Menschen

Wichtiger Hinweis

Das Trennen von Opfern und Tätern ist im Folgenden aufgehoben. Bücher der Opfer erzeugen Mitleid, Trauer. Bücher über Täter Abscheu, Scham. Aber wenn wir Herkunftsort, Straßennamen genau betrachten, dann stellen wir fest, es waren Nachbarn, sind sich beim Bäcker begegnet, im Lebensmittelladen, im Sportverein, waren Schüler oder Lehrer derselben Schule, arbeiteten vielleicht im selben Betrieb, es waren Menschen von nebenan. Der Hass hat die eh schon divergierende Gesellschaft noch mehr getrennt und der Riss ging oft genug durch ganze Familien. Ideologien, falsche Versprechungen, Ausgrenzungen, Rassismus, das waren die Zutaten der Katastrophe. Hier möchte ich die Menschen wieder zusammenführen.

Kodierung

A = Angeklagte/r in einem der drei Prozesse (Fuhlsbüttel I/II/III).
Z = Zeuge UND/ODER ehemals Inhaftierter in einem der drei Prozesse.
E = bezieht sich auf extern vernommene Zeugen vor dem Prozessbeginn. Opfer der Jahre 1933 bis 1945 im Konzentrationslager Fuhlsbüttel bzw. ab 1936 Polizeigefängnis Fuhlsbüttel sowie Außenlager Fuhlsbüttel des KZ Neuengamme.
O = sind ALLE namentlich bekannten Opfer/Inhaftierten, ob lebend oder tot.
= ermordet bzw. im Zuge von Haft/Folter anschließend gestorben.
NS = im Kontext mit Partei, Organisation, Behörden, Ereignissen und Umständen stehende Personen, ohne direkten Kontakt zum örtlichen Geschehen, deren Handlungen und Weisungen aber eine Relevanz für das Thema aufweisen oder systemtypisch bzw. systemtragend sind.
R = markiert die erschossenen russischen Zwangsarbeiterinnen.
71 = bedeutet, die Person gehört zu den 71 Inhaftierten, die vor Kriegsende ins KZ Neuengamme verbracht wurden und am 21. und 23. April exekutiert wurden.

ALBRECHT, Arthur (PIII) NS A
Angeklagt im dritten Fuhlsbüttel-Prozess im Hamburger Curio-Haus.

ALLERS, Hermann O71
Wohnhaft in Hamburg, geboren 1887. Gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden.

ANDERSEN, Friedrich O
Von Beruf Schneider, wohnhaft in Hamburg, Große Theaterstraße 48, geboren am 7.10.1897, gestorben am 28.10.1937, Haftgrund unbekannt.

APEL, Dr. Hermann Karl O
Von Beruf Studienrat i.R., wohnhaft in Reinbek, Bahnsenallee 19, in der DVP, geboren am 2.6.1883, gestorben am 11.10.1939, Haftgrund politisch. Apel wurde am 5. Oktober 1939 wegen Verbreitung antinazistischer Publikationen von der Gestapo in das Polizeigefängnis eingewiesen.

APPERMANN, Moriz O
Von Beruf Kaufmann, wohnhaft in Hamburg, Emilienstraße 87, geboren am 15.4.1883 und gestorben am 30.3.1942, Haftgrund war Jude (rassisch).

ARAPOWA, Anna OR
Geboren am 22. Oktober 1916 in Sverdlowsk, Sowjetunion. Gehört zu den streikenden Zwangsarbeiterinnen in der Firma NOLEIKO, Hamburg. Am 15. November 1943 wurden sie am Winsberg bei Eidelstedt nördlich von Altona durch Genickschuss hingerichtet. Die anderen russischen Zwangsarbeiterinnen aus dem Werk mussten zuschauen.

AUERBACH, Aron O
Von Beruf Kaufmann, wohnhaft in Hamburg, Hansastraße 74, geboren am 20.4.1869 und gestorben am 5.7.1938, Haftgrund war Jude (rassisch).

BACH, Paul Karl O
Von Beruf Zimmerer, wohnhaft in Hamburg, Detmerstr. 28, geboren am 11.3.1903 und gestorben am 20.7.1934. Haftgrund politisch (VzH). Mitglied bei KPD und RH.

BACHERT, Heinrich O71
Wohnhaft in Hamburg, Mitglied in der KPD und Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe, gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Haftgrund politisch.

BACH-ZELEWSKI, Erich von dem NS
Geboren am 1. März 1899 in Lauenburg in Pommern als Erich Julius Eberhard von Zelewski, ab 1925 von dem Bach-Zelewski, 1940 bis 1945 von dem Bach. Gestorben am 8. März 1972 in München. Ein deutscher SSObergruppenführer, General der Waffen-SS und General der Polizei und als Höherer SS- und Polizeiführer (HSSPF) Russland-Mitte am Holocaust und später als „Chef der Bandenkampfverbände“ maßgeblich an den Massenmordaktionen in der Sowjetunion beteiligt. Im August 1944 befehligte er die Niederschlagung des Warschauer Aufstandes. Wegen der Ermordung von Kommunisten im Jahr 1933 wurde er 1962 zu lebenslanger Haft verurteilt.
Quellen: Hermann Weiß (Hrsg.): Biographisches Lexikon zum Dritten Reich. S. Fischer,
Frankfurt am Main 1998, S. 25 f.; Wikipedia

BAJOHR, Heinrich (Emil?) O71
Wohnhaft in Hamburg, geboren am 7.7.1890. Gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden.

BARGLINSKI, Stanislaus Z
Wohnhaft in der Kieler Straße in Bordesholm, Kreis Rendsburg. Dort tätig in der Gendarmerie. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 4.

BARTELS, Peter Christoph Friedrich (PIII) NS A
Angeklagt im dritten Fuhlsbüttel-Prozess im Hamburger Curio-Haus.

BASSEWITZ-BEHR, Georg Henning Graf von (PI) NS A
Georg-Henning Graf von Bassewitz-Behr, geboren am 21.3.1900 in Lützow und gestorben am 31.1.1949 in Magadan, war ein deutscher SS-Gruppenführer, Generalleutnant der Waffen-SS und Polizei während des Zweiten Weltkriegs. Vom 16. Februar 1943 bis zum 8. Mai 1945 war er HSSPF des Wehrkreises X (HSSPF Nordsee) in Hamburg. Am 1. Juli 1944 erfolgte die Ernennung zum SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS, nachdem er bereits am 20. April 1943 zum SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei befördert worden war. Durch den Hamburger Gauleiter Karl Kaufmann wurde Bassewitz-Behr im August 1943 zum dortigen Generalkommissar für das Sicherheitswesen ernannt. Bassewitz-Behr leitete auch das Kriegsgefangenenwesen im Wehrkreis X und war verantwortlich für die Repressionen gegen die ausländischen Zwangsarbeiter. Bei Kriegsende war er hauptverantwortlich für die „Evakuierung“ des KZ Neuengamme und dessen Außenlager. Auf Weisung bzw. mit Zustimmung von Bassewitz-Behr wurden 71 zur Exekution bestimmte Häftlinge aus dem Polizeigefängnis Fuhlsbüttel im KZ Neuengamme im April 1945 ermordet. Nach Kriegsende wurde er im September 1945 festgenommen und wegen der im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel begangenen Straftaten im Rahmen der Hamburger Curiohaus-Prozesse vor ein britisches Militärgericht gestellt. Nachdem er im August 1947 im Curiohaus als Kriegsverbrecher freigesprochen worden war, wurde er am 16. September 1947 den sowjetischen Behörden überstellt. Für den Mord an den 45.000 Zivilisten in der Gegend von Dnjepropetrowsk wurde er zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Er starb zwei Jahre später in einem Arbeitslager in Ostsibirien.

BASTIAN, Ernst August O
Von Beruf Arbeiter, wohnhaft in Bargteheide, Am Bargfeld 6, geboren am 9.5.1887 und gestorben am 22.1.1945, Haftgrund politisch, Wehrkraftzersetzung. Geboren in Poggensee bei Bad Oldesloe, war Landarbeiter auf einem Gut bei Bargteheide und Vorsitzender des Landarbeiterverbandes. Seit 1939 arbeitete er bei den Ahrensburger Walther-Werken. Am 1. November 1943 wurde er wegen „Wehrkraftzersetzung“ und „Feindbegünstigung“ von der Gestapo verhaftet.

BATIH, Stefan O
Aus der Sowjetunion, geboren am 28.8.1923, gestorben am 17.1.1945. Im Hafen bei einem Fliegerangriff umgekommen. Haftgrund unbekannt.

BAUMGARTEN, Wilhelm Z
Am 2. März 1943 als Wachmann nach Fuhlsbüttel eingezogen. Zeugenaussage im Zusammenhang mit dem Angeklagten OEHL. Vernehmung am Tag 16.

BIERKAMP, Walther NS
SS-Brigadeführer, Generalmajor der Polizei und Jurist, Mitglied der NSDAP ab dem 1.12.1932 (Nr. 1.409.449). Geboren am 17. Dezember 1901 in Hamburg und Selbstmord am 15. Mai 1945 in Scharbeutz. Mitglied im Freikorps Bahrenfeld, aktiv am Kapp-Putsch beteiligt. Studium der Rechtswissenschaft in Göttingen und Hamburg, 1. Staatsexamen (1924) und 2. Staatsexamen (1928) abgelegt. Promoviert zum Dr. jur., dann Staatsdienst (Staatsanwalt) am LG Hamburg. Anfang 1937 als Oberregierungsrat Chef der Kriminalpolizeileitstelle Hamburg. Ab 1. April 1939 Mitglied der SS (Nr. 310.172). Er wurde am 15. Februar 1941 zum Inspekteur der Sicherheitspolizei und des SD (IdS) in Düsseldorf ernannt. Diese Funktion übte er, unterbrochen von einer Tätigkeit als Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD (BdS) „Belgien-Nordfrankreich“ mit Dienstsitz in Paris von September 1941 bis April 1942, bis zum 24. Juni 1942 aus. Am 30. Juni 1942 löste Bierkamp SS-Standartenführer Otto Ohlendorf als Führer der Einsatzgruppe D ab, die in der südlichen Ukraine und auf der Krim im Bereich der 11. Armee eingesetzt wurde und im August 1942 erste größere Mordaktionen gegen Juden durchführte. Im Mai 1943 wurde die Einsatzgruppe D in „Kampfgruppe Bierkamp“ umbenannt und führte diesen Namen bis zum 15. Juni 1943. Ab Juni 1943 bis Februar 1945 wurde Bierkamp als BdS im Generalgouvernement verwendet. Ebenfalls als BdS war er anschließend kurzfristig in Stuttgart tätig und schließlich bis 20. Februar 1945 zunächst als stellvertretender und bis 17. März 1945 als Höherer SS- und Polizeiführer (HSSPF) Südost in Breslau. Danach war er bis Mitte April 1945 wieder als BdS beim HSSPF Südwest tätig. Vom 14. April 1945 bis Kriegsende war Bierkamp BdS Hamburg.
Quellen: Herbert Diercks: Dokumentation Stadthaus. Die Hamburger Polizei im
Nationalsozialismus. Texte, Fotos, Dokumente, KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Hamburg
2012, S. 49; Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Fischer, aktualisierte 2.
Auflage, Frankfurt am Main 2007. ISBN 978-3-596-16048-8.

BECKEL, Maria O
Wohnhaft in Hamburg-Altona, Friedensallee 307, geboren a, 23.1.1893 und gestorben am 29.10.1936. Haftgrund politisch.

BEHLING, Erna O71
Von Beruf Krankenpflegerin, wohnhaft in Hamburg, Mitglied in der KPD und Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe, geboren am 5.10.1884, gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Haftgrund politisch.

BEHNKE, Otto Friedrich O Z
Von Beruf Kaufmann. Wohnhaft in Hamburg, Logestieg 3. Inhaftiert in Fuhlsbüttel und als solcher mit auf den Marsch nach Kiel geschickt. Zeuge der Anklage im Prozess II, Vernehmung an Tagen 3 & 4.

BELMONTE, Alfred Isaak Abendana O
Wohnhaft in Hamburg, Schäferkampsallee 11, geboren am 4.9.1895 und gestorben am 29.4.1939, Haftgrund rassisch (Jude).

BELMONTE, Paul Abendana O
Wohnhaft in Hamburg, Schäferkampsallee 11, geboren am 2.8.1894 und gestorben am 29.4.1939, Haftgrund rassisch (Jude).

BELMONTE, Salomon Abendana O

Wohnhaft in Hamburg, Schäferkampsallee 11, geboren am29.9.1890 und gestorben am 30.4.1939, Haftgrund rassisch (Jude). Die Brüder Alfred, Gustav, Paul, Salomon und Willibald Belmonte wurden am 26., 27. und 28. April 1939 gemeinsam mit ihrer Mutter Jenny Belmonte (Eppendorfer Weg 62) von der Gestapo verhaftet. Alfred, Paul und Salomon sollen in Fuhlsbüttel „Selbstmord“ begangen haben. Am 2. Mai 1939 verstarb ihr Vater Michael Belmonte dreiundachtzigjährig im israelitischen Krankenhaus. Willibald Belmonte wurde am 8. November 1941 von Hamburg nach Minsk, Gustav und die einundachtzigjährige Mutter Jenny Belmonte wurden am 19. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert. Vermutlich sind alle drei dort oder im KZ Auschwitz ums Leben gekommen.

BISMARK, Anna Maria Elisabeth (PII) NS A
Geboren am 13. August 1880 in Grevesmühlen, Mecklenburg. Von Beruf Angestellte. Seit 1917 verwitwet (Mann gefallen an der Front). Seit Oktober 1934 Aufseherin im Konzentrationslager Fuhlsbüttel, ab 1936 dann Polizeigefängnis. Wurde am 29. Januar 1946 verhaftet. Angeklagt im Prozess II. Ihre Aussage ist sehr sparsam und listet einfach Daten und Vorkommnisse auf, ohne direkte Beteiligung zuzugeben. Bismark war 11 Jahre in Fuhlsbüttel und sicherlich routiniert in allem, was ihr täglicher Dienst erforderte. So routiniert ist auch ihre Aussage. Vernehmung am Tag 17.

BISMARK, ? (Sohn) Z
Geboren am 10. Dezember 1911. Sohn der Angeklagten BISMARK. Von Beruf Architekt. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 17.

BENTLEY, H. R. (BAOR)
Lt. Col. H.R. Bentley, Offizier des Cheshire Regiments BAOR und Präsident des Militärtribunals im Prozess II.

BLOCK, Dr. jur.
Rechtsanwalt des Angeklagten HENNINGS.

BOGE, ? (Frau) O Z
Inhaftiert von März 1939 bis zum Mai 1939 in Isolationshaft (Einzelhaftzelle im Keller) als politische Gefangene. Zeitgleich war ihr Mann ebenfalls in Fuhlsbüttel inhaftiert. Zeuge im Prozess II. Vernehmung am Tag 17.

BORGEMEHN, Minna Marta (PII) NS A
Aus dem Hamburger Staatsarchiv entnommene Informationen wie folgt: Signatur 213-11_72515, Borgemehn, Minna Martha, angeklagt wegen Verbrechens gegen die Menschlichkeit, Urteilsdatum: 04. April 1950. Ermittlungsverfahren: 14 Js 1/49, Geburtsdatum: 25.08.1893, Geburtsort: Finsterwalde, Beruf: Hausfrau. Strafmass: Einstellung (des Verfahrens).

BORODIN, Waldimir O
Von Beruf Elektroingenieur, aus der Sowjetunion. Als „Ostarbeiter“ in Hamburg. Geboren am 3.3.1914 und gestorben am 9.5.1944 im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses. Haftgrund politisch. Wladimir Borodin schloss sich als „ Ostarbeiter“ dem antifaschistischen Widerstand an. Er wurde am 29. September 1943 von der Gestapo wegen „bolschewistischer Umtriebe“ verhaftet und im Februar 1944 vom Polizeigefängnis Fuhlsbüttel in das Lazarett des Untersuchungsgefängnisses verlegt.

BOSCH, Anni (PIII) NS A
Angeklagt im dritten Fuhlsbüttel-Prozess im Hamburger Curio-Haus.

BRAND, Balthasar O
Von Beruf Angestellter, wohnhaft in Hamburg, Hammerbrookstr. 61, geboren am 18.9.1891 und gestorben am 29.7.1936. Haftgrund politisch.

BREYMEIER, Dr. jur.
Rechtsanwalt des Angeklagten SCHULZKE und der Angeklagten BISMARK.

BRUGMANN, Helmuth Z
Von Beruf Betonbauer. Zur Polizei eingezogen in Bramstedt 1945. Zeuge der Anklage im Prozess II bezüglich der Beobachtung der Häftlingskolonnen von Fuhlsbüttel nach Kiel. Vernehmung am Tag 16.

BUCHWALD, Alfred O
Von Beruf Buchprüfer, wohnhaft in Hamburg, Isestraße 49, geboren am 18.7.1893 und gestorben am 8.4.1940, Haftgrund politisch.

BUKH, Ferdinand O
Von Beruf Maschinenbauer, wohnhaft in Hamburg, Rothehauschaussee 217, geboren am 2.11.1909 und gestorben am 14.9.1934, Haftgrund politisch (VzH), Mitglied im KVJD. Ferdinand Buhk beteiligte sich am kommunistischen Arbeiterjugendwiderstand in Hamburg-Bergedorf und wurde am 13. September 1934 von der Gestapo verhaftet. Nach seinem Tod veranlasste die Staatsanwaltschaft eine Obduktion, weil sie die Richtigkeit der offiziellen Version „Selbstmord durch Erhängen“ bezweifelte und stellte erhebliche Misshandlungsspuren fest. Das Ermittlungsverfahren wegen Mordes wurde später ergebnislos eingestellt, und ein Oberstaatsanwalt, der auch wegen Gefangenenmisshandlungen ermittelte, vom Justizsenator Rothenberger beurlaubt. Eine Abschrift der Zeugenaussage von Johannes Rode (damaliger Kommandant):
„Hamburg-Fuhlsbüttel, den 14. September 1934. Die Besichtigung der Leiche des Buhk durch den Heildiener Bretschneider und mir ergab, daß Buhk bei seiner Vernehmung im Stadthaus auf dem Gesäß Schläge erhalten haben muß. Das Gesäß ist auf beiden Seiten blau und striemig. Eine Besichtigung der Leiche durch Angehörige des Buhk halte ich nicht für ratsam und dürfte eine sofortige Überführung in die Verbrennungsanstalt erforderlich sein. gez. Rode, Krim.-Sekr.“

BUHR, Jonni Joh. Carl O
Rentner, wohnhaft in Hamburg, Seilerstraße 57, geboren am 4.12.1869 und gestorben am 21.8.1939, Haftgrund politisch.

BURMEISTER, Hildegard (PII) NS A
Geboren am 27. Mai 1905 in Oschersleben. War in der DAF. Im Oktober 1943 vom Arbeitsamt als Aufseherin nach Fuhlsbüttel entsandt. Blieb dort bis zur Auflösung. Verhaftung am 29. Januar 1946 und Überstellung ins CIC5 nach Paderborn. Auch ihre Aussage ist komprimiert und konzentriert sich auf das Nötigste. Angeklagt im Prozess II. Vernehmung am Tag 17.

