Die Buchreihe ‚Insel 64‘

Bild: Fragen an den Autor

Fragen an den Autor

Zwei Bücher sind es in dieser Reihe nun. Das erste kam Ende Januar und das zweite Mitte Juli 2022. Im ersten Buch befinden wir uns im Jahr 2148, und es geht nicht mehr um die Frage ‚Was machen wir?‘ sondern um ‚Wie geht es nun weiter?‘. In den Monaten nach dem Erscheinen von Insel 64 ließ mich der Gedanke an die Menschen im Buch aber nicht mehr los; ich habe mich ihnen angenähert. Ein Folgeroman ist zwar in Arbeit, trotz allem war ich unzufrieden. Etwas fehlte. Bis mir klar wurde, dass ich 110 Jahre übersprungen habe (aus Romansicht) und ich viel früher ansetzen muss. Wie hat das angefangen im Jahre 2038? Damit muss ich mich beschäftigen. Mit diesem – nur für einen Schreiberling entscheidenden Punkt – kamen weitere Fragen, die ich mir als Autor stelle (immer unter der Roman-Prämisse einer Flucht auf Inseln).

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Die Story geht weiter. Jetzt!

Cover des neuen Buches 'Die Niederlage der Nike'
Der Erzählband ‚Die Niederlage der Nike‘

Liebe Lesende!

Da ist er nun, der neue Erzählband: Hier geht es zum Buchshop

Ein bisschen was zum Inhalt. Zwölf Geschichten aus aller Welt. Spielen alle in naher Zukunft, aber es sind keine genauen Zeitangaben enthalten. Was aber auch nicht wichtig ist. Klimaextreme und eine Pandemie in Kombination zwingen Menschen zu Entscheidungen.

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Jäger und Gejagte

Was macht er denn?

Für alle, die sich fragen, was um alles in der Welt ich denn gerade tue, hier die Antwort: schreiben, natürlich. Das aktuelle Projekt beschäftigt mich mindestens acht Stunden am Tag. Wobei viel Zeit auch für Recherchen, Skizzen, Entwürfe, Namensfindungen, Telefonate über Telefonate und all den anderen Kram draufgeht. Es genügt meist nicht, sich hinzusetzen und ein paar Worte in die Tastatur zu hauen. Schreiben hat auch viel mit sich bilden zu tun, Wissen vertiefen, Sichtweisen zu verschieben, andere Standpunkte einzunehmen. Das ist, ehrlich gesagt, nicht immer so einfach, weil wir alle selbstverständlich in unseren adaptierten und antrainierten Routinen handeln – und wieder in sie zurückfallen. Schreiben kann ganz schön anstrengend sein.

Um was geht es denn?

Puh, das werde ich jetzt zum ersten Mal nicht verraten. Bei allen anderen Büchern war mir das egal. Der Grund? Alle bisherigen Bücher (bis auf eines) enthielten mehr oder weniger Autobiographisches. Da war das Schreiben in der Tat recht einfach und es gab auch keine Geheimnisse. Etwas Kaffee, bisschen gute Musik, und die Sache läuft. Die erwähnte Ausnahme war das Buch über meinen Opa, das aber keine Belletristik ist. Für so eine Dokumentation wie Der lange Arm der Gewalt, musste ich die vorhandenen Dokumente und Infos in die richtige Reihenfolge bringen, Genehmigungen einholen und alles in möglichst lesbare Formulierungen packen. Sehr viel Zeit war nötig, aber nicht wirklich ein Geheimnis.

Beim neuen Projekt aber geht es um eine Welt in der Welt. Vielleicht kann man es einen Blick auf eine mögliche Zukunft des Menschen nennen. Ich werde Euch beizeiten weiterhin auf dem Laufenden halten. Momentan liege ich gut im Zeitplan. Angestrebt sind so die üblichen maximal 400 Seiten und ich nehme die Fertigstellung der Rohfassung mal für Ende Dezember ins Auge, was dann sechs Monate schreiben hieße und danach dann Überarbeitung. Okay, es wird auf jeden Fall nächstes Jahr, aber ich nehme mir vor, zum letzten Kapitel ein paar mehr Infos rauszurücken.

