber Spass gemacht. Das ist ja die Hauptsache.

Noch schöne Adventstage wünscht

Heiko

Warum „… die Reste vom Krieg“?

Band 1 und die Fragen

Band 1: Heinrich und die Reste vom Krieg

Über Facebook erreichte mich von zwei unterschiedlichen Menschen die identische Frage: „Warum hat der Roman diesen Titel?“ Eigentlich schnell beantwortet. Ich erinnere mich an die vielen Male, die ich mit meiner Mutter oder meiner Oma mit dem Oberleitungsbus (O-Bus) der Linie 9 in die Stadt fuhr. In der in Pforzheim so benannten ‚KF‘, der Kaiser-Friedrich-Straße, gab es zwischen dem einen oder anderen Haus Lücken. In diesen Lücken standen Mauerreste, ein Schornstein, Bewuchs zwischen den Mauern. Ich fragte, was dieses kaputte Haus sei. Und die Antwort war: „Das sind die Reste vom Krieg.“ Da drunter konnte ich mir erst mal nichts vorstellen. Ich musste mir das Wissen aus Puzzleteilen zusammensetzen.

Zu diesen kleinen Puzzleteilen gehörten die Reaktionen der Erwachsenen auf für mich harmlose Situationen. Dazu zähle ich die monatliche Sirenenübung (Fliegeralarm, ABC-Alarm, Entwarnung). Als ich realisierte, dass meine Oma bei Beginn des Heultons unter dem Küchentisch verschwand – oder manchmal unter die Eckbank – meiner Mutter sich die Haare stellten, war ich natürlich neugierig, und auch hier kam die Antwort, die so ähnlich ausfiel: „Die Reste vom Krieg.“ Wenn propellergetriebene Flugzeuge über die Stadt flogen, begegnete ich den Reflexen, im Graben Schutz suchen zu wollen bei meiner Oma. Noch intensiver war dies alles aber bei meinem Opa (der mein Stiefopa war, den ich aber sehr gerne hatte). „Sein Krieg“ war noch so lebendig, dass ein Teil von ihm noch „dort drin gefangen“ war. Er war bei der Panzertruppe in Russland (ab dem 22. Juni 1941, Barbarossa). Als seine Einheit 1943 aufgerieben wurde und man die Division neu aufstellte, kam er nach Italien, denn die Amerikaner waren dort gelandet. In den letzten Wochen wurde er dort nördlich von Bologna in einem Granattrichter verschüttet. Bis man ihn ausgrub, war er ohne Sauerstoff, was neurologische Schädigungen nach sich zog. Er konnte nicht mehr dauerhaft als Goldschmied arbeiten, Konzentrationsabbruch, nächtliches Schlafwandeln, Flashbacks, wie man heute so schön sagt. Also eine Kombination von Sauerstoffentzug mit PTBS. Er war ein sehr humorvoller Mensch, der Schalk saß ihm im Nacken. Doch wenn die Bilder aus seinem Inneren aufstiegen, gab es kein Halten.

Zu den Lebensumständen meines Opas gehörte es, dass er auch daheim arbeiten konnte. Er war ein sehr guter Goldschmied und die Firma brachte ihm Aufträge ins Haus. Wenn er sich nicht mehr konzentrieren konnte, schnappte er sich seinen Enkel und wir gingen zusammen immer denselben Weg, den sogenannten „Wasserleitungsweg“ in den Schwarzwald hinein. Oft stundenlang. Bis hinter Neuenbürg. Er konnte viel erzählen über die Tiere, die Pflanzen, seine Heimat (Nürnberg). Wurde er stiller, kamen die Bilder hervor. Dann setzten wir uns irgendwo hin und er fing an zu erzählen. Geschichten aus Russland. In diesen Geschichten kam alles vor, was vom Russlandfeldzug bekannt ist. Trommelfeuer der Artillerie, Stalinorgeln, Siege, Beinahetode, Schrappnelle in seinem Körper, Partisanen und Partisanenermordung, das Sterben von Kameraden, Rotarmisten und Bevölkerung. Und da war noch etwas, was er nicht mit dem Wort benannte, aber durch Weinen bekundete: Er fühlte sich schuldig. Schuldig, Taten begangen zu haben, die „eines Soldaten nicht würdig waren.“ Als Kind wusste ich nichts über das, was eines Soldaten würdig war. Aber ich bemerkte im Laufe der Jahre deutlich, wie sich „sein Krieg“ in meinem Kopf festsetzte. Und so gab es in mir plötzlich auch „… die Reste vom Krieg.“

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