BURMESTER, Carl O
Von Beruf Schiffszimmermann, wohnhaft in Hamburg, Schlittstädter Straße 5, geboren am 12.3.1901 und gestorben am 21.8.1939 auf dem Weg ins Krankenhaus, Haftgrund politisch (VzH), Mitglied der KPD. Carl Burmester gehörte, wie auch seine Frau Lotte, der illegalen KPD an. Im Sommer 1934 wurde er erneut verhaftet. Anlässlich eines Verhörs bei der Stapo im Stadthaus stürzte er die Treppen hinab – vermutlich wurde er hinabgestoßen.

CARLSSON, Magni O
Von Beruf Schauermann (be- und entladen im Hafen), wohnhaft in Hamburg, Imstedt 29, geboren am 15.7.1863 und gestorben am 14.3.1934 im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses, Haftgrund politisch (VzH).

CIAMPA, Vitoantorino O
Aus Rudelmonte, Italien, geboren am 28.6.1915 und gestorben am 17.1.1945 im
Hafen bei einem Fliegerangriff, Haftgrund unbekannt.

CORLEIS, Katharina O
Wohnhaft in Hamburg, Öjendorfer Weg 41, geboren am 15.12.1877 und gestorben am 26.6.1935, Haftgrund politisch (VzH). Katharina Corleis war die erste Frau, die im „Kola-Fu“ ums Leben kam. Sie hatte im Rahmen des illegalen antifaschistischen Widerstandskampfes der SPD in Billstedt NS-Gegner und Angehörige von Verfolgten zum Beispiel durch kleine Geldspenden unterstützt. Am 19. Juni 1935 erfolgte ihre Verhaftung. Ihr Mann schrieb nach dem Krieg:
„Meine Frau Katharina Corleis, geb. Engelke, geboren am 15. Dezember 1877 in Groß-Fredenbek bei Stade wurde am 19. Juni 1935 morgens um 4 Uhr durch die Gestapo verhaftet. Der Verhaftungsgrund wurde ihr nicht mitgeteilt. Da sie mutig gegen ihre Verhaftung Einspruch erhob, wurde sie in der Wohnung in meiner Gegenwart angepöbelt. Es wurde ihr gesagt, sie müsse wissen, was sie auf dem Kerbholz habe, denn sie bekleide in der verbotenen SPD einen wichtigen Posten, sie sei im Besitze von illegalen Schriften und verteile diese trotz Verbot weiter. Ich habe zum Ausdruck gebracht, daß wir beide, meine Frau und ich, nur gewöhnliche Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei gewesen sind. Meine Frau wurde zum Stadthaus und darauf ins Konzentrationslager Fuhlsbüttel überführt. Am 26. Juni 1935 bekam ich die Mitteilung, daß meine Frau - C - sich angeblich in der Nacht zum 25. Juni 1935 in ihrer Zelle erhängt hätte. Zum 27. Juni 1935 wurde ich zum Stadthaus bestellt. Im Verlaufe des Gesprächs mit einem Gestapo- Beamten wurde mir u. a. mitgeteilt, daß meine Frau in einer größeren verbotenen SPD-Organisation verwickelt sei, die seit Weihnachten 1934 von der Gestapo beobachtet worden wäre. Diese Kolonne hätte unausgesetzt Gelder für die SPD gesammelt und daran hätte meine Frau maßgeblichen Anteil. Sie hätte also bestimmt ein schlechtes Gewissen gehabt und deshalb sich erhängt, Mir wurde dann eröffnet, daß meine Frau nicht in Billstedt beerdigt werden könnte, damit keine Propaganda gemacht werden könnte. Die Verbrennung der Leiche fand im Krematorium in Ohlsdorf statt, bei der vorangegangenen Leichenschau durften wir nur von Ferne die Leiche betrachten. Uns wurde ausdrücklich das Nähertreten verboten. Die Asche wurde mir zur Beerdigung ausgeliefert, an der Beerdigung durfte kein Gefolge teilnehmen. Zur Zeit ihrer Verhaftung war meine Frau 58 Jahre alt. // Friedrich Corleis, Hamburg Billstedt, d. 30. 1. 46“

CROCHARD, Georges Gabriel André O
Geboren am 16. Juni 1894 in Vichy, Frankreich. Von Beruf Direktor einer Kinogesellschaft. Im August 1942 in Paris verhaftet wegen Spionage. Im September nach Deutschland deportiert, am 3. Oktober in Fuhlsbüttel eingeliefert, nach Neuengamme verlegt, zurück nach Fuhlsbüttel am 30. September 1943. Ende November 1944 entlassen. Blieb in Hamburg bis zur Befreiung durch die britische Armee.

CURLAND, Willy O
Von Beruf Kaufmann, wohnhaft in Hamburg, Lattenkampstieg 4, geboren am 30.5.1891 und gestorben am 18.11.1936 im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses, Haftgrund rassisch (Jude).

DEHLE, Ernst Chr. Max O
Von Beruf Regulierungsbeamter, wohnhaft in Hamburg, Lohbuschstraße 55, geboren am 30.3.1878 und gestorben am 12.3.1939, Haftgrund unbekannt.

DETTMANN, Wilhelm O
Von Beruf Maurer, wohnhaft in Hamburg, Hammer Weg 33, geboren am 3.12.1856 und gestorben am 2.1.1934 im Marienkrankenhaus, Haftgrund unbekannt.

DICKE, Friedrich O
Von Beruf Vermessungsgehilfe, wohnhaft in Hamburg, Haderslebener Str. 11, Mitglied in der SPD, geboren am 16.8.1890 und gestorben am 28.5.1937, Haftgrund politisch (VzH).

DIERS, Otto Adolf O
Von Beruf Glasermeister, wohnhaft in Hamburg, Am Markt 6a, geboren am 13.5.1887 und gestorben am 10.9.1937, Haftgrund politisch.

DIFFERT, Richard Z
Wohnhaft in Hamburg, Schwiegervater des Angeklagten Hennings. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 15.

DITTMER, Wilhelm Z
Wohnhaft in Hamburg. Als Bauunternehmer tätig. Beschäftigte Inhaftierte auf zwei Baustellen, die von HAHN bewacht wurden. Zeuge im Prozess II. Vernehmung am Tag 15.

DOHME, Gerhard Ludwig Ernst O71
Von Beruf Kaffeegroßhändler, wohnhaft in Hamburg, Werderstraße 43, geboren am 7.5.1895. Gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden.

DOLGNER, Willy O
Von Beruf Schlosser, wohnhaft in Hamburg, Mitglied der KPD, geboren am 11.4.1894 und gestorben am 11.1.1934 im Untersuchungsgefängnis, Haftgrund politisch (VzH). Willy Dolgner war in Hamburg als Sekretär der illegalen Bezirksleitung der KPD Wasserkante an führender Stelle im antifaschistischen Widerstand tätig. Ausländische antifaschistische Zeitungen wie der „Gegen-Angriff“ berichteten 1934 von dem gewaltsamen Tod Willy Dolgners.

DOLLWETZEL, Barbara E Z
Geboren am 29. Januar 1920 in Hamburg. Ihre Vernehmung fand statt am 12. Februar 1947 in Berlin vor Major J. Leniewski, Field Investigation Section, War Crimes Group North West Europe. Zeugenaussage zum Prozess II.

DOLLWETZEL, Max Anton Johann O
Von Beruf Schlosser, wohnhaft in Hamburg, Klosterallee 24, Mitglied in der KPD, geboren am 11.9.1883 und gestorben am 28.9.1933, Haftgrund politisch (VzH). Der Kommunist Max Dollwetzel wurde zwei Tage nach seiner Einlieferung ins „Kola-Fu“ blutüberströmt und mit durchschnittener Kehle in seiner Zelle aufgefunden. „Selbstmord“ meldete daraufhin Max Lahts, der Verantwortliche aus der Justizbehörde, an übergeordnete Dienststellen.

DRAGUNAS, Paul Z
Wohnhaft in Hamburg, geboren in Riga in Lettland als Russe, von Beruf Übersetzer für litauische und russische Sprache. Seit 1943 auch in Fuhlsbüttel als Übersetzer eingesetzt bei Verhören. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 10.

DREHER, Gertrud E Z
Wohnhaft in Hamburg, Brödermannsweg 77c. Ihre Vernehmung fand statt am 10. Dezember 1946 in Hamburg, Maria-Luisen-Str. 132, vor Major J. Leniewski, Field Investigation Section, War Crimes Group North West Europe. Zeugenaussage zum Prozess II.

DUBBER, Dirk Gerhardt Arthur O
Schüler, wohnhaft in Hamburg, Sierichstr. 43, war im sog. „Churchill-Club“, geboren am 6.5.1925 und Selbstmord am 28.9.1942, Haftgrund politisch. Dirk Dubber war, als er Selbstmord beging, kein Häftling des „Kola-Fu“, sondern frei. Sein Name wird in diesem Buch stellvertretend für viele unbekannte Opfer genannt. Er fiel der Gestapo durch HJ-Dienstverweigerung und Zugehörigkeit zur „Swing-Jugend“ auf. Im April 1942 wurde er verhaftet, während der zweimonatigen Haft im „Kola-Fu“ misshandelt und nach seiner Freilassung mit einem Kontaktverbot zu Swingjugendlichen belegt. Dirk Dubber beging Selbstmord, nachdem Gestapoangehörige ihn mit Freunden von der „Swing-Jugend“ entdeckten, und ihm eine erneute Einweisung in das KZ Fuhlsbüttel drohte. Er wurde 17 Jahre alt.

DUDDA, Johann Heinrich O
Von Beruf Hafenarbeiter, wohnhaft in Hamburg, Rothesoodstr. 7, Haus 4, geboren am 1.2.1885 und gestorben am 1.2.1938, Haftgrund unbekannt.

DUSENSCHÖN, Willi NS
Willi Dusenschön wurde im Jahr 1909 in Hamburg als Sohn eines Kaufmanns geboren. Er absolvierte eine kaufmännische Lehre und arbeitete als Angestellter, bis er im August 1932 arbeitslos wurde. Bei seinen SS-Vorgesetzten galt er als „einwandfreier Nationalsozialist“, „sehr intelligent“, „Kämpfernatur, strebsamer Führer“ und „energischer Vorgesetzter“, „langjähriger Nationalsozialist und bewährter SS-Sturmführer, frisch, energisch, durchaus militärisch und gerecht“. Als eigentlicher Kommandant des KZ Fuhlsbüttel galt bis Juli 1934 Willi Dusenschön, da Paul Ellerhusen häufig nicht anwesend war. Willi Dusenschön war als Wachtmeister für den Einsatz der KZ-Wachmannschaft auf den Gefangenenstationen zuständig und gehörte zu den Organisatoren des brutalen Terrors im Herbst 1933, dem Dr. Fritz Solmitz und viele weitere Gefangene zum Opfer fielen. Willi Dusenschön trat 1927 der SA und 1928 der NSDAP bei. Im Mai 1931 wechselte er von der SA zur noch relativ kleinen Eliteformation Schutzstaffel (SS) der NSDAP. Dort machte er eine steile Karriere: im September 1931 wurde er Scharführer, im Januar 1932 Truppführer und im April 1933 Sturmführer der SS. Im Juli 1934 ließ er sich aus Hamburg zur SS-Verfügungstruppe „Germania“ versetzen. Er ging damit einem Ermittlungsverfahren wegen Gefangenenmisshandlung aus dem Weg, das die Hamburger Staatsanwaltschaft gegen ihn eröffnet hatte. 1935 wurde Dusenschön Kompanieführer in der Wachtruppe „Ostfriesland“ im KZ Esterwegen und 1936 in der Wachtruppe „Brandenburg“ im KZ Sachsenhausen. Während des Krieges nahm er in einem SS-Verband am „Frankreichfeldzug“ teil und gehörte zeitweilig der SS-Gebirgsdivision „Nord“ und schließlich der Panzerdivision „Das Reich“ an. Im Range eines SS-Obersturmbannführers stand er gegen Ende des Krieges an der Spitze eines Bataillons, welches sich auch an der Bekämpfung der französischen Widerstandsbewegung beteiligte.

EBERT, Erna Z
Zeugin der Anklage im Prozess II und hier vernommen zum Angeklagten OEHL, offenbar war dem Tribunal OEHLs Verhalten und Position noch nicht ganz klar. Vernehmung am Tag 16.

EGGERS, Karl Heinz Z
Wohnt in Hamburg. Offenbar Ausbilder für Unteroffiziere in Munsterlager während des Krieges. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 15.

EGGERS, Waldemar O
Von Beruf Buchhalter, wohnhaft in Hamburg, Mittelstraße 90, geboren am 19.2.1904 und gestorben am 1.2.1938, Haftgrund unbekannt.

EICHBAUM, Heinrich Arthur Z
Wohnhaft in Hamburg, Eppendorfer Weg 154, von Beruf Polizist, abkommandiert zur Wachmannschaft nach Fuhlsbüttel. Als Zeuge der Anklage im Prozess II, Vernehmung am Tag 3.

ELIAS, ? Z
Wohnhaft in Hamburg, Rutschbahn 25.Inhaftiert in Fuhlsbüttel von Oktober 1944 bis April 1945. Als Zeuge der Anklage im Prozess II, Vernehmung am Tag 15.

ELLERHUSEN, Paul NS
Der erste Kommandant des Konzentrationslagers Hamburg-Fuhlsbüttel, SA-Brigadeführer Paul Ellerhusen, 1897 in Hamburg geboren, galt als wenig diensteifrig, gegenüber den Gefangenen unbeherrscht brutal und war Alkoholiker. Er war Adjutant und Vertrauter des Gauleiters der NSDAP, Karl Kaufmann. Ende Juni 1934 wurde er im Zusammenhang mit dem so genannten „Röhm-Putsch“ verhaftet. Gauleiter Karl Kaufmann erreichte bei Heinrich Himmler zwar die Freilassung Ellerhusens, aber die Tätigkeit als Lagerkommandant konnte er nicht wieder aufnehmen. Stattdessen erhielt Ellerhusen eine leitende Tätigkeit in der Hamburger Gesundheits- und Sozialbehörde. Ellerhusen war bereits im März 1927 Mitglied der NSDAP und der sich im Aufbau befindlichen SA (Sturmabteilung der NSDAP) geworden. Als Kommandant des Konzentrationslagers war er für die gesamte Organisation des Lagers verantwortlich und Vorgesetzter des im KZ eingesetzten Personals.

ENDREJAT, Gustav Bruno O71
Arbeiter, wohnhaft in Hamburg, Valentinskamp 42, geboren am 19.5.1908, Mitglied in KPD und Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe, gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Bruno Endrejat war nach 1933 für die illegale KPD tätig. Die Widerstandsarbeit seiner Gruppe am Großneumarkt reichte von Geldsammlungen für verfolgte Freunde und Genossen bis hin zur eigenen Flugblattherstellung und Verbreitung der Flugblätter im Wohngebiet. Während des Krieges beteiligte sich Bruno Endrejat aktiv an der illegalen Arbeit der „BJA“-Organisation. Haftgrund politisch.

ENGLER, Max Friedrich O
Von Beruf Schmiedegeselle, wohnhaft in Hamburg, Sillemstr. 78, Mitglied in KPD und DMV, geboren am 4.2.1868 und gestorben am 27.2.1935, Haftgrund politisch (VzH).

EON, Joseph Jules Alphonse O
Von Beruf Kraftfahrer, gemeldet in Saarbrücken, geboren am 27.7.1905 und gestorben am 18.4.1944 im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses, Haftgrund unbekannt.

ESSER, Alwin Franz August O
Von Beruf Maler, wohnhaft in Hamburg, Schäferstraße 4, Mitglied im KJVD, geboren am 7.3.1912 und gestorben am 10.11.1933, Haftgrund politisch (VzH). Alwin Esser war der Sohn des kommunistischen Bürgerschaftsabgeordneten Fritz Esser. Die gesamte Familie Esser beteiligte sich aktiv am antifaschistischen Widerstand in Hamburg (KJVD, KPD und Rote Hilfe). Der Vater, die beiden Söhne Alwin und Rudolf und die Tochter Luise Esser wurden von der Gestapo verhaftet. Alwin Esser wurde im „Kola-Fu“ am Tage seiner Einlieferung von den Wachmannschaften erschlagen.

ETTER, Erika Ilse O71
Hausfrau, wohnhaft in Hamburg, Alsterdorfer Straße 40, geboren am 22.9.1922, Mitglied in KPD und der „Etter-Rose-Hampel-Gruppe“, gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Erika Etter wurde am 17. Mai 1944 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ und „Wehrkraftzersetzung“ von der Gestapo verhaftet; sie war erst 22 Jahre alt, als sie in Neuengamme ermordet wurde. Ihr Mann, Werner Etter, bereits im Juni 1934 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verhaftet und später verurteilt, dann wieder freigelassen, wurde am 21. März 1944 verhaftet, vom Berliner Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 19. Februar 1945 in Berlin-Brandenburg hingerichtet. Insgesamt wurden zwölf Mitglieder der Widerstandsgruppe um Werner Etter, Elisabeth Rose und Ernst Hampel ermordet. Haftgrund politisch.

EWALD, Kurt Karl O E Z
Geboren am 6. Oktober 1910 in Halle. Die Zeugenaussage wurde aufgenommen von Captain Frederick Michael WARNER, War Crimes Group North West Europe, in Hamburg, Uhlandstraße 57 am 19. Dezember 1946.

FADEN, ? Z
Arbeitet als Postschaffner bei der Reichspost. Wohnt in der Ulzburgerstraße 128 in Ochsenzoll, an der Straße nach Kaltenkirchen. Die Kolonnen nach Kiel kamen durch diese Straße. Zeuge der Anklage im Prozess II hinsichtlich der Beobachtungen auf dem Marsch nach Kiel. Vernehmung am Tag 14.

FIELD, Kenneth Charles (BAOR) Z
Staff-Sergeant bei den 5th Royal Iniskilling Dragoon Guards und Angehöriger der War Crimes Group, North West Europe. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 8.

FIERING, Ernst Heinrich Henry O71
Von Beruf Elektriker, wohnhaft in Hamburg, St. Georgskirchhof 26, geboren am 13.9.1887, Mitglied in KPD und Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe, gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Ernst Fiering arbeitete auf der Stülcken-Werft in Hamburg und gehörte dort einer illegalen Zelle der „BJA“-Organisation an. Der Widerstandsgruppe gehörten auch ausländische Zwangsarbeiter an. Haftgrund politisch.

FIERING, Sophie Marie O71
Hausfrau, wohnhaft in Hamburg, St. Georgskirchhof 26, geboren am 28.9.1887, Mitglied in KPD und Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe, gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Haftgrund politisch.

FRIEDE, Herbert Kurt O
Von Beruf kaufmännischer Angestellter, wohnhaft Hamburg, Eppendorfer Landstraße 6, geboren am 10. März 1902 und gestorben am 6. Dezember 1938, Haftgrund rassisch (Jude).

FRIEDMANN, Lina O
Wohnhaft in Hamburg, Schulterblatt 24, Haus 6, geboren am 14.8.1894 und gestorben am 5.1.1941, Haftgrund rassisch (Jüdin).