Die Hauptsache

Eines kann ich Euch aber schon verraten: es macht Spaß. Sogar sehr viel. Und es ist anstrengend. Manchmal wache ich mitten in der Nacht auf, steige aus dem Bett, weil mir was eingefallen ist (kann auch die Entdeckung eines Fehlers sein) und setze mich dann an den Schreibtisch, tippe bis in den späten Morgen und lege mich dann noch mal hin. Oder es kommt vor, dass tagsüber eine Blockade wie ein Brett vor meinem Kopf hängt, vielleicht, weil ich ein logisches Problem nicht lösen kann und plötzlich, am Abend, macht es Klick, und es geht los bis in die Nacht hinein. Tja, schreiben ist schon eine komische Tätigkeit … aber ich schätze, malen oder Musik komponieren bringen die gleiche Unruhe ins Leben.

Jetzt mach ich mal weiter. Noch schnell nen Kaffee holen … bis bald.
Euer Heiko

PS.: Ich möchte noch meinen Leser:innen danken für den Kauf der Bücher und hoffe, Euch ein wenig damit zu unterhalten. Etwas Ruhe beim Lesen in diesen aufregenden Zeiten kann ja nicht schaden.

Ich erinnere an … / Teil 8

Heute denke ich an Hermann, Friedrich, Moriz, Anna und Aron

Hier ist die Verbindung

Hermann ALLERS
Wohnhaft in Hamburg, geboren 1887. Gehörte zu den 71 Inhaftierten, die am 21. bzw. 23. April 1945 im KZ Neuengamme gehenkt bzw. ermordet wurden.

Warum? Warum wurden Hermann und 70 andere Menschen von Fuhlsbüttel nach Neuengamme verbracht und hingerichtet? 13 Frauen und 58 Männer. Bestialisch. Im Arrestbunker mit Handgranaten, Kopfschüssen oder erschlagen. Niemand von ihnen war ein/e Kriminelle/r. Und was mich dabei besonders ärgert, sind Menschen, die sich heutzutage mit Hermann und all den anderen damaligen Opfern identifizieren, etwa auf Querdenker-Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen. Menschen, die allen Ernstes Mord mit Handgranaten, Kopfschüssen oder Knüppel dem gleichsetzen, was die Polizei tut, wenn nachvollziehbare Auflagen nicht eingehalten werden. Egozentriker. Da sehen wir keine Weltbilder mehr, nur noch ICH-Bilder. Viele der 71 Ermordeten waren hingegen Widerstandskämpfer:innen im Sinne des Wortes. Keine Freizeithelden aus Gründen von ‚mir geht es zu gut‘.

Friedrich ANDERSEN
Friedrich war von Beruf Schneider. Er wohnte in Hamburg in der Große Theaterstraße 48 und wurde am 7.10.1897 geboren. Vielleicht war Friedrich in der KPD oder der SPD, der Haftgrund ist wohl nicht verzeichnet, ab er wurde am 28.10.1937 ermordet.

Moriz APPERMANN
Von Beruf war Moriz ein Kaufmann, ein kaufmännischer Angestellter. Auch er wohnte in Hamburg, in der Emilienstraße 87 und wurde geboren am 15.4.1883 in Wien. Er war Österreicher und weigerte sich, einen jüdischen Vornamen anzunehmen, wie die Nazis es den jüdischen Mitbürgern vorschrieben. Dafür wurde er verurteilt. Er wurde am 30.3.1942 ermordet.

Anna ARAPOWA
Anna war eine der Zwangsarbeiterinnen, die beim Norddeutschen Leichtmetall- und Colbenwerk (NOLEICO) in Altona als gefangene Soldatinnen der Roten Armee zur täglichen Arbeit gezwungen wurde, und das bei schlechter Verpflegung. Genau dagegen haben die Frauen dann protestiert, die Arbeit niedergelegt. Das Werk rief die Gestapo. Fünf der Frauen ließ man als ‚Rädelsführerinnen‘ verhaften. Sie kamen nach Fuhlsbüttel. Anna wurde geboren am 22. Oktober 1916 in Sverdlowsk, in der Sowjetunion. Am 15. November 1943 wurden sie in den Winsbergen bei Eidelstedt nördlich von Altona durch Genickschuss hingerichtet. Die anderen russischen Zwangsarbeiterinnen aus dem Werk mussten zur Abschreckung zuschauen.