FRIEDRICH, Kurt Albin O
Von Beruf kaufmännischer Angestellter, wohnhaft Hamburg, Höltystraße 15, Mitglied in KPD und BJA, geboren am 30.05.1903 und gestorben am 13.8.1944, Haftgrund politisch (VzH). Kurt Friedrich gehörte der engeren Leitung der illegalen „Bästlein-Jacob-Abshagen“-Widerstandsorganisation an und wurde zuletzt am 13. Juni 1944 von der Gestapo verhaftet.

GLUCK, Dr. Hans Rudolf (John) O
Hans Rudolf (John) Gluck, geboren am 17. Februar 1906 in Johannesburg, Südafrika und gestorben am 6. Juli 1952 ebendort. Von Beruf Assistenzarzt im Universitätskrankenhaus Eppendorf. Er gehörte zum Widerstandskreis der „Weißen Rose“ Hamburg. Verhaftet im Juli 1943, im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel durch die Gestapo über Monate schwer misshandelt. Es kam zu keiner Anklage gegen ihn, stattdessen wurde er am 6. Juni 1944 als Schutzhäftling in das KZ Neuengamme eingeliefert. Einige Wochen später erfolgte die Überstellung in das KZ Mauthausen. Am 5. Mai 1945 dort von amerikanischen Truppen befreit. Er erholte sich nicht von den Folgen der Haft und starb 1952. Die Zeugenaussage des Dr. Gluck liegt als Eidesstattliche Erklärung bei den Unterlagen zum Prozess und wurde vom Präsident des Militärtribunals, H.R. BENTLY, als Zeugenaussage zu Prozess II verwendet.

GANZEL, Karl Joachim O
Zigarrengeschäftsinhaber, wohnhaft in Hamburg, Moorweide 12, geboren am 15.12.1894 und gestorben am 27.3.1938, Haftgrund unbekannt.

GEBHARD, Albrecht O
Von Beruf Gärtner, wohnhaft in Hamburg, Fichtestraße 8, geboren am 25.6.1902 und gestorben am 22.3.1939, Haftgrund unbekannt.

GLASEN, Clara Frieda Marta O Z
Wohnhaft in Hamburg, Bundesstraße 95. Verwitwet mit drei Kindern. Inhaftiert vom 16. Juni 1943 bis zum 20. April 1944, danach Überstellung ins KZ Ravensbrück. Ihr Mann, dessen Patin und die Tochter waren ebenfalls in Fuhlsbüttel inhaftiert. Haftgrund politisch. Zeugin der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 7.

GOLDSCHMIDT, Arthur O
Von Beruf Kaufmann, wohnhaft in Hamburg, Müggenkamp 56, geboren am 24.8.1876 und gestorben am 2.6.1940, Haftgrund rassisch (Jude).

GOLDSTEIN, Kurt Hermann O
Ohne Beruf, aus Berlin, geboren am 23.2.1919 und gestorben am 11.7.1943, Haftgrund rassisch (Jude).

GOLEMBIEWSKI, Martha O
Von Beruf Hausangestellte, wohnhaft in Hamburg, Isestraße 41, geboren am 16.2.1900 und gestorben am 25.9.1943, Haftgrund politisch. Martha Golembiewski wurde als „Wiedereindeutschungsfähige“ aus dem besetzten Polen in das Deutsche Reich verschleppt. Ihre Inhaftierung veranlasste das „Ausländerreferat“ der Gestapo, Referat II E 2.

GOTTBERG, Curt Gustav Friedrich Walther von NS
Geboren am 11. Februar 1896 in Preußisch Wilten. Nach dem Kriegsende wurde von Gottberg festgenommen. Er beging am 31. Mai 1945 in Lutzhöft bei Flensburg in britischer Gefangenschaft Suizid. Er war ein hochrangiges Mitglied der SS und ein Kriegsverbrecher. 1931 trat er der SA und im Februar 1932 der NSDAP (Nr. 948.753) bei. Im September 1932 wechselte er zur SS (SS-Nr. 45.923). Unmittelbar nach dem 30. Januar 1933 durchlief von Gottberg zahlreiche Beförderungen innerhalb der SS. Am 6. November 1933 wurde er zum SS-Sturmbannführer befördert. Ende 1933 dann Leiter der SS-Verfügungstruppe im württembergischen Ellwangen. Der Aufbau einer militärischen Truppe als Grundstock der zukünftigen Waffen-SS veranlasste die SS-Führung, auf durch den Ersten Weltkrieg geschultes militärisches Personal zurückzugreifen. Im Juli 1937 Chef des Siedlungsamtes im Rasse- und Siedlungshauptamt (RuSHA) der SS ernannt. Ab Juni 1942 SS- und Polizeiführer (SSPF) für den Generalbezirk Weißruthenien. Er konnte seine „SS-Führerfähigkeit“ zwischen Oktober 1942 und Juni 1944 als Fachmann für „Bandenbekämpfungsunternehmen“ unter Beweis stellen. Ganze Regionen wurden zum „Bandengebiet“ erklärt, die Bewohner verschleppt oder ermordet, die Häuser zerstört. Von Gottberg entwickelte neue Strategien in der Partisanenbekämpfung auf dem Territorium der Sowjetunion. In einer dichten Folge von Kommandounternehmungen griff die „Kampfgruppe von Gottberg“ von sich aus mutmaßliche Stützpunkte von Partisanen an. Seit dem 14. März 1943 war von Gottberg zugleich Vertreter des HSSPF Russland-Mitte, Erich von dem Bach-Zelewski, dem „Bevollmächtigten des Reichsführers-SS für die Bandenbekämpfung“ bzw. „Chefs der Bandenkampfverbände“. „In dem evakuierten Raum“, so von Gottberg in einem Befehl vom 1. August 1943, „sind die Menschen in Zukunft Freiwild“. Ein Einsatzbefehl von Gottbergs vom 7. Dezember 1942 lautete wie folgt: „Als Feind ist anzusehen jeder Bandit, Jude, Zigeuner.“ Anlässlich seines ersten Unternehmens „Nürnberg“, meldete von Gottberg am 5. Dezember 1942: „Feindtote: 799 Banditen, über 300 Bandenverdächtige und über 1800 Juden. […] Eigenverluste: 2 Tote und 10 Verwundete. Glück muß man haben.“ Die „Kampfgruppe von Gottberg“ war, zusammen mit dem „Sonderkommando Dirlewanger“ und der „Kaminski-Brigade“, von Bach-Zelewski koordiniert, verantwortlich für zahllose Massenmordaktionen an Zivilisten in Weißrussland. Am 30. Juni 1944 zum SS-Obergruppenführer befördert. Von Gottberg war als Chef der „Bandenbekämpfung“ im besetzten Frankreich vorgesehen, was aber wegen des schnellen Vordringens der Alliierten nicht mehr ausgeführt werden konnte. Vom 7. August 1944 bis zum 18. Oktober 1944 war von Gottberg Kommandierender General des XII. SS-Armeekorps. Im März 1945 erhielt er von Himmler den Auftrag, das deutsche Eisenbahnnetz nach desertierenden Soldaten zu überwachen. Von Goebbels wurde er mit der Remobilisierung von bereits aus der Wehrmacht entlassenen Soldaten betraut. Zum Kriegsende folgte er der sogenannten Rattenlinie Nord nach Flensburg.
Quellen: Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945; Fischer Taschenbuch Verlag Frankfurt am Main 2005, 2. aktualisierte Auflage, ISBN 3-596-16048-0; Wikipedia

GRÄNER, Dr. jur.
Rechtsanwalt des Angeklagten SCHÜTTE.

GRUBE, Charles O
Von Beruf Inspektor a.D., wohnhaft in Hamburg-Garstedt, Rugenbarg 106, Mitglied der SPD, geboren am 28.7.1882 und gestorben am 10.4.1944 im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses, Haftgrund politisch (Wkrz.). Charles Grube, von der Gestapo wegen „Wehrkraftzersetzung“ verhaftet, kam in Fuhlsbüttel am Tage seiner Einlieferung ums Leben.

GUHLKE, Karl Heinz Erich (PIII) NS A
Angeklagt im dritten Fuhlsbüttel-Prozess im Hamburger Curio-Haus.

GUS, Nikolai O
Geboren am 16.4.1917 und gestorben am 17.1.1945 im Hafen bei einem Fliegerangriff, Haftgrund unbekannt.

HAASE, Wilhelm Johannes O Z
Wohnhaft in Hamburg, Kohlgarten 4, geboren am 27. Mai 1920, von Beruf Kupferschmied, Haftgrund politisch, inhaftiert am 21. März 1944. Zeuge im Prozess II, Vernehmung am Tag 3.

HACKER, Karl Joh. Aug. O
Von Beruf Maschinenbauer, wohnhaft in Hamburg, Weidestraße 125, Mitglied in KPD, KJVD und RS „Fichte“, geboren am 11.4.1906 und gestorben am 23.11.1933, Haftgrund politisch (VzH). Der Arbeitersportler und Kommunist Karl Hacker, Vorsitzender des Barmbeker Kraftsportvereins, wurde wegen seiner Beteiligung am Widerstand am 23. Oktober 1933 verhaftet. Am 23. November 1933 erhielt die Ehefrau die Nachricht vom Selbstmord ihres Mannes. Der Schwiegersohn entdeckte an der Leiche Würgemale und erstattete daraufhin Mordanzeige. Das Verfahren wurde später ergebnislos eingestellt.

HAGEN, Wilhelm O
Von Beruf Schlossergeselle, wohnhaft in Hamburg, Luruper Hauptstr. 54, Mitglied in der KPD, geboren am 3.11.1899 und gestorben am 3.1.1936, Haftgrund politisch (VzH). Willi Hagen arbeitete zuletzt als Straßenbahner. Er war bereits wegen Beteiligung am antifaschistischen Widerstand in Haft, als er erneut der Gestapo in das Polizeigefängnis Fuhlsbüttel überstellt und verhört wurde. Er hatte heimlich antifaschistische Gedichte verfasst, die im Gefängnis kursierten.

HAHN, Johann (PII) NS A
Geboren am 15. Juni 1897 in Kulmbach, Oberfranken. Von Beruf Makler. Am 20. April 1943 von der Polizei notdienstverpflichtet und der Gestapo zugewiesen. Dem Arbeitserziehungslager in Wilhelmsburg zugeteilt. Dort bis zum 12. April 1945 und sich nach Auflösung an diesem Tag in Fuhlsbüttel gemeldet. Tags darauf mit einer Kolonne Häftlinge nach Kiel in Marsch gesetzt. Am 6. Januar 1947 verhaftet. Angeklagt im Prozess II. Vernehmung am Tag 15 & 16.

HAMPEL, Hermann Otto O
Von Beruf Schlosser, wohnhaft in Hamburg, Osterbrook 5, Mitglied in SPD und DMV, geboren am 28.6.1888 und gestorben am 3.5.1935, Haftgrund politisch (VzH). Otto Hampel, vor 1933 Geschäftsführer des Deutschen Metallarbeiterverbandes in .Hamburg, wurde wegen seiner Beteiligung am sozialdemokratischen Widerstand von der Gestapo verfolgt. Aus den Deutschland-Berichten der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (Sopade), Dezember 1936:
„Der frühere sozialdemokratische Funktionär und Sekretär des Deutschen Metallarbeiterverbandes, Otto Hampel aus Staßfurt bei Magdeburg, hat sich bei Bekannten und Verwandten bis zum Sommer 1935 aufgehalten und so dem Zugriff der Nazis entzogen. Dann wurde er von der Gestapo aus der Wohnung seiner Tochter in Harburg verhaftet und nach 14 Tagen bekam seine Tochter Mitteilung über seinen ,Selbstmord‘. Sie erhielt auf Verlangen auch die Erlaubnis, die Leiche sehen zu dürfen. Sie bekam ihren Vater aber nicht anders als in einem Abstand von 5 bis 6 Metern zu sehen, und sichtbar war nur der Kopf, selbst das Kinn war noch zugedeckt. Näher heranzugehen wurde ihr unmöglich gemacht.“

HAPKE, Ella Martha O
Ehefrau, wohnhaft in Hamburg, Pfauenweg 51, geboren am 22.2.1915 und gestorben am 12.11.1939, Haftgrund politisch.

HARMS, Hermann Christoph O
Von Beruf Gemüsebauer, wohnhaft in Hamburg, Kirchwärder Elbdeich 106, geboren am 11.6.1874 und gestorben am 11.9.1939, Haftgrund politisch. Der parteilose Hermann Harms wurde am 9.9.1939 wegen angeblicher „staatsfeindlicher Äußerungen“ von der Gestapo verhaftet.

HARMS, Rudolf O
Von Beruf Zimmerer, wohnhaft in Hamburg, Gärtnerstraße 90, Haus 8, Mitglied in KPD und RH, geboren am 1.12.1905, gestorben am 29.10.1934, Haftgrund politisch (VzH). Rudolf Harms war schon 1933 wegen seiner Widerstandsarbeit im Rahmen der illegalen KPD und Roten Hilfe vorübergehend in Haft (KZ Wittmoor). Am 14.10.1934 wurde er erneut wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verhaftet.

HARTUNG, Amandus O
Arbeiter, wohnhaft in Hamburg, Reginenstraße 28, Mitglied in der KPD, geboren am 4.7.1901 und gestorben am 17.9.1933, Haftgrund politisch (VzH). Der Kommunist Amandus Hartung wurde auf dem verschlossenen und gesicherten Gefängnishof von dem Wachposten Behnke angeblich „auf der Flucht“ erschossen.

HEIDTMANN, Gustav O
Von Beruf Werkzeugmacher, wohnhaft in Hamburg, Wachtelstraße 48, Mitglied in der SPD, geboren am 20.8.1873 und gestorben am 20.8.1936, Haftgrund politisch (VzH). Der Sozialdemokrat Gustav Heidtmann war seit seiner Jugend politisch und gewerkschaftlich organisiert. Der ehemalige Bezirksführer der SPD Wandsbek organisierte nach 1933 den antifaschistischen Widerstand der SPD in Hamburgs Norden. Am 14.8.1936 auf seiner Arbeitsstelle von der Gestapo verhaftet, kam er eine Woche später im „Kola-Fu“ ums Leben - an seinem 63. Geburtstag.

HEINS, Elli Else Berta O Z
Wohnhaft in Hamburg-Groß Flottbek, Ebertallee 174. War zwei Mal inhaftiert. Vom 15. Januar 1937 bis zum 30. April 1937 und vom 3. August 1944 bis April 1945. Haftgrund politisch. Zeugin der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 7.

HEITMANN, Otto Christoph O
Von Beruf Seemann, wohnhaft in Hamburg, Wexstraße 15, geboren am 6.10.1908 und gestorben am 20.10.1933, Haftgrund politisch.

HERMANN, Dr. jur.
Rechtsanwalt des Angeklagten HAHN.

HEYCKENDORF, Helene O71
Von Beruf Schneiderin, wohnhaft in Hamburg, Vereinsstraße 59, geboren am 15.11.1893, Mitglied in KPD und Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe, gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Haftgrund politisch.

HELDT, Eduard O
Von Beruf Reisender, wohnhaft in Hamburg, geboren am 12.12.1882 und gestorben am 16.11.1937, Haftgrund unbekannt.

HELMS, Henry NS
Geboren 1902 in Halstenbek. Ab 1924 bei der Schutzpolizei. Vor 1931 der NSDAP beigetreten, ab 1936 dann bei der Hamburger Gestapo, 1937 als Kriminalassistent. War ab 1941 SS Sturmführer und Sachbearbeiter im Dezernat II a, verantwortlich für die Verfolgung politisch Oppositioneller, hauptsächlich Kommunisten und Sozialdemokraten. Wurde nach Kriegsende von der britischen Militärregierung interniert. Am 2. Juni 1949 vom Schwurgericht Hamburg zu 9 Jahren Zuchthaus verurteilt.

HELSEN, Anna Sophie Z
Zeugin der Anklage im Prozess II und hier vernommen zum Angeklagten OEHL, offenbar war dem Tribunal OEHLs Verhalten und Position noch nicht ganz klar. Vernehmung am Tag 16.

HENNINGS, Wilhelm (PII) NS A
Gemäß Aussage im September 1932 in SA und NSDAP eingetreten. Zu dieser Zeit arbeitslos. Arbeitete nach Eintritt in einer Zigarettenfabrik in Neuburg. 1942 als Soldat bei der Wehrmacht in Russland verwundet. Am 13. April 1944 entlassen aufgrund der Verwundungen. Am 20. April 1944 seinen Dienst als Wachmann in Fuhlsbüttel aufgenommen. Angeklagt im Prozess II. Vernehmung an den Tagen 13 & 14.

HEYDRICH, Reinhard NS
Reinhard Tristan Eugen Heydrich, geb. am 7.3.1904 in Halle an der Saale und gestorben am 4.6.1942 in Prag. Während der Zeit des Nationalsozialismus SS-Obergruppenführer und General der Polizei, Leiter des Reichssicherheitshauptamts (RSHA; ab 1939) und stellvertretender Reichsprotektor in Böhmen und Mähren für zahlreiche Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich. Wurde von Hermann Göring 1941 mit der „Endlösung der Judenfrage“ beauftragt. In dieser Funktion leitete er am 20.1.1942 in Berlin die Wannseekonferenz. Reinhard Heydrich wurde am 27.5.1942 in Prag bei einem Attentat durch tschechische Widerstandskämpfer schwer verletzt und starb acht Tage später. Daraufhin verübte das NS-Regime Racheakte wie die Massaker von Lidice und Ležáky.

HEYMANN, Oskar Paul O
Von Beruf Verkäufer, wohnhaft in Hamburg, geboren am 22.2.1900 und gestorben am 18.8.1938 im Allgemeinen Krankenhaus Barmbek, Haftgrund politisch und rassisch.

HILE, Czeslaw O
Aus Polen, geboren am 14.11.19?? (unleserlich), gestorben am 17.1.1945 im Hafen bei einem Fliegerangriff, Haftgrund unbekannt.

HIMMLER, Heinrich NS
Heinrich Luitpold Himmler, geb. am 7.10.1900 in München, Selbstmord am 23.5.1945 in Lüneburg. Deutscher Politiker der NSDAP. Er machte in den 1920er-Jahren als Reichsredner und Parteifunktionär Karriere und wurde 1929 von Adolf Hitler an die Spitze der damals noch der Sturmabteilung (SA) unterstellten Schutzstaffel (SS) berufen. Himmler gelang es in der Zeit des Nationalsozialismus, vor allem in den Jahren 1934–36, insbesondere durch den sogenannten Röhm-Putsch, der von ihm geleiteten Organisation und damit auch sich selbst immer mehr Befugnisse innerhalb des NS-Regimes zu verschaffen. Dazu gehörte insbesondere das Erlangen der vollständigen Kontrolle über die Polizei, die Konzentrationslager und den Inlandsgeheimdienst, sowie der Aufbau militärischer, nicht direkt der Wehrmacht unterstehender Verbände (Waffen-SS). Als Reichsführer SS, Chef der deutschen Polizei sowie Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums (ab 1939), später auch Reichsinnenminister (ab 1943) und Befehlshaber des Ersatzheeres (ab 1944) hatte Himmler vor allem während des Zweiten Weltkriegs eine Machtposition, die nur von der Hitlers übertroffen wurde. Mit Hilfe der SS, des Sicherheitsdienstes SD, der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) und anderer von ihm direkt oder indirekt kontrollierter Organe hatte Himmler ein System der Überwachung, der Willkür und des Terrors etabliert, mit dem die Menschen im Einflussbereich des NS-Regimes eingeschüchtert und kontrolliert, vermeintliche oder tatsächliche politische Gegner verfolgt, inhaftiert, entrechtet und ermordet wurden. Er ist einer der Hauptverantwortlichen für den Holocaust, den Porajmos, die Ermordung von Millionen von Zivilisten und Kriegsgefangenen im Rahmen seines Generalplans Ost sowie für zahlreiche andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Himmler sorgte durch seine Befehle in der Endphase des Krieges für die Ausweitung von Terror und Selbstjustiz selbst auf deutsche Zivilisten und sondierte gleichzeitig auf vielfältige Weise seine persönlichen Optionen für eine Zeit nach Adolf Hitler. Eigenmächtige Verhandlungsversuche mit den westlichen Alliierten wurden von diesen abgewiesen und öffentlich gemacht. Hitler enthob ihn in seinem politischen Testament am 29. April 1945 all seiner Ämter und Titel und erließ Haftbefehl gegen ihn. Himmler tauchte nach Kriegsende unter, wurde am 21. Mai 1945 bei Zeven festgenommen und kam in britische Gefangenschaft. Zwei Tage später deckte er dort seine Identität auf und beging mit einer Zyankalikapsel Suizid. Sein Leichnam wurde an unbekannter Stelle bei Lüneburg begraben.
Quellen: Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945; Fischer Taschenbuch Verlag Frankfurt am Main 2005, 2. aktualisierte Auflage, ISBN 3-596-16048-0

HIRSCH, Egon O71
Wohnhaft in Hamburg, geboren am 8.8.1923. Gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden.

HOEFT, Wilhelm Karl O
Von Beruf Büroangestellter, wohnhaft in Hamburg, Hafenstraße 96, geboren am 1.9.1904 und gestorben am 24.10.1937, Haftgrund unbekannt.

HOEPPNER, Karl E Z
Geboren am 29. Mai 1894 in Itzehoe. Zeugenaussage zu Prozess II wurde abgenommen von 2nd Lieutenant C.R. FREUD am 21. Mai 1947 in Itzehoe. Von Beruf Tapeten-Drucker. Während des Krieges Gendarmerie-Wachtmeister d. Reserve. 1945 Dienst in Einfeld, als die Kolonnen der Inhaftierten von Fuhlsbüttel nach Kiel dort durchmarschierten.

HOFFMANN, August O71
Wohnhaft in Hamburg, Mitglied in KPD und Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe, gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Haftgrund politisch.

HOFFMANN, Friedrich Wilhelm O
Von Beruf Schiffskellner, wohnhaft in Altona (damals noch eine selbstständige Stadt), Meynspassage 6, Mitglied in der KPD, geboren am 29.11.1904 und gestorben am 19.11.1939, Haftgrund politisch (VzH). Friedrich Wilhelm Hoffmann wurde am 23. März 1935 wegen Zugehörigkeit zur illegalen KPD, Unterbezirk Altona, Stadtteilgruppe „Elbe“, von der Gestapo verhaftet. Er hatte Mitglieder einer KPD-Straßenzelle kassiert.

HOHNE, Hans Theodore Z
Wohnhaft in Hamburg-Fuhlsbüttel, Hermann-Lange-Weg 57. Von Beruf Baustoff- und Kohlenhändler. Beschäftigte Kriegsgefangene aus dem Polizeigefängnis Fuhlsbüttel. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 10.

HOLTMANN, Jasper Peter O
Von Beruf Steurer (nautischer Beruf), wohnhaft in Helgoland, Oberland, Neubau Bl. 2, geboren am 29.11.1904 und gestorben am 19.1.1939, Haftgrund unbekannt.

HOSSE, Konrad O
Arbeiter, wohnhaft in Waren a.d. Müritz, Kleiner Mauerplatz 1, geboren am 30.10.1876 und gestorben am 2.4.1940 im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses, Haftgrund politisch.

HUNDSKOPF, Heinrich Moritz O
Von Beruf Schuster, wohnhaft in Hamburg, Hinrichssenstraße 31, Mitglied in der KPD, geboren am 14.5.1868 und gestorben am 14.6.1933, Haftgrund politisch (VzH). Der Kommunist Heinrich Hundskopf war seit April 1933 in Fuhlsbüttel in „ Schutzhaft‘‘. Die Häftlinge feierten am 14. Mai 1933 heimlich seinen 65. Geburtstag. Wenige Wochen später starb er als erstes NS-Opfer im „Kola-Fu“.

HURWITZ, Dr. Beno Erich O
Von Beruf Arzt, wohnhaft in Hamburg, Ahrensburger Str. 99, geboren am 25.2.1889 und gestorben am 25.10.1938 im Untersuchungsgefängnis. Haftgrund rassisch (Jude).

IMBLOT, Ovide François O
Von Beruf Polizeiinspektor, wohnhaft In Tourcoing, Frankreich, geboren am 8.10.1890 und gestorben am 16.6.1942 in der Heilanstalt Bahrenfeld. Haftgrund politisch. Der Franzose Ovide lmblot wurde bereits am 24. Februar 1941 von der Gestapo, Referat III A 1, in das Polizeigefängnis Fuhlsbüttel eingewiesen. Er starb nach über einjähriger Gestapohaft an offener Lungentuberkulose.

IMMIG, Albert Josef Arthur O Z
Von Beruf Schlosser auf einer Schiffswerft, wohnhaft in Hamburg, Himmelstraße 26 im Hinterhaus. Verhaftet im Mai 1944 aufgrund politischer Aktivitäten. Zeuge der Anklage im Prozess II, Vernehmung am Tag 4.

ISENBERG, Ferdinand O
Von Beruf Kaufmann, wohnhaft in Hamburg, Maria-Luisen-Straße 122, geboren am 21.3.1875 und gestorben am 18.2.1939, Haftgrund rassisch (Jude).

JAKUDITSCH, Anna O71
Ostarbeiterin aus der Sowjetunion, Mitglied in der Widerstandsgruppe „KdF“, gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Haftgrund politisch.

JASTRAM, Wilhelm O
Von Beruf Technischer Zeichner, wohnhaft in Hamburg, Vogteiweg 8, geboren am 21.6.1895 und gestorben am 13.7.1938, Haftgrund unbekannt.

JENSEN, Paul Otto O
Von Beruf Versicherungsdirektor, wohnhaft in Hamburg, Fuhlsbüttler Straße 673, geboren am 23.7.1885 und gestorben am 26.10.1943 im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses, Haftgrund politisch.

JÜRGENSEN, Reinhold O
Von Beruf Elektriker, wohnhaft in Elmshorn, Mitglied in der KPD und geboren am 18.3.1898 und gestorben am 20.12.1934, Haftgrund politisch (VzH). Reinhold Jürgensen war vor 1933 Reichstagsabgeordneter der KPD. Er organisierte in Elmshorn den antifaschistischen Widerstand der KPD und war schon 1933 Häftling in den schleswig-holsteinischen Konzentrationslagern Glückstadt und Kuhlen. Am 19.12.1934 erneut von der Gestapo in Elmshorn verhaftet, verstarb er bereits wenige Stunden nach seiner Einlieferung in das „Kola-Fu“.

JÜRGENSEN, Richard Wilhelm O
Von Beruf Schneider, wohnhaft in Elmshorn, Kirchenstraße 51, geboren am 6.8.1903 und gestorben am 22.3.1945 im Arbeitserziehungslager „Langer Morgen“ in Wilhelmsburg. Haftgrund politisch (VzH). Richard war der Bruder von Reinhold Jürgensen und Leiter der illegalen Roten Hilfe in Elmshorn. Am 29. Oktober 1934 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verhaftet, kam er nach zehneinhalbjähriger Haft als „Kola-Fu“-Häftling im Wilhelmsburger Arbeitserziehungslager (AEL) „Langer Morgen“ bei einem Bombenangriff ums Leben.

KALIFA, Alfred O
Aus Frankreich, geboren am 19.11.1906 und gestorben am 26.4.1944 im Allgemeinen Krankenhaus Langenhorn, Haftgrund unbekannt.

KALTENBRUNNER, Ernst NS
Ernst Kaltenbrunner wurde geboren am 4.10.1903 in Ried (Innkreis), Oberösterreich und ist gestorben am 16.10.1946 in Nürnberg. Ernst Kaltenbrunner war ein österreichischer Nationalsozialist und dort – als auch später im nationalsozialistischen Deutschen Reich – ein hochrangiger SS-Funktionär. Von 1943 bis Kriegsende Chef der Sicherheitspolizei und des SD sowie Leiter des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) als Nachfolger von Reinhard Heydrich. Kaltenbrunner gehörte zu den 24 im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof angeklagten Personen, wurde am 1. Oktober 1946 in zwei von drei Anklagepunkten schuldig gesprochen, zum Tod durch den Strang verurteilt und am 16. Oktober 1946 hingerichtet.

KAMPF, Gustav Ernst Leopold O
Arbeiter, wohnhaft in Hamburg, Eckernförder Straße 92, Mitglied der KPD, geboren am 22.7.1889 und gestorben am 29.10.1941 im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses, Haftgrund politisch (VzH).

KANZLER, Oswald O
Von Beruf Vertreter, wohnhaft in Hamburg-Harburg, Hoppenstedtstraße 53, Mitglied in der SPD, geboren am 18.4.1883 und gestorben am 16.9.1944, Haftgrund politisch. Oswald Kanzler, vor 1933 SPD-Sekretär und Bürgervorsteher in Harburg, wurde nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 im August 1944 im Zuge der „Gewitter-Aktion“ von der Gestapo verhaftet.

KARGES, Amandus O
Von Beruf Schauermann, wohnhaft in Hamburg-Altona, Friedensstraße 69, Mitglied in der KPD, geboren am 30.1.1888 und gestorben am 16.3.1944 im Untersuchungsgefängnis, Haftgrund politisch (Wkrz.). Amandus Karges wurde von Ausgebombten, die er in seiner Wohnung aufnehmen musste, wegen Äußerungen gegen Hitler und gegen den Krieg denunziert und am 28. Oktober 1943 von der Gestapo verhaftet.

KAUFMANN, Heinrich Johannes Adolf O
Arbeiter, wohnhaft in Hamburg, Königsstraße 49, geboren am 21.12.1893 und gestorben am 12.1.1943 im Untersuchungsgefängnis, Haftgrund unbekannt.

KAUFMANN, Karl NS
Karl Otto Kaufmann wurde geboren am 10.10.1900 in Krefeld und ist gestorben am 4.12.1969 in Hamburg. Er war ein deutscher Politiker (NSDAP) und von 1925 bis 1945 NS-Gauleiter, von 1933 bis 1945 Reichsstatthalter, ab dem 30. Juli 1936 bis zum 3. Mai 1945 „Führer“ der Landesregierung, ab 1937/38 Chef der hamburgischen Staats- und Gemeindeverwaltung, Reichsverteidigungskommissar im Wehrkreis 10 sowie ab 1942 Reichskommissar für die Seeschifffahrt war. Nach dem Krieg gab es einen Versuch, sich abermals politisch zu betätigen. Er war Mitglied des Kreises um Werner Naumann, den ehemaligen Staatssekretär im Reichspropagandaministerium. Der Naumann-Kreis versuchte, die Parteien BHE, DP und FDP zu unterwandern und eine „nationale Sammlungsbewegung“ zu schaffen. Dieses Vorhaben wurde vom britischen Geheimdienst beobachtet und führte am 15. und 16. Januar 1953 zur Verhaftung Kaufmanns und Anderer. Ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ führte zwar zu einer Anklageschrift gegen Kaufmann, es kam jedoch nicht zu einem Hauptverfahren. Ab 1959 fungierte Kaufmann als Teilhaber eines Versicherungsunternehmens seines früheren stellvertretenden Gauwirtschaftsberaters Otto Wolff. Außerdem war er Teilhaber einer chemischen Fabrik. Kaufmann lebte bis zu seinem Tod am 4.12.1969 als gutsituierter Bürger in Hamburg.

KLEIN, Fritz O
Von Beruf Maler, wohnhaft in Hamburg, Langenrehm 4, Mitglied in KPD und RH, geboren am 10.9.1901 und gestorben am 24.6.1934, Haftgrund politisch (VzH). Fritz Klein wurde am 8. Juni 1934 von der Staatspolizei verhaftet. Er war Hauptkassierer der illegalen Roten Hilfe in Hamburg-Barmbek.

KLUTH, Erik Adolf O Z
Berufsbeamter in Wilhelmshaven. Inhaftiert von November 1943 bis April 1945. Haftgrund war Begünstigung von Juden. Laut Aussage: „Ich habe mich einfach nicht an die speziellen Anweisungen gehalten, die für Juden festgelegt wurden.“ Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 10.

KOHLER, Rheinhardt Z
Wohnhaft in Hamburg-Fuhlsbüttel, ab November 1943 Wachmann in Fuhlsbüttel bis zum Kriegsende. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 10.

KOLLSTER, Wilhelm Z
Wohnhaft in Großenaspe, Landwirt mit eigenem Hof (Dorotheental). Liegt auf dem Weg Hamburg - Kiel. Zeuge der Anklage im Prozess II bezüglich der Beobachtung der Kolonnen auf dem Marsch nach Kiel-Hassee. Vernehmung am Tag 15.

KONOREW, Iwan O
Aus der Sowjetunion, geboren am 11.1.1894 und gestorben am 17.1.1945 im Hafen bei einem Fliegerangriff. Haftgrund unbekannt.

KOOMEN, Josef Antonius Carl O Z
Geboren am 9. November 1903 in Enkuizen, Niederlande, wohnhaft in Hamburg, Rothenbaumchaussee 179. Von Beruf Kaufmann. Mit Unterbrechungen etwa 25 Jahre in Hamburg lebend. Inhaftiert am 15. Februar 1944. Haftgrund politisch. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 7.

KOOPMANN, Karl Johann Julius (PIII) A
Angeklagt im dritten Fuhlsbüttel-Prozess im Hamburger Curio-Haus.

KOOPMANN, Walter Ernst O Z
Von Beruf Zahnarzt, wohnhaft in Hamburg, im Winterhuder Weg 106, inhaftiert am 17. Februar 1945, Zeuge im Prozess II, Vernehmung am Tag 2.

KOPITSCHKO, Maria O
Ostarbeiterin aus der Sowjetunion, geboren am 5.7.1925 und gestorben am 11.4.1944 im Ausländerkrankenhaus Langenhorn, Haftgrund unbekannt. Maria Kopitschko wurde aus dem Dorf Alexejewka in der Ukraine nach Deutschland zur Zwangsarbeit verschleppt. Ihr Lager befand sich im Hamburger Hafen, Schuppen 77. Dort musste sie für den Gesamthafenbetrieb arbeiten. Die Umstände ihrer Verhaftung durch die Gestapo sind nicht bekannt. Sie starb achtzehnjährig im berüchtigten Ausländerkrankenhaus Langenhorn an Lungentuberkulose.

KOPPEL, ? (Frau) O Z
Inhaftiert in Fuhlsbüttel von März 1944 bis Ende Mai 1944 als politische Gefangene. Zeugin der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 17.

KORTH, Fritz Z
Wohnhaft in Hamburg. Von Beruf Straßenbahnführer. Zeuge der Anklage im Prozess II und hier vernommen zum Angeklagten OEHL, offenbar war dem Tribunal OEHLs Verhalten und Position noch nicht ganz klar. Vernehmung am Tag 16.

KOSLOWA, Antonia OR
Geboren am 10. November 1921. Gehört zu den streikenden Zwangsarbeiterinnen in der Firma NOLEIKO, Hamburg. Am 15. November 1943 wurden sie am Winsberg bei Eidelstedt nördlich von Altona durch Genickschuss hingerichtet. Die anderen russischen Zwangsarbeiterinnen aus dem Werk mussten zuschauen.

KRAMER, Hans Walter O
Von Beruf Drucker, wohnhaft in Hamburg, Hellkamp 36, Mitglied des KJVD, geboren am 5.2.1910 und gestorben am 3.2.1936, Haftgrund politisch (VzH).

KREUDER, Margarethe Z
Zeugin der Anklage im Prozess II und hier vernommen zum Angeklagten OEHL, offenbar war dem Tribunal OEHLs Verhalten und Position noch nicht ganz klar. Vernehmung am Tag 16.

KREU(T)ZER, Dr. Josef Alois NS Z
Geboren am 8. April 1907 in Hevinghausen, gestorben am 15. Oktober 1958 in Gelsenkirchen. SS-Standartenführer. Von September 1942 bis Juni 1944 Leiter der Hamburger Gestapo (in dieser Funktion maßgeblich in die Deportation der Hamburger Juden involviert). Ab Juni 1944 Leiter der Einsatzgruppe G in Rumänien, später Ungarn. Ab Oktober 1944 Inspekteur der Sicherheitspolizei und des SD Hannover (Wehrkreis XI). Durch ein britisches Militärgericht zu lebenslanger Haft verurteilt, 1954 aus der Haftanstalt Werl entlassen. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 11.

KREUZER, Anni (Leni?) O71
Mitglied in der KPD. Gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden.

KRISTELLER, Ada Amanda Heni O Z
Wohnhaft in Hamburg, Tangstedter Landstraße 312, geboren am 5. Juli 1921, Zeugin im Prozess II, Vernehmung am Tag 1, inhaftiert in Fuhlsbüttel im Oktober 1943.

KUBBOS, David O
Von Beruf Hafenarbeiter, wohnhaft in Hamburg, Viktoriastraße 26 Hs. I, geboren am 18.4.1875 und gestorben am 22.3.1943 im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses, Haftgrund politisch.

KUIPER, Albertus Matth. O
Arbeiter, wohnhaft in Den Haag, Schenkkade 4, Niederlande, geboren am 29.3.1918 und gestorben am 6.12.1943, Haftgrund unbekannt. Der Niederländer Albertus Kuiper war „holländischer Zivilarbeiter“ bei der Harburger Firma Thörl und wurde aus unbekannten Gründen von der Gestapo verfolgt.

KWINTIUK, Bogdan O
Schlosser aus Polen, geboren am 21.2.1921 und gestorben am 11.3.1944, Haftgrund unbekannt.

LADEWIG, Annemarie O71
Von Beruf Grafikerin, wohnhaft in Hamburg, Blumenstraße 32, geboren am 5.6.1919, Mitglied in der Widerstandsgruppe „KdF“, gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Haftgrund politisch.

LADEWIG, Rudolf sen. O71
Von Beruf Architekt, wohnhaft in Hamburg, Armgardstraße 4, geboren am 30.3.1893, Mitglied in der Widerstandsgruppe „KdF“, gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Haftgrund politisch.

LADEWIG, Rudolf jun. O71
Wohnhaft in Hamburg, Blumenstraße 32, geboren am 19.3.1923, Mitglied in der Widerstandsgruppe „KdF“, gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Haftgrund politisch. Die Familie Ladewig – Vater, Tochter und Sohn – wurde am 22. März 1945 von der Gestapo verhaftet. Der Vater Rudolf Ladewig gehörte zu der Hamburger Widerstandsgruppe „KdF“ und verfügte über Kontakte zum Nationalkomitee Freies Deutschland. Seine Tochter Annemarie, die nach den Nürnberger Rassegesetzen als „Halbjüdin“ galt, hatte an der Kunstschule Gabriele Schmilinsky studiert und arbeitete als Grafikerin bei der Firma Reemtsma. Sein Sohn Rudolf war zum Zeitpunkt seiner Verhaftung als „Halbjude“ in einem Zwangsarbeitslager und musste im Freihafen Trümmer von Bombenangriffen räumen. Die Gestapo konnte beiden Kindern Rudolf Ladewigs keine oppositionelle Haltung nachweisen. Dennoch verfolgte sie diese mit geradezu tödlichem Hass.