Aron AUERBACH
So wie Moriz, war auch Aron von Beruf Kaufmann, wohnhaft in Hamburg in der Hansastraße 74, geboren am 20.4.1869 und ermordet am 5.7.1938, Haftgrund war rassisch, denn Aron war ebenso wie Moriz Jude.

Wären Moriz und Aron noch unter uns und sähen die Benutzung des von den Nazis im September 1941 eingeführten ‚Judensterns‘ als Meinungs- und Identifikationssymbol von Menschen, die eine Impfung mit den ‚Sofortmaßnahmen der Judenfrage‘ gleichsetzen, würden beide den Kopf schütteln und sich mindestens ungläubig wegdrehen. Eine Beleidigung all der Opfer. Eine Verhöhnung des Leids. Mir fehlt dafür jegliches Verständnis. Dafür gibt es noch nicht mal den Hauch einer Entschuldigung. Ein einziger Grund, sich fremdzuschämen.

Hier ist die Verantwortung

Seit mehr als 20 Jahren beschäftige ich mich jetzt mit dem Komplex um meinen Opa (ja, ich sage immer noch ‚Opa‘, denn das war er ja und wird es immer sein). Vor allem das Buch von Herbert Diercks (das es leider nicht mehr gibt) habe ich mehr als einmal durchgearbeitet, bis es auseinanderfiel und ich mir ein neues besorgte. Und dort drinnen die Namen, von denen ich nach all den Jahren schon einige zu kennen meine. Sich mit diesen Namen beschäftigen und dahinter erst Personen, dann Menschen, dann deren Leben (sofern aufgezeichnet) und Wirken zu sehen, schafft eine Verbindung. Man kann Menschen kennenlernen, indem man sich nur mit ihrem Vermächtnis beschäftigt. Eine emotionale Verbindung aufbauen. Was zeigt, dass sie nur physisch nicht mehr hier sind. Sie leben immer noch unter uns. In unserem Gedächtnis und den damit verbundenen Emotionen. Sie sind nicht tot. Und das ist die Verantwortung, die sie uns aufbürden, die wir uns selbst aufbürden. Das ist unsere Pflicht. Keine Schuld, sondern Pflicht. Das tut Geschichte, wenn man sich mit ihr im besten menschlichen Sinne beschäftigt. Die Nazis, die Neurechten, Populisten, Ewiggestrigen können das nicht. Geschichte ist ihr Feind. Dort steht, dass sie unrecht haben.

Anmerkung des Autors

Denjenigen unter uns, die der Meinung sind, Pandemie-Maßnahmen in Deutschland bzw. weltweit, seien auch nur ansatzweise mit Handlungen der Gestapo oder den totalitären Wesenszügen des Dritten Reichs vergleichbar, möchte ich nahelegen, solche kleinen Geschichten zu lesen und genau darüber nachzudenken, ob irgendjemand heutzutage so behandelt wird, nur weil er gegen Corona-Maßnahmen demonstriert. Wer diesen Vergleich zieht, verhöhnt Hermann, Friedrich, Moriz, Anna und Aron und all die anderen Opfer des Naziterrors. Ich kann nur schlussfolgern, dass hier ein sehr begrenztes Wissen bzw. Ahnungen oder Hörensagen vorliegen und man sich in keinster Weise mit den massenhaft zur Verfügung stehenden Quellen beschäftigt hat, sondern sich auf das verlässt und man dem folgt, was moderne Rattenfänger streuen, um eigene Ziele zu verfolgen. Das ist peinlich und beschämend. Zumal im Zuge dieser Rattenfänger-Maßnahmen Rassismus und Antisemitismus aufblühen, und Mitmarschierer sich das automatisch zu eigen machen.