LAMMERTZ, Hilda Z
Wohnhaft in Hamburg, Langenhorner Chaussee 476. Zeugin der Anklage im Prozess II. Zeugenaussage hinsichtlich der Beobachtung von Häftlingskolonnen auf dem Marsch nach Kiel durch die Langenhorner Chaussee. Vernehmung am Tag 16.

LANGE, Elisabeth O
Ehefrau, wohnhaft in Hamburg-Harburg, Hoppenstedtstraße 76, Mitglied der „Weißen Rose“ in Hamburg, geboren am 7.7.1900 und gestorben am 28.1.1944, Haftgrund politisch (VzH). Elisabeth Lange verkehrte im Hause Leipelt und war die Freundin der ebenfalls in Fuhlsbüttel umgekommenen Katharina Leipelt. Wegen Zugehörigkeit zum Hamburger Zweig der „Weißen Rose“ wurde sie Anfang 1943 von der Gestapo verhaftet.

LATENSTEIN van Voorst, Dirk O
Von Beruf Kaufmann, wohnhaft in Hamburg, Schlüterstraße 64, geboren am 3.6.1886 und gestorben am 25.10.1943, Haftgrund politisch. Der Niederländer Dirk Latenstein van Voorst war Angestellter beim schwedischen Generalkonsulat in Hamburg. Er wurde von der Gestapo, Referat III E (Bekämpfung staatsfeindlichen Ausländertums) nach seiner Verhaftung mehrfach schwer misshandelt. Medizinische Hilfen wurden ihm im Polizeigefängnis verwehrt. Er starb an den Folgen der Misshandlungen.

LEDERER, Friedrich O
Wohnhaft in Hamburg, Sägerplatz 25, geboren am 4.12.1889 und gestorben am 1.6.1944, Haftgrund unbekannt.

LEDIEN, Dr. Kurt Heinrich O71
Von Beruf Landgerichtsrat a.D., wohnhaft in Hamburg, geboren am 5.6.1893, Mitglied in der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Haftgründe waren politisch und rassisch. Kurt Ledien legte 1912 am Christianeum das Abitur ab, studierte in Lausanne, München und Kiel Jura und promovierte in Göttingen. 1934 wurde er, inzwischen Landgerichtsdirektor, aus politischen und rassischen Gründen zwangspensioniert. Zunächst fand er bei der Bavaria Brauerei – und als ihm auch dies untersagt wurde – bei jüdischen Rechtsanwälten Nebenbeschäftigungen. 1943 musste Kurt Ledien in einem Zwangsarbeitslager in Berlin – ähnlich wie Rudolf Ladewig in Hamburg – Trümmer räumen und wurde dort am 17. Dezember 1943 wegen seiner Kontakte zu der Hamburger Widerstandsgruppe um Hans Leipelt u. a. (Hamburger Zweig der Weißen Rose) verhaftet.

LEHNERT, Otto O Z
Wohnhaft in Hamburg, Halmenlandstraße 23. Wachmann im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel; allerdings mit Unterbrechung. Von Mai bis Juli 1943 und dann vom 1. Februar 1944 bis zur Auflösung. Zeuge im Prozess II. Vernehmung am Tag 12.

LEIPELT, Dr. Katharina O
Von Beruf Chemikerin, wohnhaft in Hamburg-Harburg, Neuhöfer Straße 24, Mitglied der „Weißen Rose“, geboren am 28.5.1892 und gestorben am 9.12.1943, Haftgrund politisch (VzH). Das Haus der Familie Leipelt in Hamburg-Harburg war ein Treffpunkt von Antifaschisten unterschiedlicher Weltanschauungen, darunter auch von Mitgliedern des Hamburger Zweiges der „Weißen Rose“. Am 8 . Oktober 1943 wurde Hans L., der Sohn von Katharina Leipelt, in München wegen seiner illegalen Arbeit im Rahmen der „Weißen Rose“ verhaftet; wenige Wochen später erfolgten die Verhaftungen der Tochter Maria und Katharina Leipelts durch die Gestapo. Hans Leipelt wurde am 29.1.1945 in München-Stadelheim hingerichtet, Katharina Leipelt starb im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel; Maria Leipelt wurde als Insassin des Frauenzuchthauses Cottbus auf einem Evakuierungstransport am 14. April 1945 befreit.

LEEUWEN, Adrianus Martinus van Z
Wohnhaft in Zoeterwoude, Schenkelweg 25, Niederlande, Zeuge der Anklage im Prozess II, Vernehmung am Tag 2.

LEO, Dr. Gustav Heinrich O
Von Beruf Oberbaudirektor, wohnhaft in Hamburg, Eppendorfer Landstraße 52, geboren am 3.5.1868 und gestorben am 8.12.1944 im Krankenhaus Alsterdorf, Haftgrund politisch (Heimtücke). Die gesamte Familie Leo, Carotine, Gustav und der Sohn Friedrich, wurde im Sommer 1944 wegen angeblicher staatsfeindlicher Betätigung im Rahmen eines Widerstandszirkels und wegen „Feindsenderhörens“ von der Gestapo verhaftet. Der 76jährige Oberbaudirektor i. R. Gustav Leo starb an der schlechten Behandlung im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel. Ihm wurden notwendige Medikamente gegen sein Nierenleiden verweigert. Seine Frau Carotine Leo war bis Anfang Dezember ebenfalls in Fuhlsbüttel untergebracht, wurde dann aber in das Untersuchungsgefängnis verlegt und dort von der britischen Armee befreit. Friedrich Leo wurde am 17. Februar 1945 von einem Berliner Militärgericht wegen „Wehrkraftzersetzung“ unter anderem zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt.

LESCH, Karl Heinr. Joh. O
Von Beruf Former, wohnhaft in Hamburg, Venusberg 17, Mitglied in KPD und ISH, geboren am 15.3.1896 und gestorben am 30.11.1933, Haftgrund politisch (VzH). Karl Lesch gehörte 1933 zu den Organisatoren des illegalen Widerstandskampfes der Hamburger KPD.

LESCHKE, Alexander O
Rentner, wohnhaft in Hamburg-Altona, Schleswiger Straße 4, geboren am 5.1.1875 und gestorben am 30.11.1933, Haftgrund politisch.

LIEBERAM, Minna E Z
Geboren am 2. April 1891 in Erfurt. Aussage aufgenommen vor 2nd Lieutenant Waclaw WIERZBOWSKI, War Crimes Group North West Europe in der Maria-Luisen-Str. 132 am 7. Dezember 1946.

LILIENTHAL, Alwin O
Von Beruf Segelmacher, wohnhaft in Hamburg, Rostocker Str. 1, Gr. 5², geboren am 18.04.1907 und gestorben am 10.7.1937, Haftgrund politisch.

LINICK, Paul O
Von Beruf Kaufmann, wohnhaft in Berlin, NW 87, Agricolastraße 21, geboren am 4.7.1909 und gestorben am 8.5.1939, Haftgrund rassisch (Jude).

LIPSCHÜTZ, Josef O
Von Beruf Handelsvertreter, wohnhaft in Köln, Roonstraße 11, geboren am 27.11.1889 und gestorben am 9.4.1939, Haftgrund rassisch (Jude).

LOCKEMANN, Friedrich Ludwig Albert (PIII) NS A
Angeklagt im dritten Fuhlsbüttel-Prozess im Hamburger Curio-Haus.

LORENZEN, Dr. Eduard O
Von Beruf Arzt, wohnhaft in Hamburg-Bramfeld, Lübecker Str. 11, geboren am 27.10.1889 und gestorben am 6.2.1938 im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses, Haftgrund unbekannt.

LORD, Heinz O Z
Wohnhaft in Hamburg-Lokstedt, Lindenallee 6. Geboren 1917 in Hamburg. Von Beruf Assistenzarzt. Heinz Lord ist von Geburt an peruanischer Nationalität. Inhaftiert am 23. August 1943 wegen Verdachts auf Hochverrat. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 7.

LUMNITZ, Ellen Z
Wohnhaft in Hamburg, von Beruf Verkäuferin. Verhaftet im August 1944 als Halbjüdin. Zeugin der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 5.

LUTJE, Hinrich Jürgen Z
Landwirt mit einem Hof in Mühbrook, nördlich von Neumünster, geboren am 4. Oktober 1909. Zeuge des Marsches nach Kiel und auch verpflichtet zur Bewachung der Marschierenden. Zeuge der Anklage im Prozess II, Vernehmung am Tag 3.

LÜNENSCHLOß, Gustav Rudolf Johannes O
Von Beruf Kesselschmied, wohnhaft in Hamburg, Herrenweide 21, Mitglied der KPD, geboren am 8.9.1907 und gestorben am 25.6.1944 im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses, Haftgrund politisch (VzH). Gustav Lünenschloß gehörte der KPD an und wurde am 4. Januar 1944 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ verhaftet. Sein jüngerer Bruder Erwin, geb. am 17. September 1915, wurde ebenfalls Opfer des NS-Regimes. Das Hanseatische Oberlandesgericht hatte ihn wegen Beteiligung am kommunistischen Widerstand zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilt. Er starb als Strafgefangener am 26. März 1938 wie später auch sein Bruder Gustav im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses.

LUX, Friedrich O
Arbeiter, wohnhaft in Hamburg, Mitglied von KPD, RFB und ISH, geboren am 28.9.1892 und gestorben am 25.7.1933 im Untersuchungsgefängnis, Haftgrund politisch (VzH). „Fiete“ Lux war Mitglied der Bezirksleitung Wasserkante des Zentralkomitees der KPD und Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft. Wegen seiner antifaschistischen Arbeit wurde er am 25. Juli 1933 von der Hamburger Stapo verhaftet und in das „Kola-Fu“ eingewiesen. Seinem Tod im Untersuchungsgefängnis, in dem er nur vorübergehend für eine Nacht untergebracht war, gingen nahezu tägliche grausame Vernehmungen und Misshandlungen im Stadthaus voraus. Der Arzt des Untersuchungsgefängnisses wies in seinem Bericht ausdrücklich auf zahlreiche Misshandlungsspuren am Körper des Toten hin.

MANNSHARDT, Konrad O Z
Von Beruf Spediteur, wohnhaft in Hamburg-Langenhorn, Tangstedter Landstraße 312, geboren 1904. Über mehrere Jahre Haftzeiten in Fuhlsbüttel verbracht. Haftgrund politisch. Als Häftling den Marsch nach Kiel mitgemacht. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 7.

MARTENS, Marichen O Z
Von Beruf Angestellte. Wohnhaft in Hamburg, Brödermannstraße 77c. Mehrmals inhaftiert. Vom 18. November 1942 bis 21. März 1944 und vom 22. November 1944 bis zum 1. Januar 1945. Haftgrund politisch. Zeugin der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 5.

MATHEA, Georg (PIII) NS A
Angeklagt im Prozess III. Zeuge im Prozess II. Hat als Wachmann laut Zeugenaussagen freundlichen Kontakt zu deutschen Inhaftierten aufgenommen und die Gesprächsinhalte an höhere Stellen weitergegeben (Tessmann). War offenbar auch Kontaktmann zu von der Gestapo als Gefangene eingeschleuste Personen, die als Spione tätig waren (genannt sind hier OLIMA, FISCHEMA, GUHLKE). Vernehmung am Tag 16.

MATTHIESEN, Dr. jur.
Rechtsanwalt der Angeklagten BURMEISTER

MATZ, Heinrich O71
Von Beruf Heizungsmonteur, wohnhaft in Hamburg, geboren am 9.10.1908, Mitglied in KPD und Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe, gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Haftgrund politisch. „Hein“ Matz war seit 1933 im Widerstandskampf der KPD am Großneumarkt tätig.

MAU, John Karl Heinrich NS Z
Wohnhaft in Hamburg-Fuhlsbüttel, Kohlgarten 7. Wachmann in Fuhlsbüttel. Mau war zur Prozesszeit selbst inhaftiert im Gerichtsgefängnis Altona, erwartete jedoch seine Freilassung. Hier als Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung an den Tagen 6 & 8.

MAUERMANN, Rudolf August Z
Wohnhaft in Hamburg, Hallerstraße 6, geboren am 21. September 1906, Zeuge im Prozess II, Vernehmung am Tag 1.

MEIER-THUR, Prof. Dr. Hugo O
Von Beruf Professor für Bildende Kunst, wohnhaft in Hamburg, Wagnerstraße 72, geboren am 26.10.1881 und gestorben am 5.12.1943, Haftgrund politisch. Hugo Meier-Thur war Professor an der „Hansischen Hochschule für Bildende Künste“ und ein über Hamburgs Grenzen hinaus bekannter Maler. Eine kleine Veröffentlichung von Freunden zu seinem 60. Geburtstag aus dem Jahre 1941 und ein Nachruf aus der Zeit unmittelbar nach Kriegsende geben Hinweise auf mögliche Gründe seiner Verfolgung durch die Gestapo: „In der Entfaltung seines Kunstgefühls war Hugo Meier-Thur von einer imponierenden Furchtlosigkeit vor den zeitlichen Konsequenzen des Völkischismus und des Rassen-Professorismus der Naziperiode beseelt.“ ( Walter Funder in dem Nachruf). Offenbar hatte Professor Meier-Thur einen sehr eigenen Kunststil entwickelt, seine Manuskripte durften nicht veröffentlicht, seine Werke nicht ausgestellt werden.

MEINCKE, Ernst Wilh. O
Von Beruf Kaufmann, wohnhaft in Winsen a.d. Luhe, geboren am 17.6.1880 und gestorben am 9.3.1939, Haftgrund unbekannt.

MELMS, Alma Z
Langjährige Bekannte der Angeklagten BURMEISTER. Zeugin im Prozess II. Vernehmung am Tag 17.

MENDYK, Vladinow O Z
Wohnhaft in Hamburg, Rothenbaumchaussee 13. Inhaftiert Anfang 1944 in Fuhlsbüttel bis zur Auflösung im April 1945. Arbeitete dort als Schneider in der Werkstatt. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 14.

MENZEL, Karl Gottfr. O
Von Beruf Matrose, wohnhaft in Hamburg, Süderstraße 84, Mitglied in KPD und RM, geboren am 18.12.1897 und gestorben am 11.12.1933, Haftgrund politisch (VzH). Mithäftlinge beobachteten, wie Robert Zirbes und andere Wachmänner nachts in den Keller in die Einzelzelle des Kommunisten „Charlie“ Menzel gingen, um ihn zu misshandeln. Am nächsten Morgen hieß es dann offiziell, Menzel habe sich erhängt.

MERTENS, Hanne O71
Von Beruf Schauspielerin, wohnhaft in Hamburg in der Sierichstraße 66, geboren am 13.4.1909. Haftgrund politisch. Hanne Mertens war Schauspielerin am Hamburger Thalia-Theater. Auf einer Feier bei einer Bekannten, die im gleichen Haus wohnte, spöttelte sie über Hitler und andere NS-Größen und sang u.a. ein Lied „Es geht alles vorüber, zuerst Hitler, dann die Partei“. Ein Gestapobeamter war anwesend und verfasste noch am gleichen Tag einen Bericht. Am 6. Februar 1945 wurde Hanne Mertens wegen angeblicher „Wehrkraftzersetzung“ von der Gestapo verhaftet und nach Fuhlsbüttel gebracht.

MERTIN, Alfred O Z
Geboren in Malch(ow?) an der Oder. Von Beruf Seemann. Inhaftiert aufgrund antifaschistischer Aktivitäten. Zu neun Jahren Zuchthaus verurteilt. Von Oktober 1942 bis Mai 1944 in Fuhlsbüttel. Wurde entlassen unter der Bedingung, von nun an für die Gestapo zu arbeiten. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 11.

MEYER, Martin O
Von Beruf Fischmehlimporteur, wohnhaft in Hamburg, Bornstraße 8, geboren am 21.10.1877 und gestorben am 20.12.1943 im Israelitischen Krankenhaus, Haftgrund rassisch (Jude).

MEYER, Reinhold O
Von Beruf Buchhändler, wohnhaft in Hamburg, Grindelhof 103, Mitglied der „Weißen Rose“, geboren am 18.7.1920 und gestorben am 12.11.1944, Haftgrund politisch (VzH). Reinhold Meyer gehörte dem engeren Kreis des Hamburger Zweiges der „Weißen Rose“ an. In der Buchhandlung seiner Eltern am Jungfernstieg fanden Treffen und Diskussionen der Widerstandsgruppe statt. Reinhold Meyer wurde am 19. Dezember 1943 von der Gestapo verhaftet. Vor seinem Tod im „Kola-Fu“ war er auch vorübergehend im KZ Neuengamme.

MEYER-LABASTILLE, Dr. jur.
Rechtsanwalt des Angeklagten OEHL und der Angeklagten BORGEMEHN.

MEYER-PLOCK, Gertrud Friedericke O Z
Wohnhaft in Hamburg, Maria-Luisen-Straße 132. Verhaftet im Februar 1944. Haftgrund politisch. Im Februar 1945 überstellt ins Untersuchungsgefängnis am Holstenglacis. Zeugin der Anklage im Prozess II. Vernehmung an den Tagen 4 & 5.

MINAJEWA, Sofiga OR
Geboren am 23. November 1920 in Moskau, Sowjetunion. Gehört zu den streikenden Zwangsarbeiterinnen in der Firma NOLEIKO, Hamburg. Am 15. November 1943 wurden sie am Winsberg bei Eidelstedt nördlich von Altona durch Genickschuss hingerichtet. Die anderen russischen
Zwangsarbeiterinnen aus dem Werk mussten zuschauen.

MOGGE, Gertrud Therese Z
Geboren am 23.9.1913 in Koschentin, Oberschlesien. Arbeitete in der „Frauenbetreuung“ bei der DAF, die ihr angeboten hat, ein „Frauenlager“ (Zwangsarbeiterinnen) zu übernehmen, in dem – laut Aussage – zehn Französinnen untergebracht waren, die bei der Hamburger Firma NOLEIKO eingesetzt wurden. Später erhielt sie 50 russische Kriegsgefangene. In ihrer Aussage schildert sie die Erschießung der fünf russischen Zwangsarbeiterinnen.

MÖLLER, Henny Maria O
Von Beruf Angestellte, wohnhaft in Hamburg, Mitglied in der KPD, geboren am 11.2.1895 und gestorben am 25.5.1941 im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses, Haftgrund politisch.

MROSEK, Margarethe O71
Hausfrau, wohnhaft in Hamburg-Nienstedten, Up de Schanz 24b, geboren am 25.12.1902, Mitglied in der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Haftgrund politisch und rassisch. Margarethe Mrosek gehörte wie auch Dr. Kurt Ledien zum engeren Freundeskreis der Familie Leipelt. Sie war „Halbjüdin“ und ihre Mutter hatte die Gestapo nach Theresienstadt deportieren lassen. Obwohl die Gestapo ihr keine Widerstandsarbeit nachweisen konnte, wurde sie auf die Liquidationsliste gesetzt.

MÜLLER, Bernhard Z
Von Beruf Landwirt in Kaltenkirchen. Zeuge der Anklage im Prozess II hinsichtlich der Beobachtungen auf dem Marsch nach Kiel. Vernehmung am Tag 13.

MÜLLER, Rudolf Albert O
Von Beruf Schneidergeselle, wohnhaft in Hamburg, Diesterwegstraße 4, geboren am 9.3.1910 und gestorben am 3.2.1939, Haftgrund unbekannt.

MUSZINSKI, Karl O
Von Beruf Elektrotechniker, wohnhaft in Hamburg, Wexstraße 9, geboren am 6.4.1915 und gestorben am 3.2.1939, Haftgrund unbekannt.

NACHUM, Ernst O
Von Beruf Kaufmännischer Angestellter, wohnhaft in Elmshorn, geboren am 20.4.1905 und gestorben am 25.9.1936, Haftgrund rassisch (Jude).

NATHAN, Max O
Von Beruf Kaufmann, wohnhaft in Hamburg, Carlstraße 2 geboren am 19.3.1878 und gestorben am 30.10.1936, Haftgrund rassisch (Jude).

NAUJACK, Karl Leopold O
Von Beruf Maler, wohnhaft in Hamburg, Viktoriastraße 14, geboren am 2.1.1887 und gestorben am 27.11.1934 im Allgemeinen Krankenhaus St. Georg, Haftgrund politisch. Bericht des Arztes Dr. Callsen (Oberarzt im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses) vom 20. August 1934. Abschrift:
„Herrn Präsidenten des Strafvollzugsamts Hamburg vorgelegt. Ein weiterer Fall von Mißhandlung liegt z. Zt. im Lazarett. Es handelt sich um den Schutzhaftgefangenen Karl Naujack, geb. 2 . 1. 1887 in Assaunen, der trotz schwerer Lebererkrankung (Bauchwassersucht) bei der Vorführung zur Staatspolizei mit dem Gummiknüppel über Kopf, Rücken und Gesäß schwer geschlagen sein will. Es bestand bei ihm eine Anschwellung und blaurote Verfärbung des ganzen Rückens und des Oberschenkels, außerdem eine frische Verletzung des rechten Trommelfells. Der Zustand des Naujack ist sehr ernst.“

NEDDENIN, ? O Z
Wohnhaft in Hamburg, Wendenstrasse 49 im Parterre. Inhaftiert in Fuhlsbüttel vom 14. Mai 1944 bis Ende März 1945. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 15.

NEICK, Hans August O
Arbeiter, wohnhaft in Hamburg, Erichstraße 18, geboren am 23.1.1923 und gestorben am 19.7.1933, Haftgrund politisch (VzH).

NICKELS, Carl Christian O
Von Beruf Vorkalkulator, wohnhaft in Hamburg, Lilienthalplatz 4, war Mitglied in der SPD, geboren am 14.9.1885 und gestorben am 7.1.1941, Haftgrund politisch. Am 6. Januar 1941 wurde der Leiter des Kalkulationsbüros der Firma C. H. F Müller A.G. in Hamburg-Fuhlsbüttel (Röntgen-Müller), Carl Nickels, während der Arbeitszeit von der Gestapo verhaftet. Der Leiter der Einkaufsabteilung der Firma hatte den im Betrieb bekannten Antifaschisten wegen „defaitistischer“ Äußerungen denunziert. Nach ca. fünfzehnstündigem Verhör durch die Gestapo wurde Nickels morgens gegen 2 Uhr in das „Kola-Fu“ gebracht. Eine Stunde später wurde er in seiner Einzelzelle erhängt aufgefunden.

NIELS, Fritz Christoph Johannes Z
Von Beruf Hilfspolizist in Bad Bramstedt. Zeuge der Anklage im Prozess II, besonders hinsichtlich der Beobachtungen auf dem Marsch nach Kiel. Vernehmung am Tag 13.

NIKLAS, Max Hugo Ferd. O
Arbeiter, wohnhaft in Hamburg, Mitglied in der KPD, geboren am 4.12.1902 und gestorben am 31.7.1935, Haftgrund politisch (VzH). Hugo Niklas gehörte bis zu seiner Verhaftung der Bezirksleitung der illegalen KPD Hamburg an.

NILSSON, Heinz Gerhard E Z
Geboren am 15. April 1915 in Senftenberg, Niederlausitz. Eidesstattliche Aussage von Heinz Gerhard NILSSON, männlich, aus HAMBURG, Opitzstraße 34, vereidigt vor dem 2nd Lt. Waclaw WIERZBOWSKI, polnische Streitkräfte, der Kriegsverbrecher-Ermittlungseinheit in HAMBURG, Maria-Louisen-Str. 132, am 19. November 1946. Zeuge im Prozess II.

NOVKOVIC, Radomir O
Arbeiter, aus Jugoslawien stammend, geboren am 14.3.1926 und gestorben am 3.8.1944 im Ausländerkrankenhaus Langenhorn, Haftgrund unbekannt.

OBERDORFER, Johannes NS Z
Wohnhaft in Hamburg, geboren am 13. Dezember 1891. Von Beruf Handlungsreisender. Verpflichtet zur Wachmannschaft in Fuhlsbüttel ab 1943. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 10.

OCHS, Wilhelm Rudolf O
Von Beruf Schuhmacher, wohnhaft in Hamburg, geboren am 5.6.1866 und gestorben am 31.7.1935, Haftgrund politisch.

OEHL, Berta Z
Ehefrau des u.a. Angeklagten OEHL. In den Protokollen finden sich nicht sehr oft Ehefrauen bzw. nahe Verwandte. Vermutlich ist der Grund ein noch eher ungenaues Bild von der angeklagten Person und man erhofft sich, mehr Details aus der verwandtschaftlichen Umgebung brächten Aufklärung. Im Falle von OEHL war dies wohl erforderlich. Zeugin der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 16.

OEHL, Carl (PII) NS A
Geboren am 1. Dezember 1890 in Altona. Von Beruf Kaufmann. Am 15. März 1943 nach Fuhlsbüttel dienstverpflichtet als Wachmann. Vom 15. Juli 1943 bis Anfang Februar 1944 im Arbeitserziehungslager Wilhelmsburg, dann wieder nach Fuhlsbüttel versetzt als Stationsführer. Ab November 1944 Bereitschaftsführer. SS-Dienstgrad Unterscharführer. Die Aussage von OEHL ist eines der seltenen Geständnisse eigener Unmenschlichkeit. Besonders der Satz „Ich schlug teilweise um zu bestrafen, aber auch teilweise um mein eigenes Langen nach einem Machtgefühl zu befriedigen“ ist in einer Aussage zu dieser Zeit bemerkenswert. Ob OEHL dies aus wirklicher Reue aussagte oder um auf Strafmilderung durch Zeigen von Reue zu hoffen, ist unklar. Angeklagt im zweiten Fuhlsbüttel-Prozess im Hamburger Curio-Haus. Vernehmung am Tag 16.

OEHL, Gertrud Z
Offenbar Schwester von Carl OEHL. Zeugin der Anklage im Prozess II und hier vernommen zum Angeklagten OEHL, offenbar war dem Tribunal OEHLs Verhalten und Position noch nicht ganz klar. Vernehmung am Tag 16.

OESTMANN, Dr. jur.
Rechtsanwalt des Angeklagten SCHÜTTE.

OETTING, Eliese E Z
Geboren am 17. März 1890. Wohnhaft in Einfeld, Kreis Rendsburg. Aussage am 22. Mai 1947 vor dem Ermittlungsoffizier C.R. FREUD, War Crimes Group North West Europe. Zeugin der Anklage im Prozess II. Aussagen zum Durchmarsch der Häftlingskolonnen von Fuhlsbüttel nach Kiel.

OPPENHEIM, Alfred O
Wohnhaft in Hamburg, Grindelallee 62, geboren am 13.5.1897 und gestorben am 6.4.1943, Haftgrund rassisch (Jude).

ORTMANN, Walter (PIII) NS A
Angeklagt im dritten Fuhlsbüttel-Prozess im Hamburger Curio-Haus.

OSTWALD, Heinrich Z
Wohnhaft in Einfeld bei Neumünster. Arbeiter in einer Textilfabrik. Zeuge der Anklage im Prozess II hinsichtlich der Beobachtungen auf dem Marsch nach Kiel. Vernehmung am Tag 14.

OTT, Wilhelm O
Von Beruf Brauereiarbeiter, wohnhaft in Hamburg, Ottensener Str., Parz. 6, geboren am 18.7.1886 und gestorben am 4.2.1935 im Untersuchungsgefängnis, Haftgrund politisch (VzH).

PAGELS, Willi Friedrich Karl NS Z
Leiter der Personalabteilung der Firma NOLEIKO. Geboren am 26. Oktober 1906 in Hamburg. Mitglied der Deutschen Arbeitsfront. Zeugenaussage am 6. Dezember 1946 unter Anwesenheit von Captain Kinsleigh, ermittelnder Offizier der War Crimes Group North West Europe.

PAUDERT, H. Z
Wohnhaft in Hamburg, Karolinenstraße 24. Verrichtete seinen Dienst als Wachmann im Arbeitserziehungslager „Langer Morgen“ in Wilhelmsburg im Jahr 1944. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 15.

PATZKE, Walter Georg O
Von Beruf Maurergeselle, wohnhaft in Hamburg, Hamburger Str. 6, Mitglied in der KPD, geboren am 1.1.1894 und gestorben am 30.6.1943, Haftgrund politisch.

PAULY, Max NS
Max Pauly wurde am 1. Juni 1907 geboren. Von 1942 bis 1945 war er Kommandant des KZ Neuengamme. Zu Beginn seiner Tätigkeit befanden sich 6000 Häftlinge im KZ Neuengamme. Im Januar 1945 waren im Hauptlager und den mindestens 86 Außenlagern schon über 49.000 Männer und Frauen inhaftiert. Die Todesrate stieg ständig an. Die meisten der im Konzentrationslager Neuengamme und den Außenlagern umgekommenen Häftlinge starben zwischen 1942 und 1945 durch gezielte Tötungsaktionen und infolge der schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen. Anfang 1945 zog Pauly mit seiner Familie auf das Gelände des KZ in das neu errichtete Kommandantenhaus, welches noch heute auf dem Gelände der Gedenkstätte steht. Im Herbst 1945 wurde Max Pauly auf der Flucht verhaftet und vom britischen Militärgericht wegen „Tötung und Misshandlung Staatsangehöriger alliierter Nationen“ angeklagt. Er behauptete, den Häftlingen einen „ordentlichen Tagesablauf“ ermöglicht zu haben und wies die Verantwortung von sich. Im Jahre 1946 wurde er zum Tode verurteilt und noch im selben Jahr hingerichtet.
Quelle: Internetseite der Gedenkstätte Neuengamme

PERMINOWA, Maria OR
Geboren am 22. Oktober 1916 in Urdalin, Sowjetunion. Gehört zu den streikenden Zwangsarbeiterinnen in der Firma NOLEIKO, Hamburg. Am 15. November 1943 wurden sie am Winsberg bei Eidelstedt nördlich von Altona durch Genickschuss hingerichtet. Die anderen russischen Zwangsarbeiterinnen aus dem Werk mussten zuschauen.

PIEPENHAGEN, ? O Z
Inhaftiert in Fuhlsbüttel vom 25. April 1944 bis zum 27. Juli 1944 aufgrund einer „positiven Haltung gegenüber einem politischen Gefangenen“. Zeugin der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 17.

PINS, Louis O
Von Beruf Viehhändler, aus Dülmen/Westfalen, Kirchplatz 8, geboren am 4.2.1874 und gestorben am 12.6.1939, Haftgrund rassisch (Jude).

POCHADAJ, Maria O
Ostarbeiterin aus der Sowjetunion (Ukraine), geboren am 23.3.1923 und gestorben am 29.12.1944 im Ausländerkrankenhaus Langenhorn, Haftgrund unbekannt.

POSTLER, August O
Von Beruf Elektriker, wohnhaft in Hamburg, Virchowstraße 98, Mitglied in KPD und RS „Fichte“, geboren am 7.2.1907 und gestorben am 14.3.1934 im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses, Haftgrund politisch (VzH). Der Kommunist August Postler war ein in Hamburg bekannter Fußballer und Arbeitersportler. Er gehörte gemeinsam mit Walter Bohne und anderen Sportlern zu den Organisatoren der illegalen „Roten Sporteinheit“.

PREILIPPER, Kurt O
Von Beruf Buchdruckergehilfe, wohnhaft in Hamburg, Marienthaler Straße 151, Mitglied in der KPD, geboren am 6.8.1905 und gestorben am 10.1.1937, Haftgrund politisch (VzH). Kurt Preilipper wurde am 5. Januar 1937 in Hamburg an seiner Arbeitsstelle, der Buchdruckerei Löffler & Ockelmann in der Sachsenstraße, von der Gestapo verhaftet. Der Kommunist, Gewerkschaftler und Arbeitersportler (Proletarischer Bund für Freikörperkultur) hatte sich aktiv am antifaschistischen Widerstand beteiligt und gehörte einer illegalen Gruppe „Rote Kämpfer“ an.

RACMANN, Karel O71
Von Beruf Tischlermeister, wohnhaft in Hamburg, Bei der Apostelkirche 28, geboren am 20.12.1883, Mitglied in SPD, „Svornost“ und in der Widerstandsgruppe „KdF“, gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Haftgrund politisch. Karel Racmann wie auch sein Freund Vincent Smok waren Tschechen, lebten aber seit Jahren in Hamburg. Sie waren in dem tschechischen Verein „Svornost“ organisiert und versuchten mit diesem Verein (Karel Racmann war der Vorsitzende), tschechischen Landsleuten zu helfen und insbesondere auch, den Zwangsverschleppten Rückhalt zu bieten. Beide Freunde gehörten der „KdF“-Gruppe an. Im Sommer 1944 löste die Gestapo den Verein auf, und am 9. September 1944 wurde Karel Racmann, wenig später auch Vincent Smok, verhaftet.

RATTMANN, Erna Henrietta Elisabeth Franciska NS Z
Wohnhaft in Hamburg, Agnesstraße 42, geboren in Australien, nach Deutschland gekommen um 1897/98, verheiratet mit einem Deutschen. Eingezogen als Wärterin ins Polizeigefängnis Fuhlsbüttel am 1. September 1944. Dort in der Schutzhaftabteilung tätig. Zeugin der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 5.

REETZ, Franz O71
Von Beruf Binnenschiffer, wohnhaft in Hamburg, geboren am 23.3.1884, Mitglied in KPD und Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe, gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Haftgrund politisch. Franz Reetz wurde 1937 aus dem KZ Sachsenhausen entlassen. Die Gestapo hatte ihn wegen seiner Beteiligung am Widerstand seit 1933 dort eingesperrt. Während des Krieges arbeitete Franz Reetz auf der Stülckenwerft in Hamburg und gehörte der illegalen Betriebszelle der „BJA“-Organisation an.

REICHEL, Walter O
Arbeiter, wohnhaft in Hamburg, Lembkentwiete 14, geboren am 17.8.1912 und gestorben am 4.5.1936 im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses, Haftgrund unbekannt.

REIF, Wilhelm O Z
Arbeiter, wohnhaft in Hamburg-Altona, Helmholtzstraße 15. Am 17. Agugust 1944 inhaftiert. Haftgrund politisch (VzH). Zeuge der Anklage im Prozess II Vernehmung am Tag 6.

REINKE, Paul Robert O
Arbeiter, wohnhaft in Hamburg-Harburg, Sternstraße 29a, Mitglied der KPD, geboren am 26.4.1896 und gestorben am 25.11.1937, Haftgrund politisch (VzH). Paul Reinke organisierte bis 1937 den illegalen kommunistischen Widerstand in Harburg-Heimfeld. Von der Gestapo schwer misshandelt, war er bereits einen Tag nach seiner Verhaftung tot. Offiziell hieß es: „Selbstmord durch Erhängen“.

REITH, Diedrich von der O
Von Beruf Seemann, wohnhaft in Hamburg-Winterhude, Rehmstraße, Mitglied in der KPD, geboren am 7.12.1900 und gestorben am 25.11.1937, Haftgrund politisch (VzH). Diedrich von der Reith wurde am 30.9.1933 wegen seiner Beteiligung am kommunistischen Widerstand von der Gestapo verhaftet. Als Häftling des „Kola-Fu“ wurde er nahezu täglich verhört und misshandelt. Zwischen den Vernehmungen im Stadthaus wurde er vorübergehend im Untersuchungsgefängnis untergebracht, wo er am 12. Oktober 1933 Selbstmord verübt haben soll. Der Anstaltsarzt weigerte sich, wegen der vielen Misshandlungsspuren einen Totenschein auszustellen.

REPPIN, Paul Adolf Karl (PIII) NS A
Angeklagt im dritten Fuhlsbüttel-Prozess im Hamburger Curio-Haus.

RICHHEIMER, Karl Heinz E Z
Geboren am 31. Januar 1920 in Güstrow, Mecklenburg. Eidesstattliche Aussage von Carl-Heinz RICHHEIMER aus HAMBURG 20, Schadestr. 23, in HAMBURG am 22. November 1946 vor Hauptmann H.P. KINSLEIGH, The Cheshire Regiment, der Kriegsverbrecher-Ermittlungseinheit BAOR. Zeugenaussage für den Prozess II.

RIPOMELNIK, Michael O
Arbeiter aus der Sowjetunion (Ukraine), geboren am 15.5.1921 und gestorben am 18.3.1945 im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses, Haftgrund unbekannt. Michael Ripomelnik wurde am 15. November 1944 verhaftet und am 6. Januar 1945 in das Lazarett des UG verlegt.

RISPE, Philipp O71
Gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden.

RODE, Johannes NS
Geboren am 12. Mai 1889 in Bad Segeberg und gestorben am 23. September 1947 in Fischbek, war seit Oktober 1919 Polizist und während des Nationalsozialismus auch Kommandant des KZ und Polizeigefängnisses Fuhlsbüttel sowie des Arbeitserziehungslagers „Langer Morgen“ in Hamburg-Wilhelmsburg. Er war seit dem 1. Mai 1933 Mitglied der NSDAP (Nr. 3.493.786) und der SS (Nr. 253.086, Rang: Obersturmführer). Rode ging im November 1933 zur Staatspolizei Hamburg. Nach der Verhaftung des ersten Lagerkommandanten des KZ Fuhlsbüttel, Paul Ellerhusen – im Zuge des sogenannten Röhm-Putsches – wurde Rode im Juli 1934 neuer Lagerkommandant. Unter Rode wurden willkürliche Misshandlungen an Häftlingen begrenzt, er verbesserte jedoch die schlimmen Haftbedingungen der Schutzhäftlinge nur unwesentlich. Weiterhin wurden Dunkelhaft und Nahrungsentzug als Strafen angeordnet. Zudem misshandelte Rode persönlich Juden, Zuhälter, Homosexuelle sowie Transvestiten, wohingegen er Gegner des NS-Regimes weniger schikanierte. Im November wurde er Kommandant des Arbeitserziehungslagers „Langer Morgen“. Im Mai 1944 wurde Rode als Kriminalinspektor zum Gestapodezernat IV I a (Kommunismus und Marxismus) in der Stapo-Leitstelle Hamburg versetzt. Nach Kriegsende wurde Rode im Mai 1946 festgenommen und aufgrund der begangenen Verbrechen in Fuhlsbüttel leitete man Ermittlungen gegen ihn ein. Er starb 1947 im Internierungslager Fischbek (ehemalige Panzerkaserne).
Quelle: Wikipedia

ROESEN, Dr. Johannes O
Von Beruf Augenarzt, wohnhaft in Hamburg, Jungfernstieg 7, geboren am 23.7.1879 und gestorben am 10.2.1937, Haftgrund unbekannt.