Wahn und Wirklichkeit / 1

Filme, Serien, Verschwörungen, Politiker und die Realität

Wie verbreitet sich eine Idee? Also in den 70ern haben wir uns freitags im ZDF immer ‚Der phantastische Film‘ angesehen. Und natürlich musste die ARD mitziehen. Sie brachte in der Reihe ‚Science Fiction‘ zweimal im Monat samstags um 22 Uhr echte Klassiker, darunter den nach wie vor hochaktuellen „2022 – die überleben wollen“, mit Charlton Heston. Ende der 70er, Anfang der 80er, bevor das Unheil der Privaten über uns hereinbrach, waren aus meiner Sicht die Glanzzeiten des Fernsehens. Weltspiegel, Auslandsjournal, Monitor, Autorenfilme von Schlöndorff oder Fassbinder. Ein Traum. Und echtes Bildungsfernsehen. Na gut, was haben wir Jungs also damals gemacht? Salzstangen, Erdnüsse, Chips und jede Menge Bacardi-Cola, Filme geguckt und drüber geredet, über ‚1984‘ oder ‚Fahrenheit 451‘ oder ‚Angst essen Seele auf‘. Danach kam das Thema auf den Eisernen Vorhang, die Sowjets, Mehrfachsprengköpfe, Petting statt Pershing und dann kamen wir zu den Mädels. Am Ende aber, kurz vor dem Einschlafen, mussten wir noch einmal an die Filme und unsere Diskussion denken. Was hatten wir gesehen? Und wie unterscheidet sich das Gesehene von der Welt da draußen? Telefon mit Wählscheibe. Drei TV-Sender. Radio. SWF3, Frank Laufenberg stellt coole Musik vor.

Wir lebten

Wir lebten in der realen Welt. Und tauchten wir einmal ab in das Phantastische, das (Un)Denkbare, wussten wir doch, woher wir kamen. Aus dem realen Leben. Mit all seinen Fehlern und Schönheiten. Und diese Fehler und Schönheiten gab es überall. In der KPdSU ebenso wie im Westen. In Fernost ebenso wie in Nahost. Wir wussten auch, dass die CIA Pinochet ermöglichte, dass Apartheid in Südafrika scheiße ist und dass manch Alte mit ihren Sprüchen (Mach doch rüber, wenn es dir hier nicht passt!) mit mindestens einem Fuß noch in ihrer Naziwohnung lebten. Wir wussten, dass Arafat und die Israelis es nur schafften, wenn jeder den anderen so akzeptierte, wie er war. Wir wussten, dass manche unserer Lehrer Nazis waren und die FDP ebenjene aufgenommen hat nach dem Krieg. Alles war Realität. Nichts war Fiktion oder Verschwörung. Natürlich traf man hin und wieder christliche oder andere Fundamentalisten, Flacherdler, Esoteriker, in Orange gekleidete Bhagwan-Buchverkäufer und Hippies aller Art mit bunten VW-Bussen und jeder Menge Gras im Reservereifen. Selbst Ali unten im Gemüseladen sagte immer: „Mein Jott, wat für ne Spinner.“ Wir schafften es immer, in die Realität zurückzukehren. Denn wenn wir diese Menschen hinter uns ließen, erreichten ihre Botschaften uns nicht mehr. Bücher musste man nicht kaufen. Im Fernsehen kam der Quatsch nicht. Höchstens Däniken schaffte es mal auf einen Sendeplatz, aber danach war Abendessen und Handballtraining. Danach diskutierten wir darüber und stellten fest: Morgen ist Schule und die Sabine ist ein heißer Feger. Wir waren geerdet.

Das Multiversum der Botschaften

Das hat sich geändert. Radikal. Nichts ist mehr so, wie es war. Die Geschwindigkeit von Veränderung hat sich mehrfach potenziert. Und überall sind die Botschaften. Auf Twitter, Instagram, Mastodon, Gab (rechtes Netzwerk), TikTok, Snapchat, WhatsApp, Facebook, Telegram. Alle Botschaften laufen unzählige Male hin und her, hochgradig vernetzt, vom einen erweitert um dies Gerücht, von der anderen als Fakt von der Freundin einer Cousine, deren Tante schon mal was gelesen hat, ins Netz gestellt. Unumstößliche Wahrheiten allenthalben und wesentlich mehr, als es überhaupt Wahrheit gibt. In diesen Moloch aus Verbreitung, stoßen Filme und Serien von Fox, HBC, Netflix, Amazon Prime, Disney+ und wie sie nicht alle heißen. Und ein Großteil der Serien MUSS sich verkaufen. Und was verkauft sich besser als Verschwörung? House of Cards, Matrix, Deep State, Blacklist usw. Filme und Serien, die das Potential des Menschen, an Verschwörungen aller Art zu glauben, in höchstem Maße nutzen, gibt es wie Sand am Meer. Doch anders als wir damals, die sich einen Film ansahen, danach diskutierten und das wars, hat aus irgendeinem Grund die soziale und emotionale Deprivation zugenommen und die Menschen suchen sich Gleichgesinnte im Ozean des Internets, im Sumpf der Sozialen Medien. Sie wachen nicht mehr auf, finden nicht mehr den Weg in die reale Welt. Und nach einer gewissen Zeit, wird ihre Gedankenwelt zur Realität. Leben in einer Sackgasse, die gleichzeitig Einbahnstraße ist. Alles was von außerhalb kommt, findet nicht mehr den Weg dort hinein – oder wenn, dann kann es nur falsch sein. Ein Fake. Realitätsverlust, Hunger nach dem, was nicht sein kann, der Verschwörung, dem zündenden ‚ich hab es schon immer gewusst‘-Effekt. Plötzlich sieht man überall passende Sätze, Zeichen, Symbole, Geschehnisse. Fäden werden gesponnen, wo es in tausend Jahren keinen Zusammenhang gab und gibt. Und nun wird es fatal: die Politik macht sich das zunutze. So wird bestätigt, was vorher nur Verschwörung war. Nicht gehört zu werden, verstärkt den Außenseiter-Trotz umso mehr.

Der Untergang der Realität

Das Perfide: Die Melange aus Deep State-Quatsch, QAnon-Mist, Esoterik, Verschwörung allenthalben ist als Rezeptur geeignet, Wahlen zu beeinflussen, direkt und unmittelbar. Demokratien zu unterminieren. Familien zu zerstören. Chaos zu produzieren. Etwa: Die Unwetterfronten in NRW und RLP wurden erzeugt, gesteuert, um die Umvolkung zu beschleunigen. Hauptsächlich zwei Sorten von Menschen produzieren solche Idiotien:
1. die bewusst Lenkenden und
2. die unter Selbstsucht und Aufklärungswahn leidenden Paranoiker.