ROGOZINSKI, John O
Von Beruf Kaufmann, wohnhaft in Hamburg, Hansastraße 64, geboren am 28.6.1885 und gestorben am 10.7.1940, Haftgrund rassisch (Jude).

ROSENKRANZ, Elisabeth O71
Hausfrau, wohnhaft in Hamburg, Armgardstraße 4, geboren am 6.3.1906, Mitglied in der Widerstandsgruppe „KdF“, gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Haftgrund politisch. Elisabeth Rosenkranz war die Lebensgefährtin von Rudolf Ladewig sen. Wie den Kindern Ladewigs, konnte die Gestapo auch ihr nichts nachweisen. Dennoch ließ sie Elisabeth Rosenkranz in Neuengamme ermorden.

ROSENSTEIN, Bernhard O71
Von Beruf Kraftfahrer, wohnhaft in Hamburg, Heußweg 110, geboren am 14.10.1910, gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden.

ROSIN, Richard O
Von Beruf Heizer, wohnhaft in Hamburg-Altona, Schulstraße 10, Mitglied in KPD und RH, geboren am 15.11.1888, gestorben am 7.1.1936, Haftgrund politisch (VzH). Verhaftet wegen seiner Beteiligung am antifaschistischen Widerstand, wurde im „Kola-Fu“ aufgrund fortwährender Schikanen und Misshandlungen systematisch in den Tod getrieben.

RÖTTGER, Friedrich Wilhelm (PIII) NS A
Angeklagt im dritten Fuhlsbüttel-Prozess im Hamburger Curio-Haus.

RUBENSOHN, Franz O
Von Beruf Kaufmann, wohnhaft in Hamburg, Werderstraße 7, geboren am 5.12.1866 und gestorben am 17.6.1939 im Hafenkrankenhaus, Haftgrund rassisch (Jude).

RUGE, Karsten O Z
Wohnhaft in Hamburg, Rahlstedter Weg 5. Inhaftiert am 9. Dezember 1934 bis zum April 1944. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 15.

RÜTHER, Karl Hermann Heinrich O
Von Beruf Tischler, wohnhaft in Hamburg, Ahrensburger Str. 79, Mitglied in SPD, RB und ASB, geboren am 5.6.1906 und gestorben am 15.5.1937, Haftgrund politisch. Abschrift aus den Deutschland-Berichten der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (Sopade), Mai 1937:
„Nordwestdeutschland: Karl Rüt(h)er, vor sechs Wochen verhaftet, hat sich Pfingstsonnabend ,erhängt‘. Er war früher Mitglied der Reichsbanner-Abteilung 11 und des Arbeiter-Samariter-Bundes, aber seit 1932 nicht mehr politisch tätig. Rüt(h) er war Vater eines Kindes von 9 Monaten. Die Familie durfte den Erschlagenen nicht noch einmal sehen. Die Leiche ist verbrannt worden. Vom Zuchthaus Fuhlsbüttel sind insgesamt 200 Verurteilte nach Papenburg transportiert worden.“

RÜTZ, Hans Z
Wohnhaft in Hamburg. Inhaber eines Tabakladens. Zeuge der Anklage im Prozess II und hier vernommen zum Angeklagten OEHL, offenbar war dem Tribunal OEHLs Verhalten und Position noch nicht ganz klar. Vernehmung am Tag 16.

SÄGER, H. (Frau) Z
Wohnhaft in Friedrichsgabe, Ulzburger Straße Richtung Kaltenkirchen. Zeugin im Prozess II bezüglich der Beobachtung der Kolonnen auf dem Marsch nach Kiel-Hassee. Vernehmung am Tag 15.

SEEGERS, Helena Margaretha O
Ehefrau, wohnhaft in Amsterdam 1, Kostverlorenkade 17, Niederlande, geboren am 28.12.1892 und gestorben am 16.10.1940, Haftgrund politisch.

SEMENTSCHENKO, Alexej O
Aus der Sowjetunion, geboren am 25.11.1913, gestorben am 17.1.1945 im Hafen bei einem Fliegerangriff, Haftgrund unbekannt.

SICK, Hans Heinrich Friedrich (PIII) NS A
Angeklagt im dritten Fuhlsbüttel-Prozess im Hamburger Curio-Haus.

SIEMS, Dr. Magnus Bernhard O
Von Beruf Handelsoberlehrer, wohnhaft in Hamburg, Conventstraße 23, geboren am 6.2.1882 und gestorben am 14.7.1938, Haftgrund politisch / rassisch. Dr. jur. Magnus Siems, bis 1933 Mitglied der „Gesellschaft der Freunde des vaterländischen Schul- und Unterrichtswesens“, der späteren Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, betätigte sich neben seiner Arbeit als Lehrer an einer Wandsbeker Schule schriftstellerisch mit der Rechtsphilosophie. Als Anhänger des „Natur- und Vernunftsrechts“, der Lehre von der Gleichartigkeit der Menschennatur zu allen Zeiten und Orten, geriet er mit völkisch-nationalsozialistischen Auffassungen in Konflikt. Aus Protest gegen Schikanen der Gestapo gab er auf einer Versammlung der NSDAP in Altona einen Schuss aus einer Schreckschusspistole auf Gauleiter Karl Kaufmann ab. Daraufhin erfolgte seine Verhaftung durch die Gestapo.

SIMON, Cäsar Z
Wohnhaft in Alversdorf, Holstein. [Ich vermute hier einen Übersetzungs- bzw. Protokollfehler, denn so wie im Protokoll angegeben – 1933/34 – kann Herr SIMON nicht im Arbeitserziehungslager Wilhelmsburg gewesen sein als Wachmann, da es erst 1943 eingerichtet wurde.] Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 15.

SMIRNOWA, Taissa OR
Geboren am 25. Januar 1923 in Kalinin, Sowjetunion. Gehört zu den streikenden Zwangsarbeiterinnen in der Firma NOLEIKO, Hamburg. Am 15. November 1943 wurden sie am Winsberg bei Eidelstedt nördlich von Altona durch Genickschuss hingerichtet. Die anderen russischen Zwangsarbeiterinnen aus dem Werk mussten zuschauen.

SMOK, Vincent O71
Aus Tschechien, wohnhaft in Hamburg, Mitglied in KPD, „Svornost“ und gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Haftgrund politisch.

SOKOLOW, Peter O
Von Beruf Automechaniker, aus der Sowjetunion (Kriegsgefangener), geboren am 6.10.1917 und gestorben am 14.6.1944, Haftgrund unbekannt.

SOLMITZ, Dr. Fritz O
Von Beruf Redakteur, wohnhaft in Lübeck, Fahlenkampsweg 26, Mitglied in der SPD, geboren am 22.10.1893 und gestorben am 19.9.1933, Haftgrund politisch/rassisch (Jude). Dr. Fritz Solmitz war Redakteur des sozialdemokratischen Lübecker Volksboten. Als engagierter Antifaschist und Jude wurde er bereits im März 1933 von der Lübecker Gestapo verhaftet und öffentlich zur Schau im Rollwagen durch Lübeck gefahren. Im Mai 1933 wurde Dr. Fritz Solmitz mit weiteren Gestapogefangenen in das „Kola-Fu“ verlegt. Er wurde von den Fuhlsbüttler Wachmannschaften schwer misshandelt. In Haft führte Fritz Solmitz heimlich auf dünnem Zigarettenpapier ein Tagebuch. Original-Abschrift:
„Ich wurde in den Keller getrieben, dort in eine Bucht, die wohl früher als Kartoffelkeller gebraucht wurde. Außer E. u. dem etwa 25jährg. Sturmführer waren noch . . . Mann dabei . . . Kommando: ,Bück dich!‘ Ich blieb aufrecht stehen, erhielt sofort furchtbare Schläge mit Hundepeitsche u. Ochsenziemer ins Genick. Ich taumelte, fiel. Kurze Pause. ,Das Schwein markiert nur. Hoch. Aufstehen. Bück dich.‘ 3mal wurde ich so niedergeschlagen. Nach dem 3 . Mal hatte ich noch die Kraft zu schreien : ,Ich bücke mich nicht.‘ Ich glaube aber, zu allerletzt in halb bewußtlosem Zustand hab ichs doch getan. Wielange die Tortur dauerte, weiß ich nicht. Im liegen wurde weiter auf mich geschlagen, bis die Kopfhaut sprang und das Blut spritzte. Die ersehnte Ohnmacht war noch immer nicht da. Mit Flüchen u. Stößen wurde ich hochgetrieben, mußte schwer blutend im Trab in meine Zelle rennen. Dort durfte ich mich waschen. Ein Heilgehilfe kam mich zu verbinden. Ihm sagten meine Peiniger, die Fensterklappe sei mir auf den Kopf gefallen. ,Der Jude hat so eine weiche Birne‘ (Auch dem Arzt, der am nächsten Tag kam, mußte ich von meinen Hauptschlägern bedroht dasselbe vorlügen.) Dann mußte ich meine völlig blutdurchtränkten Sachen u. m. blutbespritzte Zelle reinigen. Eine Stunde später brachte E. mir schwarzes Brot u. Tee. Als ich durstend nach dem Tee griff, rief er: ,Halt, sofort alles zurück. Du Jude kriegst 3 Tage nichts zu fressen. Befehl vom Kommandanten. ‚Ab u. zu bekomme ich seitdem e. St. Schwarzbrot od. e. Kanne Kaffee. Aber ich esse auch das kaum. Hunger tut mir nicht mehr weh. Abends nahm ich 1 Tab/. Veramon, die vorletzte (,Friß doch all das Zeug, daß du verreckst hatte E. b. d. Durchsuchg. gesagt‘- leider waren es nur noch 2 Tabletten). Das Schreiben ist ungeheuer gefährlich. Jeden Augenblick sieht jemand durch das Guckfenster in der Tür. Wehe wenn sie‘s finden. Ich arbeite schon mehr als 1 Tag daran zwischen dem Tauzupfen. Am 14ten wurden 2 andere gepeitscht. Ich weiß die Namen nicht, höre nur die schweren Schläge u. d. Schreien. Ich vermute, daß Meitmann dabei war.“ // Originalabschrift //

SPIRO, Bruno Richard O
Von Beruf Kaufmann, wohnhaft in Hamburg, Heimhuder Str. 40, geboren am 24.2.1875 und gestorben am 29.9.1936, Haftgrund rassisch (Jude).

SPRINGER, Wilhelm O
Von Beruf Hobler, wohnhaft in Hamburg, Kampstraße 7a, Mitglied in der KPD, geboren am 7.5.1894 und gestorben am 27.11.1934, Haftgrund politisch (VzH).

SZCZEPANSKI, Willy O
Von Beruf Seemann, Mitglied in KPD und ISH, geboren am 19.4.1903 und gestorben am 23.5.1937, Haftgrund politisch (VzH).

SCHAAFHIRTE, Theodor O
Von Beruf Gelbgießer, wohnhaft in Hamburg, Schlachterstraße 2, Mitglied im KJVD, geboren am 22.12.1912 und gestorben am 1. April 1935 im Untersuchungsgefängnis, Haftgrund politisch (VzH).

SCHARSCHMIDT, Paula Sophie Luise (PIII) NS A
Wohnhaft in Hamburg, Schäferkampsallee 28, geboren am 30. September 1888. Wärterin im Frauenblock in Fuhlsbüttel. Zeugin im Prozess II. Vernehmung am Tag 10. Angeklagt im Prozess III im Hamburger Curio-Haus.

SCHÄR, Alfons Friedrich O
Von Beruf Taubstummenlehrer, wohnhaft in Hamburg-Volksdorf, Wulfsdorfer Weg 79, Mitglied im ISK, geboren am 5.8.1887 und gestorben am 13.2.1937, Haftgrund politisch (VzH). Alfons Schär gehörte dem „Internationalen Sozialistischen Kampfbund“ an, der 1933 nach dem Verbot illegal weiterarbeitete und antifaschistischen Widerstand organisierte. Er wurde um die Jahreswende 1936/37 wegen seiner Mitarbeit im ISK von der Gestapo verhaftet.

SCHAKE, Otto O
Von Beruf Schiffskoch, wohnhaft in Hamburg, Wilhelmplatz 13, geboren am 16.10.1890 und gestorben am 2.12.1937, Haftgrund unbekannt.

SCHARLACH, Hans Vinzenz O † 71
Geboren am 27.6.1919. Gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden.

SCHIBAU, Hans Joachim Z
In einem Brief erwähnt Willi Tessmann den Zeugen SCHIBAU, der von Misshandlungen in Munsterlager seitens der vernehmenden Offiziere berichtete. Dem Protokoll ist zu entnehmen, dass der Chefankläger über diesen Bericht zumindest entsetzt ist und SCHIBAU fragt, ob der den vernehmenden Offizier wiedererkennen würde, was SCHIBAU bejahte. Das zeigt zum einen, wie viel Hass und Wut noch zwischen Alliierten und Deutschen herrschte, aber auch, dass das Britische Militärtribunal solche Vorkommnisse nicht durchgehen lassen wollte und stets auf eine objektive und reglementierte Verhandlung und Behandlung Wert legte. Vernehmung am Tag 16.

SCHILL, Hilde O Z
Hausfrau, verwitwet, inhaftiert im Mai 1944, weil das Ehepaar einen politischen Gefangenen in der Wohnung versteckte. Der Ehemann wurde ohne Prozess hingerichtet, Hilde Schill kam nach Fuhlsbüttel. Zeugin im Prozess II, Vernehmung am Tag 2.

SCHIRMEIER, Siegwald Karl Bernhard (PIII) NS A
Angeklagt im dritten Fuhlsbüttel-Prozess im Hamburger Curio-Haus.

SCHLENSTEDT, Herbert Bruno E O Z
Geboren am 24. März 1902 in Prenzlau. Zeugenaussage aufgenommen in Hamburg, Uhlandstraße 57 am 19. Dezember 1946 vor Capt. Frederick Michael WARNER, War Crimes Group North West Europe, BAOR. Zeugenaussage für den Prozess II. Am 3. Februar 1945 verhaftet aus politischen Gründen (VzH). Am 12. April 1945 auf den Weg nach Kiel in Marsch gesetzt.

SCHMUESER, Ernst Andreas Z
Wohnhaft in Hamburg, Susannenstraße. Von Beruf Lebensmittelhändler. Er war Kriegsinvalide aus dem 1. WK, Mitglied im Kyffhäuserbund (deutscher Soldatenbund, gegr. 1900) und wurde aufgrund dessen, dass sein Laden ausgebombt wurde, dienstverpflichtet als SS-Wachmann in Fuhlsbüttel. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 5.

SCHNAPPAUF, Dr. med. Ulrich (PIII) NS A
Angeklagt im dritten Fuhlsbüttel-Prozess im Hamburger Curio-Haus.

SCHÖNHERR, Gustav Adolph O
Von Beruf Werftarbeiter, wohnhaft in Hamburg, Alter Steinweg 71, Hinterhaus, Mitglied im RFB, geboren am 31.8.1889 und gestorben am 18.4.1933 im Hafenkrankenhaus, Haftgrund politisch (VzH). Gustav Schönherr gehörte zu den ersten Opfern der gleichgeschalteten Polizei in Hamburg. Er stürzte während seiner Vernehmung durch die Stapo im Stadthaus aus dem Fenster des obersten Stockwerks. Nähere Umstände sind nicht bekannt - ebenfalls nicht, ob Gustav Schönherr als Häftling der Stapo in Fuhlsbüttel untergebracht war.

SCHRAGE, Adolf Ludwig O
Von Beruf technischer Angestellter, wohnhaft in Hamburg-Wellingsbüttel, Rehmkoppel 19, geboren am 9.9.1903 und gestorben am 12.10.1944, Haftgrund politisch.

SCHRAGE, Heinrich Friedrich Karl O
Tankstelleninhaber, wohnhaft in Hamburg, Hofweg 6, geboren am 30.9.1893 und gestorben am 12.9.1944, Haftgrund politisch.

SCHRÖDER, Heinrich O71
Von Beruf Metallarbeiter, wohnhaft in Hamburg, Mitglied in der Widerstandsgruppe „KdF“, gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Haftgrund politisch. Heinrich Schröder gehörte dem engeren Kreis der Widerstandsgruppe „KdF“ an. Er war Kommunist und hatte auch Verbindungen zur „Bästlein-Jacob-Abshagen“-Gruppe. Mitte Dezember 1944 wurde er verhaftet; einige Tage später auch seine Frau und sein Stiefsohn.

SCHRÖDER, Hermann O
Rentner, wohnhaft in Hamburg-Harburg, Hohe Straße 14, geboren am 11.3.1880 und gestorben am 20.9.1944 im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses, Haftgrund unbekannt.

SCHRÖDER, Wilhelm Peter O Z
Wohnhaft in Hamburg-Altona, von Beruf Maschinen-Arbeiter. Inhaftiert von April 1943 bis 3. Dezember 1943. Haftgrund politisch. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 10.

SCHRÖTER, Wilhelm O Z
Von Beruf Kellner bei Mitropa, wohnhaft in Berlin, Oderstraße 12a. Als Sanitätssoldat bei der Luftwaffe in Jugoslawien stationiert. Wegen Sabotage dort zum Tode verurteilt, nach Hamburg transportiert. Am 18. Januar 1945 dort angekommen. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 4.

SCHULT, Pauline Franciska (PIII) NS A
Angeklagt im dritten Fuhlsbüttel-Prozess im Hamburger Curio-Haus.

SCHULTS, Karl Martin Max Ernst O Z
Von Beruf Vorarbeiter in einer Maschinenfabrik in Wandsbek, wohnhaft in Hamburg, Neue ABC-Straße 1, verheiratet, vier Kinder. Mitglied in der Widerstandsgruppe „KdF - Kampf dem Faschismus“. Verhaftet am 6. April 1945. Zeuge im Prozess II, Vernehmung am Tag 3.

SCHULTZ, Richard Eduard August Z
Am Tag der Vernehmung 75 Jahre alt. Von Beruf Apotheker. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 13.

SCHULZ, Ella (PIII) NS A
Angeklagt im dritten Fuhlsbüttel-Prozess im Hamburger Curio-Haus.

SCHULZ, Willi Karl E Z
Geboren am 24. Dezember 1897 in Hamburg. Eidesstattliche Aussage von SCHULZ, Karl Willi aus Hamburg Fuhlsbüttel, Kohlgarten 12 in Neuengamme, am 29. November 1946, vor Hauptmann H.P. Kinsleigh, The Cheshire Regt. of War Crimes Investigation Unit BAOR. Zeugenaussage zu Prozess II.

SCHULZE, Hans Karl O Z
Von Beruf Prokurist. Geboren am 21. August 1901 in Hamburg. Verhaftet am 10. April 1945 und auf den Weg nach Kiel-Hassee geschickt. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 8.

SCHULZE, Rudolf O
Geboren am 3.12.1911 und gestorben am 5.2.1945, Haftgrund politisch.

SCHULZKE, Wilhelm August Friedrich (PII) NS A
Wachmann im Polizeigefängnis seit 1943. Von der Arbeitsvermittlung dort hin gesandt (verpflichtet). Seit Juni 1933 in der NSDAP sowie der SA. Angeklagt im zweiten Fuhlsbüttel-Prozess im Hamburger Curio-Haus. Vernehmung am Tag 11.

SCHURBOHN, K. (Frau) Z
Landwirtin in Mühbrook. Zeugin der Anklage im Prozess II hinsichtlich Beobachtungen der Kolonnen auf dem Marsch nach Kiel. Vernehmung am Tag 14.

SCHUSTER, Walter O
Arbeiter aus der Tschechoslowakei, geboren am 3.3.1921 und gestorben am 1.4.1945, Haftgrund politisch.

SCHÜTTE, Karl Otto (PII) NS A
Soldat im 1. Weltkrieg. Eine gewisse Zeit Handelsvertreter für chemische Produkte, Mitglied der SA. Über die Arbeitsvermittlung als Wachmann nach Fuhlsbüttel gekommen um den 20. Juli 1943. Angeklagt im zweiten Fuhlsbüttel-Prozess im Hamburger Curio-Haus. Angeklagt im Prozess II. Vernehmung an den Tagen 12 & 13.

SCHWARZ, Paul Wilhelm O
Von Beruf Schlachtermeister, wohnhaft in Hamburg-Cranz, Haus 19, geboren am 27.3.1888 und gestorben am 23.12.1941, Haftgrund politisch.

SCHWARZE, Gustav Emil O
Von Beruf Elektromechaniker, wohnhaft in Oslo, Norwegen, geboren am 15.10.1900 und gestorben am 19.9.1940, Haftgrund unbekannt.

STANGE, Hans (PI & PII) NS A
Geboren am 19. Mai 1908 in Großflintbek im Kreis Plön, gelernter Bäcker, wird STANGE am 27. August 1947 im Prozess Fuhlsbüttel I zu 5 Jahren und im Prozess Fuhlsbüttel II am 24. September 1947 zu insgesamt 15 Jahren Haft verurteilt (inklusive der Haftstrafe aus Prozess I). Vernehmung am Tag 11.

STEINFATT, Ursula Hellene O Z
Wohnhaft in Hamburg, Osterfeldstraße 88. Staatenlos, aber geboren in Deutschland. Die Nationalität durch Heirat verloren. Am 31. Januar 1945 in Schutzhaft gekommen nach Fuhlsbüttel. Zeugin der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 5.

STEINKE, Willy Gustav Alexius O
Von Beruf Verkäufer, Gemeldet in Tangendorf, Reichsautobahnlager, geboren am 24.11.1896 und gestorben am 6.11.1939, Haftgrund politisch (Heimtücke).

ST. GOAR, Simon Otto O
Von Beruf Exportkaufmann, wohnhaft in Hamburg, Ostmarkstraße 4, geboren am 3.12.1869 und gestorben am 12.12.1938, Haftgrund rassisch (Jude).

STOLLBERG, Otto O
Wohnhaft in Altona, Conradstraße 10, geboren am 5.8.1873 und gestorben am 17.12.1936, Haftgrund politisch.

STRELZOWA, Anastasia O
Ostarbeiterin aus der Sowjetunion, geboren am 31.12.1923 und gestorben am 2.6.1944, Haftgrund unbekannt. Die Russin Anastasia Strelzowa wurde zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Aus noch unbekanntem Grund wurde sie von der Gestapo verhaftet und starb zwanzigjährig während der Haft. Ihr Name steht auch für Hunderte weiterer Mädchen und Frauen aus der Sowjetunion sowie aus Polen, die, nach Deutschland zur Zwangsarbeit verschleppt, hier in Hamburg ums Leben kamen.

STRELZOWA, Sinaida O71
Arbeiterin aus der Sowjetunion (Ukraine), gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Haftgrund politisch. Sinaida Strelzowa war Zwangsarbeiterin („Ostarbeiterin“) auf der Stülckenwerft. Sie gehörte der illegalen Betriebszelle der „BJA“-Organisation an und organisierte insbesondere unter den „Ostarbeitern“ des Betriebes den Widerstand.

STROTZKUAT, Iwan O
Aus der Sowjetunion. Gestorben am 22.4.1945. Der zur „KdF“-Gruppe gehörende „Ostarbeiter“ Iwan Strotzkuat kam auf dem Marsch der „Kola-Fu“-Häftlingen in das Kieler „Arbeitserziehungslager Nordmark“ ums Leben.

STRÜBING, Hermann O
Von Beruf Polizeimeister, wohnhaft in Hamburg, geboren am 30.6.1891 und gestorben am 27.11.1939, Haftgrund politisch.

STUEVE, Gustav Johann (PIII) NS A
Angeklagt im dritten Fuhlsbüttel-Prozess im Hamburger Curio-Haus.

STÜVE, Jonny Aug. Wilhelm O
Von Beruf Tischler, wohnhaft in Hamburg, Alter Teichweg 180, Mitglied in KPD, DMV, BJA, geboren am 6.2.1902 und gestorben am 25.7.1944, Haftgrund politisch (VzH). Der Kommunist und Gewerkschafter Jonny Stüve gehörte der engeren Leitung der „Bästlein-Jacob-Abshagen-Widerstandsgruppe an und zählte während des Krieges zu den Organisatoren des antifaschistischen Widerstandes in Hamburg. Seiner Verhaftung durch die Gestapo folgten schwere Misshandlungen. Sein Tod im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel wurde offiziell als „Selbstmord“ deklariert.

TANTS, Dr. jur.
Rechtsanwalt des Angeklagten TESSMANN.

TEMPLIN, Johann Heinrich O
Von Beruf Kaufmann, wohnhaft in Hamburg, Paulinenallee 11B, Mitglied in der KPD, geboren am 25.1.1887 und gestorben am 17.9.1933, Haftgrund politisch (VzH). Johann Templin war ein besonders unter den Hafenarbeitern bekannter Gewerkschafter und Kommunist. Anfang 1933 wurde er Leiter der Stauerei-Genossenschaft „Einheit“. Am 14. September 1933 wurde „Jan“ auf einer illegalen Zusammenkunft von Funktionären der KPD im Stadtpark von der Stapo verhaftet und der Hafenbetrieb geschlossen. Seine Leiche wurde „zwecks Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung“ polizeilich beschlagnahmt und im Krematorium des Ohlsdorfer Friedhofes verbrannt.

TENNIGKEIT, Käthe Frieda O
Ehefrau von Richard Tennigkeit, wohnhaft in Hamburg-Berne, Moschlauer Kamp 24, Mitglied in KPD und BJA, geboren am 2.4.1903 und gestorben am 20.4.1944, Haftgrund politisch (VzH). Käthe Tennigkeit beteiligte sich mit ihrem Mann Richard aktiv am antifaschistischen Widerstand in Hamburg. Beide waren während des Krieges Mitglieder in der illegalen Widerstandsorganisation „Bästlein-Jacob-Abshagen“, deren Ziele die Beendigung des Krieges, Beseitigung des Naziregimes sowie die Schaffung eines antifaschistischen Deutschlands waren. Im Februar 1944 von der Gestapo verhaftet, kam Käthe Tennigkeit ins Polizeigefängnis Fuhlsbüttel, Richard ins KZ Neuengamme. Richard Tennigkeit kam am 12. Dezember 1944 in Neuengamme ums Leben, seine Frau schon knapp 8 Monate früher.

TESSMANN (Teßmann), Willi Bernhard Karl (PI & PII) NS A
Angeklagt im Prozess I (Anklagepunkt auf Seite 113) und II (Anklagepunkte auf Seiten 116 & 117) im Hamburger Curio-Haus. Wohnhaft in Hamburg, Tangstedter Landstraße 227, geboren am 15. Januar 1908 und hingerichtet am 29. Januar 1948 in Hameln. Vernehmungen an den Tagen 8, 9, 10 & 17.

TIEDE, ? (Frau) O Z
Von Beruf Psychologin. Inhaftiert in Fuhlsbüttel vom 23. November 1942 bis zum 11. November 1943. Laut Aussage die ganze Haftzeit in Isolationshaft. Zeugin der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 17.

THES, Heinrich O
Von Beruf kaufmännischer Angestellter, wohnhaft in Altona, Große Mühlenstraße 8, geboren am 7.12.1881 und gestorben am 9.3.1935, Haftgrund politisch.

THUMANN, Anton (PIII) NS A
SS-Obersturmführer und Schutzhaftlagerführer in unterschiedlichen Konzentrationslagern. Geboren am 31. Oktober 1912 in Pfaffenhofen. Tod durch Hinrichtung am 8. Oktober 1946 in Hameln. Er war gelernter Schreiner, aber nach Ende seiner Ausbildung bis 1932 arbeitslos. Seit Anfang April 1932 Mitglied der SS (SS-Nr. 24.444) und seit Anfang Mai 1933 der NSDAP (Mitgliedsnummer 1.726.633). Ab 1933 Angehöriger der Wachmannschaft des KZ Dachau in der SS-Totenkopfstandarte „Oberbayern“. Thumann wurde Blockführer und war zuletzt in der Schreibstube der Abteilung Kommandantur eingesetzt. Ab August 1940 im KZ Groß-Rosen eingesetzt (zu diesem Zeitpunkt noch ein Nebenlager des KZ Sachsenhausen). Unter Lagerkommandant Arthur Rödl wurde Thumann ab Anfang Mai 1941 Schutzhaftlagerführer des nun eigenständigen Konzentrationslagers Groß-Rosen. Von Mitte Februar 1943 bis März 1944 war er als Schutzhaftlagerführer im KZ Majdanek eingesetzt. Aufgrund seiner sadistischen Neigungen, der Teilnahme an Selektionen, Vergasungen und Erschießungen (Aktion Erntefest) wurde er von den Häftlingen der „Henker von Majdanek“ genannt. Von Mitte April 1944 bis zur Evakuierung des KZ Neuengamme Ende April 1945, war Thumann der dortige Schutzhaftlagerführer und löste Albert Lütkemeyer ab. Nachdem die Evakuierung des KZ Neuengamme bereits im Gange war, wurden auf Befehl des Höheren SS- und Polizeiführers Georg-Henning Graf von Bassewitz-Behr 58 männliche und 13 weibliche Widerstandskämpfer aus dem Außenlager Fuhlsbüttel zur Exekution in das KZ Neuengamme gebracht. Unter Teilnahme von Thumann wurden diese vom 21. bis zum 23. April 1945 im Arrestbunker erhängt. Nach Kriegsende wurde Thumann verhaftet und am 18. März 1946 wegen der Teilnahme an Verbrechen im KZ Neuengamme angeklagt. Am 3. Mai 1946 wurde Thumann zum Tode durch den Strang verurteilt und am 8. Oktober 1946 im Zuchthaus Hameln hingerichtet.
Quellen: Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich: Wer war was vor und nach
1945. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8;
Hermann Kaienburg: Das Konzentrationslager Neuengamme 1938–1945. Dietz, Bonn 1997,
ISBN 3-8012-3076-7; Wolfgang Benz, Barbara Distel (Hrsg.): Der Ort des Terrors / Geschichte
der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 7: Niederhagen / Wewelsburg, Lublin-
Majdanek, Arbeitsdorf, Herzogenbusch (Vught), Bergen-Belsen, Mittelbau-Dora. C.H. Beck,
München 2008, ISBN 978-3-406-52967-2.

THÜREY, Auguste Luise Magda O
Von Beruf Lehrerin, wohnhaft in Hamburg, Emilienstraße 30, Mitglied in KPD und BJA, geboren am 4.3.1899 und gestorben am 17.7.1945 im Universitätsklinikum Eppendorf, Haftgrund politisch (VzH). Magda Thürey soll hier für alle jene Häftlinge genannt werden, die an den Folgen der Haft im „Kola-Fu“ starben. Mit ihrem Mann hatte sie der „Bästlein-Jacob-Abshagen“-Gruppe angehört. Paul Thürey wurde am 26. Juni 1944 im Untersuchungsgefängnis hingerichtet, Magda Thürey erlebte nach 18 Monaten Haft ihre Befreiung durch die Briten. Sie war fast völlig gelähmt und zu einem Gerippe abgemagert. Ihre Beisetzung auf dem Ohlsdorfer Friedhof am 23. Juli 1945 wurde zu einer großen antifaschistischen Manifestation.

TIMMERMANN, ? Z
Nachbar von Heinrich Ostwald, ebenfalls aus Einfeld bei Neumünster. Lokomotivführer bei der Reichsbahn. Zeuge der Anklage im Prozess II hinsichtlich der Beobachtungen auf dem Marsch nach Kiel. Vernehmung am Tag 14.

TIPPE, Wilhelm O
Von Beruf Maurer, wohnhaft in Hamburg, Mitglied in der SPD, geboren am 11.2.1892 und gestorben am 30.5.1937 im Allgemeinen Krankenhaus Barmbek, Haftgrund politisch (VzH).

TITIUS, Alfons Karl Emil (PIII) NS A
Angeklagt im dritten Fuhlsbüttel-Prozess im Hamburger Curio-Haus.

TRETTIN, John Wilhelm Ernst O
Arbeiter, wohnhaft in Hamburg, Horner Landstraße 492, Mitglied in der KPD, geboren am 30.5.1892 und gestorben am 6.11.1933, Haftgrund politisch (VzH).

TSCHISCHOW, Sergei O
Aus der Sowjetunion, geboren am 20.10.1919 und gestorben am 17.1.1945 im Hafen bei einem Fliegerangriff., Haftgrund unbekannt.

UMLAND, Otto Karl O
Wohnhaft in Hamburg-Groß Flottbek, Achternstieg 13, Mitglied der KPD, geboren am 28.12.1898 und gestorben am 17.5.1934, Haftgrund politisch (VzH).

VRIES, Cornelius de O71
Geboren am 12.6.1923. Gehört vermutlich zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Cornelius de Vries gehörte der Hamburger „Swing“-Jugend an.

WAND, Kurt Willi O Z
Von Beruf Angestellter, wohnhaft in Hamburg, Bundesstraße 40, geboren am 12. Mai 1915. Verhaftet am 23. Juni 1944 und inhaftiert bis zum 6. März 1945. Haftgrund politisch. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung an Tagen 5 & 6.

WARNER, Major Frederick Michael (BAOR)
Major in der Britischen Generalität, untersuchte die Gebäude in Fuhlsbüttel und fand im Block A in den Kellerräumen handgeschriebene Notizzettel. Es waren die Aufzeichnungen des Dr. John Gluck (in Hamburg tätiger Arzt aus Südafrika). Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 7.

WESTERMANN, Hans O
Von Beruf Schneider, wohnhaft in Hamburg, Mitglied in KPD und ADGB, geboren am 17.7.1890 und gestorben am 16.3.1935, Haftgrund politisch (VzH). Der ehemalige Bürgerschaftsabgeordnete Hans Westermann beteiligte sich trotz mehrmonatiger Haft 193311934 am antifaschistischen Widerstand in Hamburg. Im Frühjahr 1935 erfolgten mehrere Verhaftungen von Mitgliedern der nach ihm benannten, illegalen Widerstandsgruppe. Hans Westermann selbst wurde am 5./6. März 1935 verhaftet und anschließend im „Kola-Fu“ schwer misshandelt.

WESTPHAL, Dr. jur. Paul
Rechtsanwalt des Angeklagten STANGE.

WETZSTEIN, Ernst Friedrich O
Rentner, wohnhaft in Hamburg, Dennerstraße 15, geboren am 2.12.1883 und gestorben am 31.10.1933, Haftgrund unbekannt.

WICHMANN, Hermann O
Von Beruf Reisender, wohnhaft in Hermannsburg (Lüneburger Heide), geboren am 6.11.1894 und gestorben am 15.3.1943 im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses, Haftgrund politisch.

WILSKI, Alexander O
Arbeiter aus der Sowjetunion, geboren am 4.7.1913, gestorben am 25.4.1945 im Ausländerkrankenhaus Langenhorn, Haftgrund unbekannt.

WITTSTOCK, Ursula Henriette Augusta O Z
Wohnhaft in Hamburg, Altstädterstraße 15. Inhaftiert am 1. Oktober 1944. Zeugin im Prozess II, Vernehmung am Tag 2.

WOLFF, Ludwig Reinhard O
Von Beruf Apotheker, wohnhaft in Hamburg, Mittelweg 15, geboren am 23.2.1883 und gestorben am 26.10.1939, Haftgrund rassisch (Jude).

WRIEDT, Max Heinrich O
Von Beruf Zimmergeselle, wohnhaft in Elmshorn, Timm-Kröger-Str. 9, Mitglied in KPD und RFB, geboren am 3.4.1886 und gestorben am 21.1.1935, Haftgrund politisch (VzH). Der Kommunist Max Wriedt beteiligte sich aktiv am antifaschistischen Widerstand in Elmshorn. Schon 1933 war er vorübergehend in den ersten Konzentrationslagern in Schleswig-Holstein, Glückstadt und Kuhlen inhaftiert. Er wurde in Fuhlsbüttel schwer misshandelt, weil er aufgrund zahlreicher politischer Auseinandersetzungen schon aus der Zeit vor 1933 bekannt war.

WULF, Kätchen Margarete Marie (PIII) NS A
Angeklagt im dritten Fuhlsbüttel-Prozess im Hamburger Curio-Haus.

WUSTMANN, Artur Richard O
Von Beruf Färber, wohnhaft in Hamburg, Müggenkampstraße 20, Mitglied in der KPD, geboren am 16.2.1905 und gestorben am 26.9.1934 im Universitätsklinikum Eppendorf, Haftgrund politisch (VzH).

ZIENAU, Fritz Friedrich Ludwig Z
Wohnhaft in der Schmalfelder Allee in Kaltenkirchen, als Gendarm bei der dortigen Polizei tätig. Als Zeuge der Anklage im Prozess II vernommen. Aussagen über den Durchzug der Häftlinge und deren Unterkunft in Kaltenkirchen. Vernehmung am Tag 4.

ZIMMERMANN, P.W.E. Z
Wohnhaft in Hamburg, Kleingartenkolonie Hellbrock, Haus 106. Vorsitzender der dortigen Kleingartenanlage. Die Angeklagte SCHULZKE lebt in der Kolonie. Zeuge der Anklage im Prozess II. Vernehmung am Tag 15.

ZINKE, Margarete O71
Hausfrau, wohnhaft in Hamburg, Falkenried 26, Haus 10, geboren am 18.1.1914, Mitglied in der KPD und Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe, gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Haftgrund politisch.

ZINKE, Paul Erich O71
Von Beruf Elektriker, wohnhaft in Hamburg, Falkenried 26, Haus 10, geboren am 8.3.1901, Mitglied in KPD und Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe, gehört zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden. Haftgrund politisch. Margit und Paul Zinke hatten erst im Juli 1944 geheiratet. Sie waren beide aktiv im Widerstand und wohnten zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung vermutlich illegal in der Sierichstraße 18.

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