Zu 1: Die bewusst Lenkenden
Darunter fallen solche Menschen wie Friedrich Merz oder Hubert Aiwanger, aber auch der Führungstrupp der AfD. Allerdings gibt es unter den Lenkenden ein unsichtbares Levelsystem, ähnlich einem Computerspiel. Deutsche Politiker gehören auf jeden Fall NICHT zu den Endgegnern. Immerhin: mit der Verbreitung, dem dauernd am Kochen halten von Schwachsinn, verfolgen diese als Politiker auftretenden Menschen genau EIN Ziel: Angst schüren/verbreiten, Unsicherheiten bei labilen Menschen verstärken, also Wähler für sich zu gewinnen – oder zumindest Nichtwähler zu generieren. Die wirklichen Verursacher/Anwender dieser Taktik, die Hebammen der Verschwörungen, kann man auf eine relativ geringe Anzahl eingrenzen. Aber sie nutzen die Sozialen Medien, die Privatkanäle, die Möglichkeiten des digitalen Zeitalters wie Weltmeister. In dieser Disziplin sind sie allen anderen überlegen. Das muss man mal so sagen. Und sie sind vernetzt. Und sie haben Geld. Eine Menge. Ihre Strategien sind ausgereift, ausgefeilt und sehr flexibel. Ihr Tun folgt immer einer Agenda. Auch wenn sich Gruppierungen unter ihnen nicht so mit anderen Gruppierungen verstehen, gibt es gemeinsame Schnittmengen(-personen), die die Zusammenarbeit effektiv machen. Da denken wir an die Kohlebergbaubetreiber (unter anderen) als Geldgeber für Thinktanks gegen die wissenschaftlichen Studien zum menschengemachten Klimawandel bzw., die Verunglimpfung des IPCC und der vielen tausend Wissenschaftler weltweit. Und diese Thinktanks bestehen wiederum aus Menschen mit nationalkonservativem und/oder neurechtem Hintergrund, die bspw. auch diesen Leugner-Verein E.I.K.E. unterstützen, indem dann wieder Menschen aus der AfD reüssieren, denen Klima egal ist, aber was gegen die Umvolkung tun wollen usw. usf., und als Lautsprecherwagen und Verkünder tauchen dann die Medienzaren der Verschwörung auf, etwa Oliver Janich oder Ken Jebsen oder Samuel Eckert. Zwischen diesen einzelnen Zentren der Verschwörungsgläubigen wandern dann die Themen je nach momentaner politischer Lage hin und her, werden angepasst, neu formuliert, mit einem anderen Kontext versehen, und am Ende … weiß kaum noch einer der Zuhörer:innen, was eigentlich so passiert, real ist oder Fake. In diesem Universum an erschaffener, künstlicher Unsicherheit, braucht es nur noch einen Kulminationspunkt, und schon haben wir die Scheiße. Genau die Scheiße, vor denen die Verschwörungstrottel:innen Angst haben. Dass nämlich ihre Welt zugrunde geht. Dass sie dabei selbst am meisten beteiligt sind, ist jenseits ihrer Realität.

Zu 2: die unter Selbstsucht und Aufklärungswahn leidenden Paranoiker
Ach ja, die hätte ich fast vergessen. Für die gibt es Tabletten.

Viele Politiker sind sich für nichts zu schade

In Zeiten schwindender Mehrheiten und der Transformation von ehemaligen Volksparteien zu Fanclubs eines Drittligisten, sind Politiker geradezu zwanghaft bemüht, aus dem ganzen Mist Kapital zu schlagen. Ihre politische Daseinsberechtigung ziehen sie nicht mehr aus klaren, abgrenzbaren Utopien (einen Fahrplan dorthin mit eingeschlossen), sondern nur noch aus Diffamierung und verbalem Ätznatron, Teile von Verschwörungsquatsch mit eingebaut. Nicht die Politik ist in einer Krise oder die Demokratie, nein, die Politiker sind in einer Krise und spülen dadurch das ganze politische System die eigene Toilette hinunter. Und es ist ihnen nicht mal bewusst. Offenbar gehen wirklich nicht die Klügsten in die Politik. Was Politiker:innen aber wirklich drauf haben: sich von Lobbys die Butter aufs Brot streichen zu lassen. Und da wären wir wieder beim Kohlebergbau, Energieunternehmen, dem Bauernverband, der Automobilindustrie. Es ist ja nicht so, dass man mit anderen Produkten KEIN Geld verdienen könnte. Klar kann man. Aber solange es mit der Technik aus dem vorvorigen Jahrhundert noch geht, ziehen wir es durch. Für alles Neue muss man ja erst mal investieren. Da geben diese Leute sich die Hand mit den Politikern. Die sind auch nicht so für das Neue. Manchmal ist sogar der Name Programm (Altmaier). Und leider haben Politiker noch was mit dem Thema gemein: sie leben in ihrer eigenen Realität. Also weit hinterm Mond. Die Frage ist ja nicht mehr: Wer hat das Haus angezündet? Die Frage ist vielmehr: Wie kommen wir da raus? Zurück in die Realität. Dorthin, wo wir klar denken können.

Anmerkung
Falls es nicht ganz klar ist. Der Text oben ist Meinung.